Wie steht es 2022 um die Baubranche in der Schweiz? In diesem Beitrag zeigen wir die wichtigsten Entwicklungen auf und werfen einen Blick auf aktuelle Zahlen und Statistiken.

Alle Fakten zur Baubranche in der Schweiz 2022

DIE BAUBRANCHE IN DER SCHWEIZ 2022 – DIE WICHTIGSTEN FAKTEN

2022 macht die Baubranche in der Schweiz zwischen 10 und 15 Prozent des Bruttoinlandprodukts aus. Die Wertschöpfung befindet sich bei 4 bis 5 Prozent und liegt dabei unter dem Durchschnitt der anderen Branchen. Dies ist allerdings zu einem grossen Teil einigen – international gesehen – überdurchschnittlich performenden Branchen des Dienstleistungssektors geschuldet.

Die Bruttowertschöpfung im Schweizer Baugewerbe lag 2021 bei 34,32 Milliarden Schweizer Franken. Bauausgaben und Bauinvestitionen befinden sich währenddessen bei 67,4 Milliarden, bzw. bei 61,58 Milliarden Schweizer Franken.

Mit rund 330.000 erwerbstätigen Personen arbeitet gut 6 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung in der Schweizer Baubranche. Wie in anderen Ländern auch, machen in der Schweiz männliche Angestellte die überwiegende Mehrheit im Bauhauptgewerbe aus. 2022 ist gerade einmal gut eine von zehn Angestellten weiblich, inklusive Mitarbeitende in der Administration. Die Schweizer Baubranche ist zudem stark auf ausländische Fachkräfte angewiesen – über zwei Drittel der Beschäftigten stammen aus dem Ausland, hauptsächlich aus Portugal.

DIE FOLGEN DER PANDEMIE AUF DEN SCHWEIZER BAUSEKTOR

Mit im Vergleich zu vielen anderen Ländern vergleichsweise lockeren Pandemie-Massnahmen wurde das Tagesgeschäft des Schweizer Baugewerbes relativ wenig beeinflusst. Die wirtschaftlichen und global-politischen Folgen hinterlassen jedoch ihre Spuren. Zu Anfang der Pandemie nahmen die Investition in den Schweizer Bausektor um rund zwei Prozent ab. Dies wurde jedoch schon bald wieder kompensiert. Der Bedarf sowohl im Hoch-, als auch im Tiefbau stieg 2021 kräftig an und sorgte teilweise für einen Mangel an Bauarbeitern und Bauarbeiterinnen.

Die Pandemie brachte allerdings die globalen Lieferketten aus dem Gleichgewicht. Dies trieb die Kosten in die Höhe und führte zu Unsicherheiten in der Branche. Im Größen und Ganzen hielt sich die Schweizer Baubranche jedoch wacker und erwies sich als belastbares Standbein der Schweizer Wirtschaft.

SO BAUT DIE SCHWEIZ

Gemessen am Umsatz halten sich der Hochbau und der Tiefbau in der Schweiz ungefähr die Waage. Mit 10,02 Milliarden Schweizer Franken erzielte der Tiefbau einen Umsatz von lediglich 0,52 Milliarden Schweizer Franken mehr als der Hochbau.

Hochbau

Der Hochbau umfasst Bauten, welche mehrheitlich über der Geländelinie stattfinden. Im Jahr 2021 verzeichnete der Hochbau in der Schweiz einen Umsatz von 9,50 Milliarden Schweizer Franken. Der Fokus des Schweizer Hochbaus liegt in den Gebieten Wohnen und Bürogebäude. Doch auch staatliche Aufträge und Tourismusbauten machen einen signifikanten Anteil aus. 2022 arbeiten über 80.000 Vollzeitbeschäftigte im Hochbau, dazu kommen Teilzeitarbeitnehmer, temporär Angestellte und rund 3.800 Lernende.

Tiefbau

Als Abgrenzung und Gegenstück zum Teilgebiet des Hochbaus findet sich der Tiefbau. Er umfasst die Bauarbeiten, welche an oder unter der Erdoberfläche stattfinden. Mit einem Umsatz von 10,02 Milliarden Schweizer Franken ist der Tiefbau in der Schweiz etwas umsatzstärker als der Hochbau. Der Infrastrukturbau macht einen enormen Teil des Tiefbaus aus. Aufträge aus öffentlicher Hand sind demnach besonders bedeutend für den Tiefbau. Sowohl die Schweizerischen Bundesbahnen SBB CFF FFS, das eidgenössische Bundesamt für Strassen, ASTRA, als auch kantonale und kommunale Auftraggeber, gehören zu den wichtigsten Kunden des Tiefbaus. Rund die Hälfte aller gut 20.000 Vollzeitangestellten im Tiefbau arbeiten im Strassenbau.

PROGNOSE FÜR DIE BAUBRANCHE IN DER SCHWEIZ 2022

In den Jahren der Pandemie demonstrierte die Schweizer Bauwirtschaft ihre Stabilität. Mittlerweile bestehen keine Zweifel mehr daran, wie wichtig dieser Sektor für die Eidgenossenschaft ist. Dennoch stellt sich im Anbetracht der aktuellen Umstände die Frage, wie es mit der Schweizer Baubranche weitergeht.

Ausbaufähig im Bereich Innovation

Schon jetzt liegt die Ertragskraft in vielen Gebieten der Schweizer Bauwirtschaft ziemlich tief – Tendenz sinkend. Die Schweizer Baubranche war traditionell erfolgreich, doch sie gilt als nicht besonders innovativ und zukunftsorientiert. Laut einer jüngsten Umfrage von PWC gaben zwar 87 Prozent aller Teilnehmenden an, die Digitalisierung eher oder vollständig als Chance zu sehen. Doch weniger als 10 Prozent der Befragten bewerteten den Stand der Digitalisierung in ihrem Unternehmen zum aktuellen Zeitpunkt als «sehr hoch».

Besonders kleine Unternehmen und Unternehmen aus dem Teilgebiet des Hochbaus sind der Digitalisierung gegenüber tendenziell skeptisch eingestellt. Über 40 Prozent gaben zudem an, in den nächsten ein bis vier Jahren weniger oder maximal gleich viel Geld wie heute in die Digitalisierung investieren zu wollen. Das Positive: Auch wenn Skepsis noch vielerorts vorherrscht, beginnt sich bezüglich Digitalisierung und Innovation ein Umdenken abzuzeichnen.

Einflüsse von Aussen

Sorge bereitet das allgemeine Umfeld. Der Krieg in der Ukraine treibt die Energiekosten weiter in die Höhe. Bereits im Zuge der Pandemie aufgetretene Probleme bei den Lieferketten wurden weiter verschärft. Dadurch verteuern sich Baustoffe wie Zement und Stahl.

Darüber hinaus führen die unterbrochenen Lieferketten zusammen mit den hohen Energiekosten zu einem gefährlichen Inflations-Cocktail, von welchem die Baubranche als eine der Ersten getroffen wird. Historische Anhebungen der Leitzinsen, wie sie kürzlich von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und der Europäischen Zentralbank (EZB) vorgenommen wurden, haben das Ziel, die Inflation wieder abzukühlen. Die grundlegenden Probleme der Lieferengpässe und der Energiekosten können die Zinsen allerdings nicht beeinflussen, weshalb das Preisniveau in der Schweizer Baubranche 2022 und darüber hinaus voraussichtlich weiter steigen wird.

Zudem wird Bauen durch die in der Schweiz bereits merklich steigenden Hypothekarzinsen unattraktiver. Als weitere unbekannte Konstante auf die Zukunft der Schweizer Baubranche wirkt sich das gekündigte Rahmenabkommen mit der Europäischen Union aus. Momentan steht für Schweizer Bauunternehmen also vieles auf dem Spiel, der Ausgang ist noch ungewiss.