Mobilität als Dienstleistung im Stadtverkehr- Automatisierung und Sharing

Mobility as a Service (MaaS) hat sich in den letzten 5 Jahren merkbar zum Trend entwickelt. Dessen größte Herausforderung: Die effizienteste Ausrichtung mobiler Transportkapazitäten an die Echtzeit-Anfragen seiner Nutzer. Dies ist auf die aktuellen Veränderungen im gesamten Transportwesen zurückzuführen. Mit dem rapiden Anstieg des Online-Handels, erlebt sie womöglich seine transformativste Phase.

Online-Mitfahrzentrale und mobile Fahrgemeinschaftsanwendung. Mitfahrgelegenheit Taxi-App auf dem Smartphone-Bildschirm. Moderne Menschen und Pendlerbeförderung. Mann, der Telefon mit einem Auto im Hintergrund hält.

Eines ist klar: Die Anforderungen an den urbanen Verkehr haben sich geändert. Die Anzahl an Autos in Deutschland ist über die letzten 10 Jahre stetig angestiegen. Städte stehen vor der Aufgabe diesem Wachstum ausreichende Flächen zu bieten, ohne dabei einen Verkehrskollaps heraufzubeschwören. Da wir von der Einführung fliegender Autos noch weit entfernt sind, mussten neue Ideen her. Mit WHIM machten es die Finnen vor. Unter der Bezeichnung „Mobility as a service“ (MaaS), zu Deutsch „Mobilität als Dienstleistung“ bedeutet, konnte ein frischer Denkansatz bereits in die Praxis umgesetzt werden. Dabei soll der Transport mit eigenen Fahrzeugen durch ein auf den Kundenbedarf abgestimmtes Angebot verschiedener Mobilitätsdienste ersetzt werden.

Mobility as a Service (MaaS) – Ein revolutionärer Denkansatz

Wer vom Flughafen in die Stadt will, muss keine Fahrpläne checken, keine Tarifzonen beachten, keine Taxis suchen und keine Tickets kaufen. Es reicht, das Ziel in eine App einzugeben. So lautet zumindest die Grundidee sämtlicher Bemühungen im Zusammenhang mit der MaaS-Technologie.

Die Fahrgäste von heute möchten maßgeschneiderte Routenvorschläge in Echtzeit erhalten,und von überall zu jeder Zeit gelangen können. Die bisherige Herangehensweise für Entlastung im Straßenverkehr zu sorgen war, dass man sich die Verkehrsdaten zu Stoßzeiten angesehen hat und von da aus nach Lösungen gesucht, mehr Straßen bzw. mehr Transportwege zu errichten.

Doch irgendwann hat jede Stadt ihre Kapazität erreicht, zusätzliche Infrastrukturbauten zu genehmigen bzw. zu realisieren. Freie Bauflächen sind rar. Auch mit Flächenumwidmungen kann man nicht unbegrenzt Platz schaffen. Somit mussten neue Überlegungen her. MaaS war schließlich die Antwort auf die folgende Frage:

„Wie können wir bereits vorhandene öffentliche & private Verkehrsdienste kombinieren, um den neuen Reiseanforderungen der Stadtbewohner gerecht zu werden, ohne dafür zusätzliche Infrastrukturflächen teuer zu erwerben?“

Zur Beantwortung dieser Frage wurden auch neue Überlegungen zur Datenauswertung angestellt und das Verhalten der Fahrgäste neu analysiert. Man kam zur Erkenntnis, dass der öffentliche Verkehr für viele nur ein Teil ihres Gesamtweges war. Wir entwickeln uns zu einer zunehmend mobilen Gesellschaft. Es wird vermehrt von neuen Fahrmöglichkeiten wie Car- und Bike-Sharing Diensten oder von Mitfahrmöglichkeiten wie BlaBlaCar, gebrauch gemacht.

Vor diesem Hintergrund entstanden schließlich Überlegungen darin, ein Mobilitätsnetzwerk zu erkunden, dass seinen Fahrgästen nicht nur vor jeder Fahrt aus mehreren Verkehrsmitteln auswählen lassen soll, sondern gleichzeitig auch auf diagnostische Weise das Fahrverhalten lernen soll, um mit gesellschaftlichen Veränderungen mithalten zu können.

Big Data und das sich ändernde Fahrverhalten

Mit der wachsenden Nachfrage nach Nahverkehrsmitteln, dem anhaltenden Beschäftigungswachstum in den zentralen Geschäftsvierteln der Stadt und dem Bevölkerungswachstum in den inneren und äußeren Ballungsräumen scheint die Verkehrsüberlastung in allen Verkehrssektoren unhaltbar auf uns entgegenzulaufen.

Daher ist ein schwieriger Teil in der Weiterentwicklung der MaaS-Technologie, der Versuch die unterschiedlichen Kapazitäten aller verfügbaren Transportdienste an die Echtzeit-Anfragen der Nutzer anzupassen. Auch Daten, die über den öffentlichen Verkehr hinausgehen, werden dabei untersucht. In der Praxis zeigt sich das in Form massiver Datenströme, welche in kürzester Zeit verarbeitet werden müssen. Aus diesem Grund sind eine detaillierte Datenerfassung und Datenanalyse maßgebende Bestandteile in der Weiterentwicklung dieser Technologie und sollen zusätzlich dafür sorgen, die derzeitigen Kosten für Passagiere auf einen Bruchteil zu senken.

Steuerung des autonomen Taxis per mobiler App.

Autonomous Mobility as a Service – Die Zukunft des Transports in Städten

Eine zukunftsträchtige Weiterentwicklung der MaaS-Technologie, ist die Integration autonomer Transportmittel. Weltweit finden dazu bereits zahlreiche Versuche statt. So auch in Deutschland, als 2017 der erste autonome Bus in Betrieb genommen wurde und bis heute problemlos seine Routen abfährt.

In New York hat ein selbstfahrender Shuttle-Service damit begonnen, Passagiere von ihrem angegebenen Standort abzuholen. Obwohl dieser Dienst nur auf privaten Straßen eines riesigen Privatgeländes betrieben wird, ist es definitiv ein vielversprechender Schritt in die richtige Richtung.

Von einer tatsächlichen Umsetzung in die Praxis scheint auch Tesla nicht mehr so weit entfernt zu sein. 2020 soll bereits ihr erster Robotaxi-Dienst, bestehend aus einer Flotte autonomer Taxis, an den Start gehen. Die großen Branchenriesen Toyota und Softbank haben gerade ein Joint Venture ins Leben gerufen, um On-Demand-Mobilitätsdienste einschließlich autonomer Fahrzeuge anzubieten.

Auch Amazon, in Zusammenarbeit mit Postmates, investiert in diesen Bereich und macht Anstrengungen in Richtung autonomer Lieferdienste. Postmates erhielt sogar bereits eine bedingte Genehmigung für das Testen seiner Lieferroboter, namens Serve. Die Genehmigung ermöglicht ihnen ihre Roboter 180 Tage in ei in San Francisco zu testen. Amazon gab bekannt, dass seine Scout-Lieferroboter jetzt in Irvine, Kalifornien, Lieferungen ausführen.

Chancen und Potential – Den Amerikanern voraus

MaaS ist in den USA erstaunlicherweise weit weniger verbreitet als hier in Europa. Das liegt vermutlich daran, dass Europa auf weniger Fläche mehr internationale Großstädte aufweist. Dem amerikanischen Markt in einem aufstrebenden Sektor voraus zu sein, ist trotzdem ein eher unübliches Phänomen. Womöglich aber ein Zeichen dafür, dass diese Technologie ein riesiges Potential birgt. Technologien mit viel Potential erkennt man auch daran, dass Sie Auswirkungen auf andere Branchen und sogar bestehende Lebensweisen zeigen.

Von der Sharing Economy profitieren

Eine Branche, die von den Entwicklungen in der MaaS-Technologie profitieren könnte, wäre sicherlich der Immobiliensektor. Vor allem relativ abgelegene Wohnsiedlungen. Für gewöhnlich tragen verbesserte Verkehrsanbindungen zur Attraktivität des Einzugsgebietes bei und eventuell zur Steigerung der Immobilienobjekte.

Unternehmen wie Caruso Carsharing versuchen in dieser Nische vorzustoßen und bieten Carsharing in Wohnanlagen an. Diese können sogar als zusätzliche Einnahmequelle dienen, in dem Einwohner ihren Parkplatz gegen Miete zur Verfügung stellen.

Die Elektro-Scooter Sharing Firma Lime steht sogar in enger Kooperation mit der japanischen Stadt Fukuoka und zielt auf die Einführung einer sichereren, bequemeren und nachhaltigeren Alternative für die ersten und letzten Streckenabschnitte der Bewohner.

Eine Plattform. Eine Rechnung. Alle Möglichkeiten

Was auch immer die Zukunft bringt, die Verbraucher sollten die ultimativen Nutznießer sämtlicher Innovationen dieser Branche sein.

Die Erkenntnisse dieser Technologie sollen uns später eine fundierte Grundlage bieten, für zukünftige Entscheidungen über die Zukunft unserer Städte und der Planung unserer Mobilitätsnetzwerke.

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