Das österreichische Bauwesen kämpft gegen einen akuten Fachkräftemangel. Kaum eine Baufirma wird von ihm verschont und die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften im Baubereich steigt weiter an. Die Politik und die Branche haben das Problem erkannt. Die Hintergründe sind allerdings vielfältig und bei der Entwicklung und Umsetzung der Lösungsansätze sind Fortschritte nur schwer erkennbar.

Am Bildungsangebot mangelte es nicht in Österreich. Sowohl über verschiedene Berufslehren als auch über akademische Aus- und Weiterbildungen ist es möglich in der Baubranche Fuß zu setzen. Allerdings werden bei Weitem nicht so viele Leute ausgebildet, wie nötig wären und die österreichische Baubranche ist stark von Arbeitskräften aus dem Ausland abhängig.

Der Fachkräftemangel am Bau ist ein wachsendes Problem

In diesem Artikel gehen wir auf folgende Punkte ein:

  1. Gründe für den Fachkräftemangel in der österreichischen Baubranche
  2. Folgen des Fachkräftemangels
  3. Besonders gefragte Berufsgruppen
  4. Lösungsansätze in der Personalakquise

In Österreich und in ganz Zentral- und Westeuropa ist der Fachkräftemangel im Bauwesen keine neue Problematik. Seit Jahren kämpft die Branche um mehr Mitarbeitende, was in der Politik ein Gegenstand von unzähligen Diskussionen ist. Gerade wenn es um weibliche Fachkräfte oder um innovative und moderne Arbeitsmodelle geht, ist die Branche gefordert.

Wer sich für eine Karriere in der österreichischen Baubranche entscheidet, wird in einer der bedeutendsten und traditionsreichsten Wirtschaftszweige tätig. Mit einem Anteil von gut 7,4 Prozent an der Bruttowertschöpfung in Österreich ist das Bauwesen ein bedeutender Treiber der Wirtschaft. Der Anteil stieg seit 2011 beinahe kontinuierlich an. Dies zeugt vom enormen Potenzial und der Bedeutung dieser so oft missverstandenen Branche. Vielfach wird die Baubranche als unflexibel, reaktionär und als veraltet angesehen. In Österreich zumindest trügt dieses Bild jedoch. Das österreichische Bauwesen brachte zahlreiche Innovationen, moderne Konzerne und erstaunliche Bau-Projekte zutage. Innovative Technologien, zeitgemäße Arbeitsabläufe und Ausbildungsmodelle, die zu den besten der Welt gehören, sind Teil des österreichischen Bausektors.

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Gründe für den Fachkräftemangel in der österreichischen Baubranche

Die Gründe für den Fachkräftemangel in der österreichischen Baubranche sind vielfältig und unterscheiden sich, je nachdem, wen man fragt. Ein Grund, der von fast allen Seiten als wichtige Ursache gesehen wird, ist die zunehmende Akademisierung. Vor allem Bauberufe, welche über eine Berufslehre erreicht werden können, fallen der Akademisierung zum Opfer. Die Berufslehre ist tief in der österreichischen Bildungslandschaft verankert und bildet eine fundierte Ausbildung für qualifizierte Fachkräfte auf ihrem Gebiet.

Im Vergleich zum akademischen Weg über das Gymnasium und eine Universität verliert die Berufslehre in Österreich aber zunehmend an Beliebtheit. Während in klassischen Handwerks-Lehren der Nachwuchs fehlt, drängen immer mehr Schülerinnen und Schüler in die Hochschulen. Besonders für kleine und mittelgroße Unternehmen mit einem niedrigen Automatisierungsgrad stellt dies ein Problem dar.

Ein weiterer Punkt sind die Löhne. Gerade bei niederschwelligen Bauberufen, die keine Berufslehre oder einer akademischen Ausbildung voraussetzen, ist das Lohnniveau teilweise sehr tief. Doch auch bei manchen Lehr- oder Studienberufen befinden sich die Löhne unter dem, was andere Branchen wie das Finanz- oder das Versicherungswesen bieten. Für viele Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger fehlen schlicht die finanziellen Anreize, um eine Karriere in der Baubranche einzuschlagen.

Ebenfalls als Ursachen für den Fachkräftemangel in Österreich gesehen werden demografische Eigenheiten. Das Pensionsalter in vielen Bauberufen liegt bei 58 Jahren. Die Babyboomer Generation der 60er-Jahre erreicht gerade dieses Alter und scheidet aus dem Arbeitsmarkt aus. Damit werden Lücken hinterlassen, die nur schrittweise durch den Nachwuchs gedeckt werden können. Ein Großteil der freien Arbeitsplätze werden von Fachkräften aus dem Ausland besetzt. Aufgrund der Einwanderungsbestimmungen kommen hier aber beinahe ausschließlich Arbeitskräfte aus dem Schengen-Raum infrage. Fachkräfte aus Drittstaaten, die sich für reguläre Baujobs interessieren, haben kaum Chancen auf eine Arbeits- und Aufenthaltsbewilligung in Österreich. Ein Ansatz, wie er in den Golfstaaten oder in Singapur verfolgt wird, bei dem der Fachkräftemangel durch Arbeitskräfte aus Niedriglohnländern gedeckt wird, ist in Österreich also undenkbar.

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Arbeiter glättet Betonboden

Folgen des Fachkräftemangels

Auf dem österreichischen Arbeitsmarkt herrscht in vielen Branchen ein deutlicher Mangel an Arbeitskräften. Der Bau ist eine der besonders stark betroffenen Bereiche. Arbeitgeber werben auf Berufsmessen und an Universitäten Schülerinnen und Schüler an und auch die Politik testet Strategien, um junge Leute von der Baubranche zu begeistern. Während große Baukonzerne keine Kosten und Mühen sparen, neues Talent zu rekrutieren, bleiben kleinere Betriebe oftmals auf der Strecke. Unter Umständen verzögern sich Projekte oder können aufgrund des fehlenden Personals nicht angenommen werden; die Kosten steigen und Kunden springen ab. Dies kann ernsthafte finanzielle Konsequenzen nach sich ziehen und verschlechtert die Position der KMU’s gegenüber den großen Konzernen zusätzlich.

Besonders gefragte Berufsgruppen

Der Fachkräftemangel betrifft die Branche als Ganzes, doch einige Berufe sind mehr gefragt als andere. Folgend klären wir, bei welchen Bauberufen die Nachfrage besonders hoch ist.

#4 Zimmerinnen und Zimmerer

Einer der am meistgefragten Jobs im österreichischen Bauwesen ist der Job der Zimmerin, bzw. des Zimmerers. Knapp 940 neue Stellen wurden 2022 ausgeschrieben, wovon bei Weitem nicht alle besetzt werden konnten.

#3 Malerinnen und Maler

2021 wurden in Österreich rund 850 neue Malerinnen und Maler gesucht. Im Jahr 2022 erhöhte sich die Zahl beinahe auf 1.000.

#2 Bauhelferinnen und Bauhelfer

Bauhelferinnen und Bauhelfer sind der am zweitmeisten nachgefragte Beruf der österreichischen Baubranche. Letztes Jahr wurden ca. 1.400 Bauhelferinnen und Bauhelfer gesucht, dieses Jahr sind es bereits über 1.800.

#1 Maurerinnen und Maurer

Mit über 2000 neuen Stellen sind Maurerinnen und Maurer das meistgefragte Berufsbild des Bauwesens. Die Nachfrage ist seit letztem Jahr zwar um knapp 300 Stellen zurückgegangen, allerdings herrscht nach wie vor ein akuter Mangel.

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Lösungsansätze in der Personalakquise

Der verbreitetste und vielversprechendste Lösungsansatz, um neues Personal zu rekrutieren, sieht die österreichische Baubranche im Nachwuchs. Die Rekrutierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem europäischen Ausland oder die Suche nach Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern steht an zweiter, bzw. an dritter Stelle in vielen Baufirmen.

Ziel bei der Gewinnung von Berufseinsteigern ist es, diese für die Branche und das Unternehmen zu begeistern und die jungen Angestellten langfristig im Unternehmen zu behalten. Dies gilt sowohl für junge Personen, die eine Berufslehre absolvieren, als auch für angehende Fachkräfte, die über ein Studium oder über ein Praktikum in Kontakt mit dem Bauwesen kommen.

Große Konzerne, die Erfolge in der Rekrutierung von jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verzeichnen, setzen unter anderem auf Kampagnen, Marketing und Veranstaltungen. Zum anderen versuchen diese Bauunternehmen gezielt auf die Bedürfnisse der jungen Generation einzugehen und die Voraussetzungen zu erfüllen, welche die Jugend an einen modernen Arbeitgeber hat. Dazu gehören zum Beispiel eine moderne Führungsebene, Gleichberechtigung, flexible Arbeitsmodelle, eine faire Bezahlung und eine flache Hierarchie.

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