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Leitfaden: Passivhaus, Nullenergiehaus, Plusenergiehaus

01.06.2022 | 8 min Lesedauer | Written by Johannes Heinrich

Die Zukunft der Bauleitung

Wie digitale Lösungen das Bauleitungswesen 2023 und darüber hinaus verändern werden

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Passivhaus, Nullenergiehaus, Plusenergiehaus: Welches ist das beste? Unser großer Leitfaden gibt alle wichtigen Antworten. Es existiert eine Vielzahl an Begriffen und Definitionen in Bezug auf Energiestandards von Gebäuden. Dieser Artikel bietet einen verständlichen Überblick zu den Eigenschaften und Besonderheiten verschiedener Haustypen und Energiestandards. Daran schließen sich zwei Tabellen: Sie geben Aufschluss über den durchschnittlichen Energiebedarf und vergleichen auch die U-Werte verschiedener gängiger Gebäude-Bezeichnungen. Der Bau energieeffizienter Gebäude hat nicht nur Auswirkungen auf die Betreiber und Betreiberinnen. Auch die Baubranche ist durch diese Entwicklung in zunehmendem Maß betroffen.
Großer Leitfaden zu Passivhaus, Nullenergiehaus, Plusenergiehaus

Niedrigenergiehaus

Was ist ein Niedrigenergiehaus oder Effizienzhaus?

Ein Niedrigenergiehaus oder Effizienzhaus ist ein Wohngebäude, das eine höhere Energieeffizienz aufweist als vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Der Begriff Effizienzhaus wurde von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) geprägt.

Wie funktioniert ein Niedrigenergiehaus?

Niedrigenergiehäuser benötigen weniger Energie, da sie über eine moderne Bauweise verfügen und energiesparende Technik einsetzen. Je geringer der Wärmeverlust durch die Gebäudehülle, desto größer ist die Energieeffizienz, was zu einem verringerten Energiebedarf (Beheizung) führt. Eine genaue technische Definition, was ein Energieeffizienzhaus im Detail ausmacht, existiert jedoch nicht. Mitunter wird für diese Gebäude abhängig von ihrer Ausstattung auch der Terminus Niedrigenergiehaus oder Effizienzhaus Plus verwendet. Die KfW definiert verschiedene Standards – etwa das Energieeffizienzhaus 40 oder Energieeffizienzhaus 110. Das Energieeffizienzhaus 40 hat unter den Niedrigenergiehäusern den niedrigsten Energiebedarf.

Niedrigenergiehaus Vorteile

  • Niedrige Heizkosten
  • Hoher Wohnkomfort
  • Gesundes Wohnklima
  • Grünes Wohnen

Niedrigenergiehaus Nachteile

  • Nicht komplett unabhängig von externer Energieversorgung
  • Teuer in der Konstruktion und in der Planung
  • Kostspielige Gebäudetechnik

Niedrigenergiehaus Kosten

2’300 bis 2’600 Euro pro Quadratmeter.

Niedrigenergiehaus Fertighaus

Erhältlich auf dem Markt. Jedoch teurer als herkömmliche Fertighäuser, aber günstiger als herkömmliche Niedrigenergiehäuser.

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Passivhaus

Was ist ein Passivhaus?

Als Passivhaus gilt laut dem Passivhausinstitut Darmstadt ein Gebäude, welches einen Energiebedarf von 15 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter und Jahr nicht überschreitet.

Wie funktioniert ein Passivhaus?

Ein großer Teil des Bedarfs an Heizenergie in einem Passivhaus wird durch die Kraft der Sonne oder die Abwärme von Bewohnern und der technischen Ausstattung gedeckt – insofern stammt auch die Zuschreibung „passiv“. Was den Passivhausstandard ebenfalls auszeichnet, ist die hohe Effizienz bei der Wärmedämmung dieser Gebäude. Seit Beginn des Jahrtausends wurden knapp 2.400 Wohngebäude im Passivhausstandard fertig gestellt.

Passivhaus Vorteile

  • Kein Einbau von großer Heizungsanlage
  • Geringe Energie- / Nebenkosten
  • Niedriges Risiko von Schimmelbildung
  • Gute Schall- und Wärmeisolierung
  • Umweltfreundlich

Passivhaus Nachteile

  • Trockene Raumluft im Winter
  • Hohe Wartungskosten
  • Aufwändige und störungsanfällige Lüftungstechnik

Passivhaus Kosten

1’300 bis 1’600 Euro pro Quadratmeter.

Passivhaus Fertighaus

Viele der heute in Deutschland erhältlichen Fertighäuser entsprechen bereits dem Passivhaus-Standard.

Nullenergiehaus

Was ist ein Nullenergiehaus?

Das Nullenergiehaus ist eine technische Weiterführung des Passivhauses. Es weist ähnliche Eigenschaften bei der Wärmedämmung und Wärmerückgewinnung auf. Hinzu kommt, dass es den aufkommenden Energiebedarf über das Jahr gerechnet selbst deckt.

Wie funktioniert ein Nullenergiehaus?

Neben einer hocheffizienten Dämmung verfügen Nullenergiehäuser zum Beispiel auch über moderne Anlagen zur Belüftung, die beim Luftaustausch keine Energie verlieren. Durch den Einsatz von Solaranlagen oder Geothermalpumpen gewinnt das Nullenergiehaus selbst Energie. Achtung: Die Bezeichnung „Nullenergiehaus“ ist jedoch etwas irreführend. Denn dieses Gebäude ist für die Beheizung, Warmwasserbereitung oder Strom abhängig von der Jahreszeit mitunter auf Energie aus externen Quellen angewiesen. Die Bewohner profitieren in jedem Fall von einer geringen Stromrechnung. Ein weiteres Plus: Da dieser Haus-Typ über das Jahr gesehen gleich viel Energie produziert, wie er verbraucht, fällt im Gegensatz zu anderen Gebäuden auch die CO₂-Bilanz neutral aus.

Nullenergiehaus Vorteile

  • Autarke Stromversorgung
  • Klimaneutral
  • Teilweise staatlich gefördert
  • Einsatz von erneuerbaren Rohstoffen

Nullenergiehaus Nachteile

  • Lange Bauzeiten
  • Teure Planung und Umsetzung
  • Nicht überall umsetzbar

Nullenergiehaus Kosten

1’400 bis 1’900 Euro pro Quadratmeter.

Nullenergiehaus Fertighaus

Vorgefertigte Nullenergiehäuser sind weit verbreitet in Deutschland.

Plusenergiehaus

Was ist ein Plusenergiehaus?

Das Plusenergiehaus vereint moderne Energiegewinnung mit zeitgemäßem Energieverbrauch. Nicht nur ist das Plusenergiehaus kein Konsument von externer Energie, die Bilanz seines Energieverbrauches ist negativ. Das bedeutet, dass das Plusenergiehaus durchschnittlich mehr Energie ins Stromnetz einspeist, als es ihm entnimmt. Abhängig von der Jahreszeit kann es trotzdem Energie von außen beziehen – etwa, wenn die eigene Solaranlage in den Wintermonaten nicht genug Energie zur Deckung des Bedarfs produziert. Das Plusenergiehaus stellt von seinem technischen Anspruch her den höchsten Standard dar, auch wenn die Bezeichnung selbst nicht offiziell verwendet wird.

Plusenergiehaus Vorteile:

  • Niedrigere Energiekosten
  • Geringere Abhängigkeit von knappen Ressourcen
  • Ermöglicht umweltfreundlichen Lifestyle
  • Zusatzeinnahmen bei Einspeisung in den öffentlichen Stromkreislauf
  • Da Elektro-Autos immer häufiger auf unseren Straßen unterwegs sind, kann das energieproduzierende Gebäude in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur Bereitstellung von Strom für Fahrzeuge leisten.

Plusenergiehaus Nachteile:

  • Nicht unabhängig von externer Stromversorgung (vorwiegend im Winter)
  • Teuer in der Konstruktion und in der Planung
  • Bürokratisch aufwendiger als ein gewöhnlicher Bau
  • Höhere Aufwände für Instandhaltung

Plusenergiehaus Kosten:

2’900 bis 3’200 Euro pro Quadratmeter.

Plusenergiehaus Fertighaus:

Die Herstellung eines vorgefertigten Plusenergiehauses ist technisch herausfordernd aber machbar. In Deutschland werden Plusenergiehäuser (noch) nicht im großen Stil vorgefertigt.

Symboldbild für Dämmung: Kleine Holzhäuser mit blauem Schal

Energiebedarf und U-Werte von Passivhaus, Nullenergiehaus, Plusenergiehaus & Co

Die Energiestandards von Gebäuden spiegeln sich in verschiedenen Werten wider. Die folgende Tabelle zum Energieverbrauch von Häusern veranschaulicht den maximalen Energiebedarf verschiedener Gebäude. Je geringer der Wert, desto weniger Energie muss zur Beheizung des Gebäudes aufgewandt werden. 10 Kilowattstunden entsprechen ungefähr dem Energiegehalt von 1 Liter Heizöl. Mit Ausnahme des Passivhausstandards sind diese Angaben als Richtwerte zu verstehen.

Energieverbrauch Haus: Tabelle (Heizenergieverbrauch pro Quadratmeter und Jahr)

Haustyp Energiebedarf in kWh
Plusenergiehaus = 0 kWh (m²·a)
Nullenergiehaus = 0 kWh (m²·a)
Passivhaus ≤ 15 kWh (m²·a)
KWF-Effizienzhaus 40 ≤ 25 kWh (m²·a)
KWF-Effizienzhaus 55 ≤ 35 kWh (m²·a)
KWF-Effizienzhaus 70 ≤ 45 kWh (m²·a)
Niedrigenergiehaus ≤ 70 kWh (m²·a)
Standardhaus (Altbau) ≤ 160 kWh (m²·a)
Wohnhaus (nicht saniert) ≤ 300 kWh (m²·a)

Ein wesentlicher Faktor für den Energiebedarf eines Gebäudes stellt die Dämmung der verschiedenen Komponenten dar. Die untenstehende Tabelle zeigt einen U-Wert Vergleich verschiedener Häuser und Bauteile. Je niederer der U-Wert, desto besser. Denn so entweicht weniger Wärme durch die verschiedenen Teile der Gebäudehülle. Die folgenden Zahlen sind ebenfalls als Richtwerte zu verstehen und variieren je nach Definition sowie nach Art und Alter der verwendeten Komponenten.

U-Wert Vergleich: Häuser und Bauteile (Wärmedurchgangskoeffizient)

Haustyp Dach Außenwände Bodenplatte Fenster & Türen
Passivhaus ≤ 0,10 W/(m²·K) ≤ 0,15 W/(m²·K) ≤ 0,12 W/(m²·K) ≤ 0,80 W/(m²·K)
KFW-Effizienzhaus 40 ≤ 0,15 W/(m²·K) ≤ 0,15 W/(m²·K) ≤ 0,20 W/(m²·K) ≤ 0,80 W/(m²·K)
KFW-Effizienzhaus 55 ≤ 0,17 W/(m²·K) ≤ 0,18 W/(m²·K) ≤ 0,25 W/(m²·K) ≤ 0,90 W/(m²·K)
KFW-Effizienzhaus 70 ≤ 0,17 W/(m²·K) ≤ 0,23 W/(m²·K) ≤ 0,25 W/(m²·K) ≤ 0,90 W/(m²·K)
Niedrigenergiehaus ≤ 0,20 W/(m²·K) ≤ 0,25 W/(m²·K) ≤ 0,30 W/(m²·K) ≤ 1,50 W/(m²·K)
Standardhaus ≤ 0,20 W/(m²·K) ≤ 0,28 W/(m²·K) ≤ 0,35 W/(m²·K) ≤ 1,80 W/(m²·K)

Kacheln von Fußweg mit Moos in Ritzen

Auswirkungen von Energiestandards bei Gebäuden auf die Baubranche

Wer weniger Heizkosten bezahlen will, ist für den Bau eines Gebäudes auf die passenden Rohstoffe, Technologien und Fachkenntnisse der ausführenden Unternehmen angewiesen. Energieeffiziente Bauten werden dabei in Energieklassen eingeteilt.

In Deutschland vergibt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) verschiedene Standards für energieeffiziente Gebäude. Die Stufen beginnen beim Energiestandard KfW 40 und steigen dann stufenweise nach oben. Jeder einzelne Standard umfasst strenge und detaillierte Stufen, welche ein Gebäude erfüllen muss, um als KfW-Effizienzhaus der entsprechenden Stufe zu gelten. Die Vorgaben können, je nach Stufe, auf Bestandsimmobilien, wie auch auf Energiestandard Neubauten angewendet werden. Je höher der KfW-Wert ist, desto mehr Energie verbraucht ein Gebäude. Ein Haus mit dem Energiestandard KfW 50 beispielsweise ist demnach energieeffizienter als ein Gebäude mit dem Energiestandard KfW 70.

Die unterschiedlichen Energiestandards bei Häusern können auf verschiedenen Wegen umgesetzt werden. Eine umfassende Dämmung von Dach und Außenwänden sowie doppel- oder dreifach-glasige Fenster mit neuen Rahmen sind in diesem Zusammenhang eine Grundvoraussetzung. Die Beheizung sollte vorwiegend durch regenerative Technologien erfolgen. Einen Königsweg gibt es nicht, doch die Möglichkeiten reichen je nach Gebäudeart und Größe von der Holzpelletheizung bis zur Wärmepumpe. Eine kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung stellt ebenso eine Lösung zu mehr Energieeffizienz dar, wie eine optimierte passive Nutzung der Sonnenstrahlung.

Für das Bauwesen entsteht dadurch ein großes Potenzial. Um möglichst energiesparende und umweltschonende Lösungen zu finden, entwickeln Unternehmen neue Technologien und Baumethoden. Diese Neuerungen kommen zunehmend nicht nur mehr in Passivhäusern, sondern auch in konventionellen Neubauten zum Einsatz. All das hat auch positive Folgen auf den Arbeitsmarkt. Denn von der Konzeption optimierter Gebäude, über die Entwicklung neuer Baustoffe, bis hin zur Messung der Oberflächentemperatur (Thermografie) von Gebäuden werden ausgebildete Fachkräfte benötigt.

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Planer, Errichter und Nutzer wissen auch: Die Optimierung von Prozessen zum Zweck der Ressourcenschonung betrifft nicht nur den Betrieb eines Gebäudes, sondern bereits die Planungs- und Bauphase. Software wie PlanRadar legt bereits in diesen Stadien den Grundstein, damit die zur Verfügung stehenden Mittel optimal eingesetzt werden.

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