Lean Construction Management ist eine Methode zur Einsparung von Zeit und Kosten bei Bauprojekten. Gleichzeitig wird die Bauqualität sichergestellt. In diesem Artikel erklären wir Ihnen, was genau Lean Construction Management ist, wie es in der Praxis funktioniert und wie Sie selbst diese Methode für Ihre Bauvorhaben einsetzen können.

Lean Construction Management - Auf diese Dinge kommt es an

Was ist Lean Management?

Seine Wurzeln hat das Lean Management im fernöstlichen Japan. Die traditionelle Lebens- und Arbeitseinstellung Kaizen (改善) beschreibt eine gesellschaftlich tief verankerte Tugend der „ständigen Verbesserung“. Sowohl im privaten, als auch im beruflichen und im akademischen Umfeld sollte jede und jeder nach Optimierung streben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Japan wirtschaftlich stark angeschlagen und viele Unternehmen hatten mit akuter Ressourcenknappheit zu kämpfen. Um dennoch konkurrenzfähig zu bleiben, perfektionierte der japanische Automobilhersteller Toyota den Kaizen-Ansatz und wandte ihn auf seine Produktion an. Das Ziel bestand darin, die Produktion effizienter und ressourcenschonender zu gestalten. Das Vermeiden von Verschwendung galt als höchstes Gut im Konzern. So sollten beispielsweise Probleme in der Produktion aktiv angesprochen werden. Dadurch konnte die Ursache des Problems ermittelt und eliminiert werden, wodurch die Effizienz der Produktion weiter erhöht wurde. Das “Toyota-Produktionssystem”, auch “Lean Management” genannt, entpuppte sich als äußerst erfolgreich und wurde bald auch von anderen japanischen Unternehmen wie Mitsubishi oder Sony angewandt.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Japan zu einem der vermögendsten Staaten der Welt. Das Konzept des Lean Management gewann damit auch international an Ansehen und wurde ab den 1980er-Jahren erstmals außerhalb Japans eingesetzt.

Das sind die Schwerpunkte des Lean Management Systems:

  • Überproduktion vermeiden
  • Effiziente Bewegungsabläufe einführen
  • Lagerhaltung vermeiden
  • Geeignete Prozesse anwenden
  • Wartezeiten vermeiden
  • Fehler vermeiden und dessen Ursachen beheben
  • Transport so stark wie möglich reduzieren
  • Mitarbeiterpotenzial optimal nutzen

Martin Stopfer von der Lean Construction Management GmbH aus Wien kann den Erfolg des Toyota-Produktionssystems aus erster Hand bezeugen: „Aus den Erfahrungen von Gewährleistungsabteilungen großer Bauunternehmen wissen wir, dass ca. 40 – 50% weniger Mängel bei Baustellen mit Lean Management gegenüber Baustellen mit konventioneller Abwicklungsmethodik anfallen.“

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Der Weg vom Lean Management zum Lean Construction Management

Ursprünglich kam das Lean Management lediglich in Produktionsbetrieben zum Einsatz. Allerdings haben mittlerweile andere Branchen das Potenzial dieses Konzepts ebenfalls für sich erkannt. Dazu gehören auch Unternehmen der Baubranche, welche mittels Lean Construction Management ihre Bauprozesse optimieren.

Wie optimieren Bauunternehmen ihre Prozesse mit Hilfe von Lean Construction Management?

Hier einige wichtige Punkte:

  • Entwicklung und fortlaufende Verbesserung von Bauprozessen
  • Optimierter Einsatz von Bauarbeitern und Baumaschinen bei gleichzeitiger Minimierung von Abfällen
  • Reduktion der Baukosten
  • Erhalt einer hohen Bauqualität

Wie funktioniert Lean Construction Management in der Praxis?
Soll beispielsweise ein Gebäude saniert werden, wird die Sanierung im Vorhinein nach einem strikten Zeitablauf (Bauzeitenplanung) geplant. Erfahrungen und Know-how werden genutzt, um einzelne Prozesse perfekt aufeinander abzustimmen. Alles wird so geplant, dass ein Minimum an Arbeitszeit und Personal nötig ist, sich die verschiedenen Arbeiten jedoch nicht gegenseitig beeinträchtigen. Damit sollen Überschneidungen und Stillstände auf ein absolutes Minimum reduziert werden. Bereits vor Beginn der Sanierung steht fest, wer wann und welche Leistung zu erbringen hat. Alle beteiligten Stakeholder wie Mitarbeitende, Subunternehmen, Lieferanten etc. werden in die Planung einbezogen. Auch der Materialbedarf wird genauestens berechnet.

Zu Beginn war das Lean Construction Management nur eine Nische auf dem Baumarkt. In den letzten Jahren jedoch wurde der Mainstream des Baugewerbes im DACH-Raum auf das Lean Construction Management Konzept aufmerksam. Auch Hubert Bertsching, CEO der HABAU GROUP integriert das Lean Construction Management ins Projektmanagement seines Unternehmens: „Die Anforderungen an Bauprojekte steigen beständig: Es gilt, Effizienz und hohe Qualität miteinander zu verbinden. Durch Lean Construction in Kombination mit unserem Bekenntnis zu einer kooperativen Projektabwicklung sorgen wir für einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess innerhalb der HABAU GROUP und mit allen Partnerunternehmen. Unseren Kundinnen und Kunden verschaffen wir so den entscheidenden Wettbewerbsvorteil.“

Das Last Planner System im Lean Construction Management

Essentiell für den ungestörten Ablauf von Prozessen ist das Last Planner System (LPS). Es ist eine Arbeitsablaufmethode für Bauprojekte, um die Produktivität und Verantwortlichkeit der Arbeiter durch straffe Zeitplanung und detaillierte Gruppenplanung zu steigern. Das Leitprinzip des Systems besteht besteht in der Sicherstellung, dass jeder Arbeiter und Auftragnehmer auf einer Baustelle sein Arbeitspensum bewältigen kann. Dabei bestimmen Auftraggeber und Auftragnehmer, welche Phase des Projekts abgeschlossen sein muss, bevor die nächste Phase beginnt.

Lean Construction Management vereint eine optimierte Planung und schlanke Prozesse

Beispiele an Projekten aus aller Welt zeigen: 50 bis 70 Prozent aller Einzeltätigkeiten am Bau werden nicht zeitgerecht – oder gar nicht – fertiggestellt. In vielen Fällen liegt das Problem im Management, welches die Arbeiten ungenügend oder falsch durchkalkuliert hat.

Zwar kann das Lean Construction Management nicht vom einen auf den anderen Tag eingeführt werden, auf langfristige Sicht bietet es aber die Chance, den Status quo zu verbessern und damit der Branche als Ganzes unter die Arme zu greifen.

Externe Partner früh und voll einbinden

Die frühe und zielgerichtete Einbindung aller Stakeholder ist ein zentraler Punkt im Lean Construction Management. Vorausschauende Planung kann nicht im Alleingang stattfinden, sondern muss gemeinsam mit Subunternehmern, Lieferanten und anderen Partnern geschehen. Klaus Zacherl, Oberbauleiter im Sektor Industrie- und Generalunternehmerbau bei der HABAU Group sieht das so: „Das getaktete Arbeiten ist im Rohbau keine Neuheit und funktioniert in der Regel gut. Herausfordernder ist jedoch die Koordination im Ausbau der einzelnen Subunternehmer. Wenn bis zu 60 verschiedene ausführende Unternehmen bei einem Projekt involviert sind, muss man diese so früh wie möglich einbinden.“

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Im Lean Construction Management ist es unvermeidbar, den Projektfortschritt laufend zu prüfen. Mögliche Abweichungen sollten im Kern unterbunden werden, damit der Ablauf und die einzelnen Fristen nicht gefährdet werden. Werden allfällige Hindernisse frühzeitig im Team besprochen, wird die Zusammenarbeit reibungsloser und produktiver. Dabei sollte auf proaktive und bekräftigende Kommunikation, statt auf Strafe und Einschüchterung gesetzt werden. Ohne die Kooperation auf Augenhöhe mit allen Partnern ist Lean Construction Management nicht möglich. Denn der beste Terminplan nützt nichts, wenn ihn niemand beachtet. Man muss seine externen Partner an der Planung der einzelnen Arbeitsschritte teilhaben lassen und dabei ihre Bedürfnisse berücksichtigen. Nur so werden die festgelegten Taktzeiten bei der Ausführung auch von allen einhalten.

Bauqualität sicherstellen

Eine effiziente Nutzung der Ressourcen Zeit, Geld, Materialien und Arbeit sind der Kern des Lean Construction Managements. Allerdings darf die Bauqualität nicht unter der neuen Herangehensweise leiden. Im Lean Construction Management soll nicht billiger, sondern günstiger gebaut werden. Bauunternehmen möchten mit dem Lean Construction Management die gleiche, oder sogar eine bessere Qualität, mit weniger Verschwendung erreichen. So wird beispielsweise nicht an der Qualität der Baumaterialien gespart, sondern es wird nicht mehr eingekauft als benötigt. Auch an der Ausbildung und den Qualifikationen des Personals werden keine Abstriche toleriert, doch es werden nicht mehr Leute eingesetzt als nötig. Das Lean Management achtet auf Qualität, statt auf Quantität.

Konkret bedeutet das, dass das Team dazu ermutigt wird, Probleme aktiv zu melden und neue Lösungsansätze vorzuschlagen. Es sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, welche tagtäglich in ihrem Fachgebiet arbeiten und mögliches Verbesserungspotenzial als Erste entdecken. Zwar werden die Mitarbeitenden im Lean Construction Management in enge Zeitpläne eingebunden und ihre Leistungen werden regelmäßig überprüft und besprochen – allerdings werden die Mitarbeitenden auch ernst genommen, zu vorteilhaften Konditionen angestellt und ihre Einwände, Bedenken, Sorgen und Vorschläge werden vom Management begrüßt.

Um die Qualität über das ganze Bauvorhaben hin zu gewährleisten, ist eine lückenlose Baudokumentation unabdingbar. Viele Bauunternehmen setzen hierbei auf digitale Lösungen. Bausoftware wie PlanRadar ermöglicht eine detaillierte Dokumentation, Analyse und Kommunikation und unterstützt dabei den effizienten und ressourcenschonenden Bau nach dem Lean Construction Management Modell.

Lean Management durch Software unterstützen

Im Zuge der Digitalisierung wurde der Einsatz von innovativer und intelligenter Software immer beliebter. Martin Stopfer, welcher mit der Lean Construction Management GmbH Unternehmen bei der Digitalisierung rund um Lean Management Prozesse am Bau berät, stellt fest: „Viele der Merkmale des Lean Managements werden von Bausoftware wie PlanRadar erfüllt. Die Software gestaltet das Mängelmanagement effizienter und dadurch werden Personal-Ressourcen geschont.“

Auch im Lean Construction Management können Mängel auftreten. Dies allein ist aber noch kein großer Rückschlag. Worauf es ankommt, ist, wie mit den Mängeln umgegangen wird. Ein effizientes und zielgerichtetes Mängelmanagement wird durch den Einsatz von Software wie PlanRadar vereinfacht. PlanRadar unterstützt Bauunternehmer bei der zielgerichteten Dokumentation und der Beseitigung von Mängeln. Mängel werden mit PlanRadar jedoch auch visualisiert, wodurch die Ursache ausfindig gemacht und eliminiert werden kann. Dadurch wird sichergestellt, dass sich der gleiche Fehler nicht noch einmal wiederholt. Für Martin Stopfer hat sich PlanRadar als effizientes und kollaboratives Werkzeug im Sinne des Lean Managements erwiesen: „Es zeigt sich, dass intelligente Digitalisierungs-Tools einen wesentlichen Beitrag zur Effizienzsteigerung am Bau leisten. Gleichzeitig wird durch die Ressourcenschonung der ökologische Fußabdruck verringert und die CO2-Bilanz von Bauprojekten verbessert.“