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Die wichtigsten Fakten zu Frauen am Bau

30.09.2019 | 5 min Lesedauer | Written by Johannes Heinrich

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Bis vor wenigen Jahren waren Frauen am Bau noch eine Ausnahmeerscheinung. Doch obwohl weibliche Arbeitskräfte auf der Baustelle inzwischen häufiger anzutreffen sind, bleiben verschiedene Hürden nach wie vor bestehen. Wie die aktuelle Situation aussieht, wie Unternehmen von mehr Frauen im Baugewerbe profitieren und welche Maßnahmen sie dazu ergreifen können, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Frauen am Bau - nicht nur wegen Fachkräftemangel immer gefragter

Frauen am Bau – aktuelle Zahlen und Trends

Waren es 2010 noch weniger als 10 Prozent, ist die Zahl der Frauen im deutschen Bauhauptgewerbe laut der Bundesagentur für Arbeit inzwischen auf rund 15 Prozent angewachsen. Auch in anderen westlichen Ländern bewegt sich der Frauenanteil am Bau auf einem ähnlichen Niveau. Obwohl ihre Zahl insgesamt langsam – wenn auch stetig – steigt, weisen einzelne Fachbereiche bei der Beschäftigungsrate weiblicher Kräfte mitunter große Unterschiede zueinander auf. Laut Statistischem Bundesamt sind Frauen auf der Baustelle am häufigsten in den Bereichen Architektur, Bauingenieurwesen, der Malerei oder in der Vermessung und Kartografie anzutreffen. Hier machen sie zum Teil mehr als ein Viertel der vorhandenen Arbeitskräfte aus. Die Tendenz bei Bauberufen mit einer höheren Qualifikation ist weiterhin positiv, wie ein Blick auf Universitäten und Fachhochschulen belegt. Im Fach Architektur sind deutschlandweit mehr als die Hälfte der Absolventen weiblich. Im Bauingenieurswesen sind rund ein Drittel Studentinnen anzutreffen.

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Anders sieht die Lage hingegen im Handwerk aus. In Bereichen wie Tief- und Hochbau, der Zimmerei, oder bei den Bodenverlegern pendelt der Anteil der weiblichen Angestellten bei bloß 1-3 Prozent. Positiv ist in diesem Zusammenhang jedoch, dass sich in den letzten Jahren immer mehr junge Frauen für eine handwerkliche Arbeit interessiert und eine entsprechende Ausbildung begonnen haben. Unabhängig davon hält die Bundesagentur für Arbeit jedoch fest, dass Frauen auf absehbare Zeit weiterhin öfter an der Bauplanung als an der Bauausführung beteiligt sein werden.

Großes Interesse bei Unternehmen

Dass mehr weibliche Kräfte den Weg ins Baugewerbe finden, ist den betreffenden Firmen ein großes Anliegen. Mit dieser Entwicklung werden verschiedene Vorteile in Verbindung gebracht:

  • Frauen helfen dabei, den bestehenden Mangel an Fachkräften zu füllen. Das wird vor dem Hintergrund des Demografischen Wandels, von dem auch das Baugewerbe betroffen ist, in Zukunft immer wichtiger.
  • Weibliche Führungskräfte oder Mitarbeiterinnen bereichern Teams mit neuen Ideen und Perspektiven.
  • Unternehmen mit gemischter Belegschaft wirtschaften laut Studien effizienter, sind innovativer und weisen ein besseres Arbeitsklima auf.
  • Junge Bewerberinnen weisen im Vergleich zu männlichen Kollegen oft eine höhere Motivation
  • Das Image als Arbeitgeber

 

Baustelle aus der Luft betrachtet tiltshift

Warum das Baugewerbe für Frauen attraktiv ist

Für Frauen, die den Schritt in den Bausektor unternehmen, eröffnen sich ebenfalls Vorteile:

  • Aufgrund des bestehenden Fachkräftemangels herrscht bei den Unternehmen der Branche ein starker Wettbewerb um die verfügbaren Kandidatinnen. Das stellt Bewerberinnen eine sehr gute Entlohnung in Aussicht.
  • Frauen nehmen vor allem in den noch stark männerdominierten Handwerksberufen oft eine Vorreiterrolle
  • Technisches Fachwissen wird einer breiteren Bevölkerungsgruppe zugänglich und ist nicht mehr ausschließlich bei männlichen Praktikern konzentriert.

Hürden bleiben bestehen

Woran liegt es dann, dass es auch 2019 / 2020 noch verhältnismäßig wenige Frauen auf der Baustelle gibt? Von Seiten der Bauunternehmen werden dafür die folgenden Gründe ausgemacht:

  • Generell gilt die Arbeit am Bau bei Auszubildenden als schmutzig und körperlich anstrengend. Hinzu kommt der technische Aspekt, der viele junge Frauen nach wie vor abzuschrecken scheint.
  • Erschwerend kommt hinzu, dass Stereotype und Klischees nach wie vor weit verbreitet sind. So gilt die Baubranche noch immer als Männerdomäne, in der ein rauer Umgangston herrscht. Berufe wie jener des Bauleiters oder des Dachdeckers werden auch heute noch vielerorts als unvereinbar mit weiblichen Arbeitskräften empfunden.
  • Familie und Bauprojekte lassen sich nicht immer einfach miteinander vereinbaren – siehe regelmäßige Reisetätigkeit oder unflexible Arbeitszeiten. Das führt dazu, dass Frauen am Bau nach dem ersten Kind häufig ausscheiden oder sich eine Tätigkeit in einem familienfreundlicheren Bereich suchen.

 

Vermesserin auf der Baustelle bei der Arbeit

Mehr Frauen am Bau – welche Maßnahmen sind möglich?

Es besteht somit Handlungsbedarf. Verschiedene Schritte bieten sich an, um mehr Frauen für eine Arbeit im Bauwesen zu begeistern:

  • Generell sollte das Interesse bereits im Zuge der schulischen Ausbildung geweckt werden. Ein Beispiel sind kinder- oder jugendgerechte Besichtigungen von Baustellen, Bauunternehmen, oder Handwerksbetrieben.
  • Gezielte Aktionstage und Informationsveranstaltungen, wie zum Beispiel der Girls’Day können Mädchen Einblicke in technische Berufsfelder eröffnen.
  • Zielgerichtete Kommunikation auch unter Einsatz neuer Medien, um interessierte Frauen anzusprechen.
  • Schulabsolventinnen können durch Schnupperwochen oder Praxistage am Bau einen Einblick erlangen, wie sich die Arbeit auf der Baustelle in der Realität darstellt. Dadurch wird das Bild vermittelt, dass die Arbeit am Bau nicht immer schmutzig oder anstrengend ist, sondern auch andere Möglichkeiten bietet.
  • Unternehmen müssen die Anfordernisse von Bauvorhaben mit den Ansprüchen der Belegschaft vereinbaren. Helfen können Betriebskindergärten, Eltern-Kind-Büros, oder betriebsinterne Initiativen zur Gleichstellung.
  • Durch die Vorbildwirkung von im Baugewerbe etablierten Frauen werden weibliche Nachwuchskräfte angesprochen und motiviert. Das setzt von Seiten der Unternehmen eine entsprechende Medienarbeit voraus.
  • Onboarding-Maßnahmen können Frauen den Einstieg in Bauunternehmen erleichtern.
  • In der Weiterbildung bietet sich die Ergänzung von Studien mit betrieblichen Praxisphasen an.

Fazit

Noch bleiben viele Herausforderungen bestehen. Doch das Baugewerbe wird sich der Tatsache, dass Frauen eine große Bereicherung für die eigenen Tätigkeitsfelder sind, immer stärker bewusst. Dadurch wachsen die unternommenen Anstrengungen, mehr weibliche Kräfte für diese Arbeiten zu gewinnen. Auch Frauen selbst zeigen seit einigen Jahren ein immer größeres Interesse an einer technik-orientierten Tätigkeit am Bau. Die Vorzeichen stehen gut, dass die Kollegin im Baugewerbe in Zukunft keine Ausnahme mehr, sondern die Regel darstellt.

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