Mobilität als Dienstleistung, auch Mobility as a Service oder kurz MaaS, verbindet digitale Anwendungen mit physischen Mobilitäts-Services. Der Trend kam während des letzten Jahrzehnts in den Vereinigten Staaten von Amerika auf und verbreitet sich seither in Nordamerika, Europa und Asien. Auch in der Schweiz ist MaaS längst angekommen und beginnt damit, das Konzept der Mobilität zu revolutionieren.

Online-Mitfahrzentrale und mobile Fahrgemeinschaftsanwendung. Mitfahrgelegenheit Taxi-App auf dem Smartphone-Bildschirm. Moderne Menschen und Pendlerbeförderung. Mann, der Telefon mit einem Auto im Hintergrund hält.

Das Ziel von MaaS ist es, Anfragen und Transportmöglichkeiten mit höchstmöglicher Effizienz zu vernetzen. Mit der Digitalisierung hat sich die Art geändert, wie wir die Welt sehen und wie wir uns auf ihr bewegen. Unsere Ansprüche haben sich geändert; alles soll schneller, bequemer, nachhaltiger und digitaler funktionieren. Hier setzt Mobility as a Service an. Sie bringt die On-Demand-Kultur in den öffentlichen und halb-privaten Verkehr und zeigt uns die schnellsten Wege, um von A nach B zu kommen. Der Bedarf an modernen und digitalen Lösungen im Bereich der Mobilität steigt in der Schweiz und die Mobilität als Dienstleistung ist dabei, diese Nachfrage zu bedienen.

Mobility as a Service (MaaS) – Die Schweiz profitiert

Mobility as a Service soll die Effizienz im schweizer Verkehrswesen steigern; egal, ob auf dem E-Scooter, auf den Schienen oder im Car-Sharing. Dabei soll die Mobilität als Dienstleistung sowohl das Reiseerlebnis für den einzelnen Fahrgast verbessern, als auch das Verkehrswesen als Ganzes intelligenter und effizienter gestalten. Wer heute beispielsweise vom Zürcher Bellevue an den Flughafen Kloten möchte, dem stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Sollen die verschiedenen Möglichkeiten miteinander kombiniert werden, ist allerdings Koordination gefragt. Mobility as a Service soll dem Passagier den Aufwand nehmen, Fahrpläne zu konsultieren, Tickets zu kaufen oder Taxis zu finden. 

Auch auf Ebene des Verkehrsflusses als Ganzes optimiert eine übergreifende Vernetzung die Situation im urbanen Raum. Die Mobility as a Service Technologie ermöglicht es, den Verkehr so zu gestalten, dass die Kapazität der vorhandenen Infrastruktur so produktiv befahren wird wie möglich. Statt neue Infrastruktur zu bauen, holt Mobilität als Dienstleistung das Maximum aus dem bestehenden Angebot. Natürlich kommt auch MaaS irgendwann an seine Grenzen, die Verkehrsbelastung tritt aber erst bei einer höheren Anzahl an  Personen ein, die auf gemeinsamen Raum unterwegs sind. Manche neue, urbane Infrastrukturprojekte, wie die Durchmesserlinie zwischen Altstetten und Oerlikon, sind nötig. Bis es so weit ist, können der Zeitpunkt und das Ausmaß neuer Bauten mit Mobility as a Service allerdings hinausgezögert werden. Mobility as a Service beschäftigt sich mit der folgenden Frage:

„Wie können wir bereits vorhandene öffentliche & private Verkehrsdienste kombinieren, um den neuen Reiseanforderungen der Stadtbewohner gerecht zu werden, ohne dafür zusätzliche Infrastrukturflächen teuer zu erwerben?“

Diese Fragestellung kann durch selbstlernende Computerprogramme gelöst werden, welche aktuelle Fahrdaten auswertet, Nadelöhre entdeckt und effizientere Verkehrsmodelle berechnet. Mittels Simulationen oder Pilotprojekten können Lösungsansätze getestet und deren Wirkung analysiert werden.

Mit der Auswertung des Fahrverhaltens hat die Schweiz früh begonnen. Statistiken werden unter anderem vom TCS, vom Bundesamt für Statistik und von den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB CFF FFS) erhoben. Auch Ride-Hailing-Anbieter wie Uber oder Mikro Mobilitätsanbieter wie Bird, Lime oder Voi erfassen Statistiken und passen Ihr Angebot entsprechend an. Ein ganzheitliches Konzept fehlt allerdings noch.

Die Architektur der Zukunft

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Wie Mobilität in der Schweiz neu gedacht wird

Ein modernes und schweizweit bekanntes Start-up, welches sich auf den Bereich MaaS spezi alisiert, ist Fairtiq. Mit der App von Fairtiq können Nutzerinnen und Nutzer einmal swipen und alle Busse, Bahnen, Schiffe, Trams etc. verwenden, die im GA-Bereich abgedeckt sind, ohne sich um das Ticket zu kümmern. Fairtiq berechnet den Fahrpreis automatisch und belastet diesen nach der Fahrt der Kreditkarte.

Ein weiteres Beispiel ist Mobility. Die Genossenschaft bietet ein schweizweites Carsharing-Netz aus verschiedenen Fahrzeugen an. Die Fahrzeuge können im One-Way- oder im Return-Modus genutzt und mit Bahnfahrten oder Velo-Vermietungen vernetzt werden. Dies alles geht online und per Monatsrechnung.

Auf ein neues Level hob das Pilotprojekt Pikmi den öffentlichen Verkehr. Pikmi kombinierte Ride-Hailing im Stil von Uber mit dem öffentlichen Verkehr. Der On-Demand Abendbus Pikmi brachte Fahrgäste in Zürich zu verschiedenen Punkten auf einer festgelegten Fahr-Strecke. Im April 2022 wurde das Projekt jedoch bis auf Weiteres beendet. 

Als einer der ganzheitlichsten Ansätze bezüglich MaaS in der Schweiz ist Trafi zu nennen. Das Unternehmen aus Litauen eröffnete dieses Jahr ein Büro in Zürich und ermöglicht es Arbeitgebern, ihrem Personal ein monatliches Mobilitäts-Guthaben anzubieten. Dieses Guthaben können die Arbeitnehmer für unterschiedliche Mobilitätslösungen wie öffentlichen Verkehr, E-Scooter, Taxis, Ride-Hailing oder Autovermietungen ausgeben.

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Mobilität und Digitalisierung

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Zehn-Millionen-Schweiz zur Realität wird. Das schweizer Schienen- und Straßennetz wurde nicht auf solche Massen ausgerichtet und leidet daher. Bereits heute sind manche Pendler-Strecken auf der Straße und auf den Schienen chronisch überlastet. Tägliche Staus, Verspätungen und Ärger sind die Folge. Beispiele hierfür sind die Zugstrecken zwischen Genf und Lausanne oder zwischen Zürich und Winterthur. Doch auch auf der Straße wird es eng, zum Beispiel am Gubrist oder in der Zürcher Innenstadt. 

Mit der Digitalisierung hat sich unser Fahrverhalten geändert. Reisen wurde spontaner, einfacher und allgegenwärtiger. Die Digitalisierung sollte jedoch nicht als Übel für die Mobilität gesehen werden. Sie kann dabei helfen, flexible alternative Routen oder Verkehrsmittel anzubieten und sicherzustellen, dass die nötigen Verkehrsmittel wie Taxis, Scooter oder Fahrräder dann dort vorhanden sind, wo sie gebraucht werden. 

Steuerung des autonomen Taxis per mobiler App.

Die Zukunft von Mobility as a Service in der Schweiz

Mobility as a Service hat in der Schweiz ein enormes Potenzial. Das Netz des öffentlichen Verkehrs der Eidgenossenschaft gehört zu den besten der Welt. Bezüglich alternativen Fortbewegungsmitteln wie E-Bikes, Scootern oder Car-Sharing ist die Bevölkerung zudem generell sehr offen eingestellt. Aufgrund staatlicher Bemühungen wird Autofahren im dicht besiedelten schweizer Mittelland immer unattraktiver, was die Nachfrage nach Mobilitäts-Angeboten aller Art anregt. Pilotprojekte wie Pikmi, staatlich geförderte Anbieter wie Mobility und Start-ups wie Trafi oder Fairtiq zeigen, dass die Schweiz mehr als bereit ist, für MaaS. Der schweizer Markt ist zwar klein, dank der vorherrschenden Verhältnisse könnte Mobility as a Service aber in der Schweiz sogar schneller und stärker durchstarten als in den anderen beiden DACH-Staaten Deutschland und Österreich. Bereits heute sehen wir grundlegende Veränderungen, in den nächsten 5 bis 10 Jahren, könnte Mobilität als Dienstleistung in der Schweiz zum Alltag vom Großteil der Pendlerinnen und Pendler gehören.

Mobilität als Dienstleistung im Stadtverkehr in der Schweiz: Fazit

Mit Mobility as a Service nimmt die Digitalisierung Einzug im schweizer Verkehrswesen. MaaS ermöglicht praktischere, schnellere, einfachere und nachhaltigere Reisen. Das Potenzial von Mobilität als Dienstleistung in der Schweiz ist groß und wir werden in Zukunft mehr MaaS in den urbanen Räumen der Schweiz, von Zürich bis nach Genf, sehen.

MaaS gestaltet den Verkehr effizienter und holt das Maximum aus dem, was unsere Infrastruktur bietet. Urbane Infrastrukturprojekte, welche kompliziert und teuer sind, müssen dank Mobility as a Service erst dann gebaut werden, wenn es wirklich nötig ist. Ganzheitliche Projekte machen die Transportmöglichkeiten auf den Straßen, Schienen, Seen und Flüssen der Schweiz effizienter, vielfältiger und freier.