Wie ATP auf algorithm-aided BIM und PlanRadar baut

PlanRadar-Gründer Domagoj Dolinsek traf sich mit ATP architekten ingenieure Wien Geschäftsführer Werner Kahr und sprach in einer gemeinsamen Pressekonferenz über die Vorteile der Digitalisierung und von algorithm-aided BIM (Building Information Modeling) in der Planung, Ausführung und im Betrieb von Gebäuden. Die folgende Mitschrift fasst die wichtigsten Fragen und Aussagen zusammen.

Warum ATP architekten ingenieure auf algorithm-aided BIM und PlanRadar setzen

Werner Kahr, wer oder was ist ATP architekten ingenieure?

Werner Kahr: Wir sind ein Architekturbüro mit circa 900 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Wir zählen zu den führenden Büros im Bereich integrale Planung und bei der Arbeit mit Building Information Modeling in Europa. Wir haben insgesamt 11 Standorte in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Ungarn, Kroatien und Russland. ATP architekten ingenieure gibt es seit 70 Jahren. Seit 45 Jahren arbeiten wir interdisziplinär in unterschiedlichen Bereichen vom Tief- bis zum Hochbau.

Domagoj Dolinsek, bevor Sie PlanRadar 2012 gründeten, waren Sie bei ATP tätig. Inwieweit hat die Arbeit bei ATP die Entwicklung von PlanRadar geprägt?

Domagoj Dolinsek: Bei ATP architekten ingenieure war ich von der Planung bis zur Übergabe in verschiedene Projektphasen involviert. Dabei habe ich festgestellt, dass verschiedene Prozesse optimiert werden können. Die Planung durch ATP war schon immer sehr fortschrittlich. Aber bei der Umsetzung durch die ausführenden Unternehmen und beim Betrieb der fertigen Gebäude bestand damals viel Nachholbedarf. Dazu zählen fehleranfällige, manuelle Prozesse wie das Arbeiten mit Papierplänen auf der Baustelle, das Notieren von Sachverhalten auf Papier oder das Zusammenfassen von Informationen in Tabellen. Das sind alles Dinge, die man mit der Software PlanRadar effizienter lösen kann. Mittlerweile sind wir in 46 Ländern vertreten und haben um die 150 Mitarbeiter.

Das Thema unserer heutigen digitalen Pressekonferenz ist unter anderem algorithm-aided BIM. Ein scheinbar sehr komplexes Thema?

Werner Kahr: Da muss ich kurz ausholen. Derzeit arbeiten wir mit BIM oder 3D. Da wird es in Zukunft noch weitere Dimensionen geben: 4D für die Terminplanung, 5D für die Kostenschätzung, 6D für die Nachhaltigkeit und 7D für das Facility Management.

Mit Algorithm-aided BIM oder AAB können wir all diese Aspekte in BIM-Modellen berücksichtigen. Grundsätzlich werden bei AAB auf Basis von vordefinierten Parametern Gestalten und Formen erzeugt. Und das in einer für das menschliche Gehirn unmöglichen Vielfalt und Geschwindigkeit. Das bedeutet, dass wir eine Unzahl von Modellen haben, aus denen wir auswählen können. Der zweite Vorteil ist, dass wenn wir ein Element am Modell ändern, dann wird das im gesamten Modell berücksichtigt. Der dritte Vorteil: Wir können so das ganze Gebäude simulieren, bevor es erbaut wird. Darunter fallen zum Beispiel alle Einsparungspotenziale in Bezug auf Energieverbrauch oder verwendete Materialien. Mit algorithm-aided BIM können wir all das vorher digital modellieren.

LESETIPP: So funktioniert algorithm-aided BIM

Dieses fertige Modell können wir anschließend anderen Parteien zur Verfügung stellen. Weltweit können so zum Beispiel Firmen für Fenster Angeboten stellen. Eine weitere Nutzung ist auch im Betrieb möglich. Wenn zum Beispiel Mängel auftauchen, werden diese im Modell mit PlanRadar erfasst. Zusammenfassend stellt AAB also einen Riesenschritt in Richtung Digitalisierung dar.

Wer zieht denn den größten Nutzen aus dem Einsatz von BIM?

Werner Kahr: Von BIM profitieren alle. Das beginnt beim Grundstücksverkäufer, der damit feststellen kann, wie er sein Grundstück maximal ausnutzt, um den höchsten Verkaufspreis zu erzielen, und endet mit dem Betrieb und den Nutzern. Jeder einzelne Stakeholder von der grünen Wiese bis zum Zeitpunkt, wenn das Haus wieder abgerissen wird, zieht einen Nutzen aus BIM. Man kann über Parameter in BIM die Nachhaltigkeit oder die Lebenszykluskosten überprüfen. Mittels algorithm-aided BIM sehen wir sofort, welche Auswirkungen es hat, wenn wir zum Beispiel die Dämmstärke um einen Zentimeter erhöhen. Wir ersparen uns Teile der Ausschreibung, weil bereits im BIM-Modell definiert ist, was bestimmte Gebäudeteile leisten müssen. Wir sprechen hier von einem Einsparungspotenzial von rund 30 Prozent. Also 30 Prozent weniger Energie, Material, und Bauzeit.

Welche anderen Ressourcen lassen sich durch den Einsatz von BIM einsparen?

Domagoj Dolinsek: Viele Unternehmen verbinden mit BIM hohen Einstiegshürden. Dem ist aber tatsächlich nicht so. Bei PlanRadar ist unser Ansatz, dass wir BIM-to-field für jedermann möglich machen. Man braucht keine aufwendige Software und langwierige Schulungen, um Gebäudemodelle auf die Baustelle zu bringen. Jeder nimmt einfach sein Smartphone oder Tablet und kann direkt vor Ort das BIM-Modell aufrufen. Die Tools dafür sind inzwischen auf dem Markt. Wir müssen lediglich noch an der Akzeptanz dieser Lösungen arbeiten.

Werner Kahr: An dieser Stelle möchte ich einhaken. Die Frage ist nicht, ob BIM, sondern wann. Wann steigen alle Stakeholder in das Thema ein? Wie gesagt, betrifft das insbesondere die Ausführung und den Betrieb. Und wenn wir nochmal auf das Thema Einsparungen zurückkommen. Wir sparen mit BIM auch Zeit. Menschen arbeiten also weniger. Das betrifft insbesondere stupide Routineaufgaben, die mit algorithm-aided BIM der Computer übernimmt. Man sitzt also nicht nur da und setzt eine Wand nach der anderen, sondern das wird durch den Computer generiert.

Das menschliche Gehirn kann nur eine begrenzte Anzahl von Varianten oder komplexen Aufgaben lösen. Der Algorithmus kann das. Und diese Ressource muss man nutzen, zugunsten der Menschen und der Gebäude.

Wie weit ist die Digitalisierung in der Planung bereits fortgeschritten?

Werner Kahr: Das hängt davon ab, welchen Teilbereich man betrachtet. Im Planungsprozess ist der Digitalisierungsgrad sehr hoch. In der Ausführung eher gering. Bei den Projektentwicklern und in der Industrie ist sie ebenfalls schon sehr weit fortgeschritten. Denn dort denkt man langfristig, wie sich Dinge rentieren, was der Footprint ist, wie man etwas umbauen kann, und so weiter.

Ein Beispiel für den Einsatz von algorithm-aided BIM sind die Türme der Absolute World in Toronto, die so aussehen, als würden sie sich um 360 Grad um sich selbst drehen. Werner Kahr, was steckt dahinter?

Werner Kahr: Das ist ein typisches Beispiel für AAB. Bei der Generierung des Modells spielen verschiedene Fragen eine Rolle: Wie erzielt man die geringste Windwiderstandsfläche, oder wie erreiche ich das Optimum bei der Sonneneinstrahlung? Diese Wohntürme sind ein sehr spannendes Projekt und man kann dem Projektentwickler nur dazu gratulieren, dass er sich dazu entschlossen hat, mit dieser Methode zu planen.

BIM mit PlanRadar auf mobilen Geräten nutzen

Bei welchen Ihrer Gebäude kommen algorithm-aided BIM und die Visualisierung der Modelle mittels PlanRadar zum Einsatz?

Werner Kahr: Eines der ersten Projekte war das IMP – Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie in Wien. Da wurde aus sehr vielen Stakeholder-Anforderungen sowie externen und internen Parametern das optimale Gebäude gesucht. Und das hat mit dieser Methode sehr gut funktioniert. Aktuelle Beispiele sind Produktionsstätten von Ceratizit und Handl Tyrol Gastro Service in Tirol.

LESETIPP: So unterstützt Sie der mobile BIM-Viewer von PlanRadar

Gibt es in Bezug auf den Einsatz von AAB oder BIM im Allgemeinen eine ideale Projektgröße?

Werner Kahr: Nein, man kann die Technologie vom Einfamilienhaus bis zu Projekten mit einem Volumen von einer Milliarde Euro einsetzen. Wir hatten ein solches Großprojekte und dabei stellte sich die Frage, wie wir den CO2-Ausstoß senken können. Teilweise wollen das die Firmen selbst, teilweise wird es inzwischen auch vorgeschrieben. Das kann man in der Planung nur mit digitalen Prozessen gewährleisten.

Welche anderen Möglichkeiten sehen Sie bei der Zusammenarbeit von ATP architekten ingenieure und PlanRadar in Bezug auf BIM?

Werner Kahr: In der Steiermark haben wir ein weiteres gemeinsames Projekt, wo wir erstmals auch die Mängelerfassung im BIM-Modell und nicht mehr ausschließlich zweidimensional durchführen.

Domagoj Dolinsek: Uns geht es dabei vor allem darum, zur bewährten Arbeit mit digitalen Plänen eine zusätzliche Möglichkeit im mehrdimensionalen Raum zu bieten. Das wird von unseren Kunden auch angenommen. Wenige Tage nach Start des neuen BIM-Features hatten unsere Anwender bereits mehrere tausend Modelle hochgeladen. Daran sieht man, dass viele bereits weiterdenken und gegenüber dieser Technologie sehr aufgeschlossen sind.

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