Lean Construction Management – Methoden zur Bauprozessoptimierung

Lean Construction Management fasst im mitteleuropäischen Bau- und Immobiliensektor zunehmend Fuß. Die Vorteile dieser Projektsteuerungsmethode verhelfen Bauprojekten in der Praxis zu wesentlichen Zeiteinsparungen bei gleichzeitiger Sicherstellung der Bauqualität. Im folgenden Gastbeitrag beschreiben Klaus Zacherl von der HABAU GROUP und Martin Stopfer von der Lean Construction Management GmbH in Wien, was es damit auf sich hat, wie die Umsetzung in der Praxis aussieht und wie Softwarelösungen wie PlanRadar Lean Management am Bau untersdtützen

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Lean Management: Verschwendung vermeiden

Das Lean Management leitet sich direkt vom Toyota Production System ab, welches Ende der 1980er Jahre außerhalb Japans bekannt wurde. Toyota entwickelte dieses System nach dem zweiten Weltkrieg insbesondere unter den Aspekten, dass jegliche Ressourcen knapp waren und dass die Vermeidung von Fehlern bzw. Mängeln, aufgrund der Ressourcenknappheit, oberste Priorität hatte.

Wie kann man nun ressourcenschonend produzieren?

Die Antwort lautet: „Durch die Vermeidung von Verschwendung!“ Beim Lean Management werden dazu die folgenden 8 Verschwendungsthemen fokussiert:

  • Überproduktion
  • Ineffiziente Bewegungsabläufe
  • Lagerhaltung
  • Ungeeignete Prozesse
  • Wartezeit
  • Fehler und Mängel
  • Transport
  • Ungenütztes Mitarbeiterpotenzial

Ein weiterer wesentlicher Aspekt beim Lean Management ist der kulturelle Umgang mit den Prozess- bzw. Projektbeteiligten. Es wird dabei auf eine kollaborative Vorgehensweise gesetzt. Für Martin Stopfer eine Methode, die sich bezahlt macht:

„Aus den Erfahrungen von Gewährleistungsabteilungen großer Bauunternehmen wissen wir, dass ca. 40 – 50% weniger Mängel bei Baustellen mit Lean Management gegenüber Baustellen mit konventioneller Abwicklungsmethodik anfallen.“

Die Umsetzung in der Praxis – keine Leerstandszeiten, kontinuierliche Personalauslastung

Um Lean Construction Management noch eingehender zu beschreiben, wollen wir uns zur besseren Veranschaulichung eines Beispiels bedienen. Gehen wir von der Sanierung eines Gebäudes mit ähnlichen Zimmereinheiten aus (zB. Hotels, Studentenheime, Wohngebäude, etc.) werden aufeinanderfolgende Sanierungsleistungen eingeplant und eingetaktet.

Damit ist gemeint, dass genau festgelegt ist, welches der am Bauvorhaben beteiligten Gewerke wann und welche Leistung zu erbringen hat. Beginnen beispielsweise die Maurer mit Stemmarbeiten, folgen die Elektriker mit der Verlegung der Elektroinstallationen, danach die Trockenbauer mit dem Schließen der Wände, usw. Dabei ist genau geplant, wie lange jedes Gewerk für die Ausführung seiner Leistungen benötigt. Dadurch werden Überschneidungen und Stillstand vermieden.

Läuft alles nach Plan, liegt die Zeitersparnis auf der Hand: Sind zum Beispiel 40 Tagestakte zur Fertigstellung des ersten Zimmers vorgesehen, wird das zweite Zimmer am 41. Tag, das dritte Zimmer am 42. Tag usw. fertig gestellt. So ergeben sich Einsparungen bei Zeit sowie Kosten. Darüber hinaus sinkt die Notwendigkeit von Nacharbeit oder Fehlerausbesserungen. Ein zentraler Punkt dabei ist die Planungssicherheit für die Subunternehmer, durch eine kontinuierliche Personalauslastung ohne Spitzen oder Leerstandzeiten. Somit profitieren vom Lean Construction Management verschiedene Projektbeteiligte.

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Somit wird deutlich: Das erklärte Ziel der Lean Construction Management Methode besteht darin, das Zusammenspiel von Arbeitsabläufen, Geräteeinsatz, Materialien, Umgebungsbedingungen, etc. zu optimieren. Der dadurch größere und längere Planungsaufwand soll jedoch bei der Bauausführung Wartezeiten, Verzögerungen, Verschwendung und andere Defizite wesentlich minimieren. Das erhöht in Folge die Kundenzufriedenheit und steigert die Wertschöpfungskette bei Bauprojekten.

Gründe genug, warum das Konzept im Bausektor immer häufiger Anwendung findet. Für Hubert Wetschnig, CEO der HABAU GROUP, stellt die von Projektbeginn an ganzheitliche Integration von Lean Construction – insbesondere in der Zusammenschau mit BIM – eine logische Weiterentwicklung eines effizienten Projektmanagements in der HABAU GROUP dar:

„Die Anforderungen an Bauprojekte steigen beständig: Es gilt, Effizienz und hohe Qualität miteinander zu verbinden. Durch Lean Construction in Kombination mit unserem Bekenntnis zu einer kooperativen Projektabwicklung sorgen wir für einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess innerhalb der HABAU GROUP und mit allen Partnerunternehmen. Unseren Kundinnen und Kunden verschaffen wir so den entscheidenden Wettbewerbsvorteil.“

Lean Construction Management vereint eine optimierte Planung und schlanke Prozesse

Dass immer mehr Unternehmen Lean Construction Management im Zuge ihrer Bauvorhaben anwenden, überrascht nicht. Denn die Einhaltung der zeitlichen und finanziellen Rahmenbedingungen ist am Bau ein stetiger Kampf, wie unzählige Beispiele aus aller Welt belegen. Schätzungen zufolge werden 50 bis 70 Prozent der Einzeltätigkeiten am Bau nicht zeitgerecht fertiggestellt. Das Potenzial durch von Lean Construction Management Methode optimierte Planung optimieren und effizientere Arbeitsabläufen ist somit sehr groß.

Doch was unterscheidet Lean Management von herkömmlichen Planungsmethoden? Zunächst wird auf Basis einer Gesamtprozessanalyse der Zeitplan rund um das gesamte Bauvorhaben entworfen und die wesentlichen Meilensteine – wie Beginn der Erdarbeiten, Fertigstellung des Rohbaus, Einbau der technischen Gebäudeausrüstung, etc. – in Projektphasen unterteilt. Anschließend erstellen die beteiligten Unternehmen und Gewerke nach dem sogenannten Last Planner System Pläne mit unterschiedlichen Detailgraden. Je näher es an die eigentliche Ausführung geht, umso detaillierter gestaltet sich die Planungsarbeit.

Bauarbeiter mit optischem Theodolit-Vermessungsinstrument zur Messung von Winkeln in horizontalen und vertikalen Ebenen auf der Baustelle. Ingenieure und Architekten besprechen Pläne neben dem Vermesser.

Beim Lean Construction Management externe Partner früh und voll einbinden

Klaus Zacherl hat bei HABAU die Oberbauleitung im Industrie- und Generalunternehmerbau inne. Auch er sieht in der genauen Abstimmung mit den verschiedenen internen und externen Teams den Schlüssel zum Erfolg im Lean Construction Management:

„Das getaktete Arbeiten ist im Rohbau keine Neuheit und funktioniert in der Regel gut. Herausfordernder ist jedoch die Koordination im Ausbau der einzelnen Subunternehmer. Wenn bis zu 60 verschiedene ausführende Unternehmen bei einem Projekt involviert sind, muss man diese so früh wie möglich einbinden.“

Alle Leistungen sowie der Ablauf von Prozessen werden somit gemeinsam mit den Gewerken und anderen Beteiligten festgelegt. Entscheidend ist dabei, dass der Fortschritt der Arbeiten täglich oder wöchentlich überprüft wird. Das stellt sicher, dass im Fall von Verzögerungen zeitnah eine Problemanalyse erfolgt, auf deren Basis Lösungen gefunden werden können. Haben die Verantwortlichen die relevanten Meilensteine bestimmt, folgt eine Analyse möglicher Problemzonen. Dabei werden alle Faktoren berücksichtigt, die eine Verzögerung des Baufortschritts bewirken können. Abschließend folg die Detailplanung, in der die täglichen Arbeiten der einzelnen Teams definiert werden.

Denn der beste Terminplan nützt nichts, wenn ihn niemand beachtet. Man muss seine externen Partner an der Planung der einzelnen Arbeitsschritte teilhaben lassen und dabei ihre Bedürfnisse berücksichtigen. Nur so werden die festgelegten Taktzeiten bei der Ausführung auch von allen einhalten.“

Bauqualität sicherstellen

Für das Bauwesen ist darüber hinaus wichtig, dass das Lean Construction Management nicht alleine in die Zeitersparnis oder die Prozessoptimierung im Sinn hat. Ein weiterer Aspekt ist auch die Qualitätssicherung. Wie zuvor beschrieben, setzt diese Methode die regelmäßige Überprüfung des Fortschritts voraus.  Dabei werden auch etwaige Mängel erfasst, die in Folge nicht nur behoben werden müssen. Wesentlich ist auch, dass die verantwortlichen Teams auch Lösungen entwickeln, um das erneute Auftreten desselben Mangels in Zukunft zu verhindern. Damit das funktioniert, ist eine lückenlose Baudokumentation unabdingbar. So wird sichergestellt, dass Fehler bereits bei der ersten produzierten Einheit entdeckt und bei der Ausführung der weiteren Einheiten vermieden werden.

Hierbei hat sich der Einsatz digitaler Lösungen zum Mängelmanagement und zur Abnahme als Vorteil erwiesen. Mit PlanRadar erfassen Sie alle Sachverhalte bereits während des Bauprozesses in Wort, Bild und Ton auf digitalen Bauplänen oder BIM-Modellen und teilen diese Informationen in Echtzeit mit den zuständigen Gewerken. Der Vorteil: Probleme werden sofort erkannt und behoben, so dass die via Lean Construction Management definierten Zeitpläne eingehalten werden.

Lean Management durch Software unterstützen

Martin Stopfer, der mit der Lean Construction Management GmbH Unternehmen bei der Digitalisierung rund um Lean Management Prozesse am Bau berät, streicht die Bedeutung von Software für mehr Effizienz hervor:

„Viele der Merkmale des Lean Managements werden von Bausoftware wie PlanRadar erfüllt. Die Software gestaltet das Mängelmanagement effizienter und dadurch werden Personal-Ressourcen geschont.“

Mängel werden mit PlanRadar visualisiert und können daher zielgerichtet beseitigt und dokumentiert werden. Durch die transparente und strukturierte Darstellung kann eine zukünftige Vermeidung von Mängelwiederholungen und die Etablierung von Lösungen nachhaltig unterstützt werden. Somit resultiert wiederum eine Ressourcenschonung (Personal, Material, Gerät, etc.), da jede Mängelbeseitigung Verschwendungsthemen beinhaltet. Zusätzlich ist durch die mobile und rasche Verfügbarkeit der relevanten Informationen und der integrierten Kommunikationsmöglichkeit zwischen den Projektbeteiligten eine kooperative Abarbeitung der Aufgaben gegeben.

„PlanRadar kann somit als effizientes und kollaboratives Werkzeug im Sinne des Lean Managements angesehen und eingesetzt werden. Es zeigt sich, dass intelligente Digitalisierungs-Tools einen wesentlichen Beitrag zur Effizienzsteigerung am Bau leisten. Gleichzeitig wird durch die Ressourcenschonung der ökologische Fußabdruck verringert und die CO2-Bilanz von Bauprojekten verbessert.“

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