Bis vor wenigen Jahren waren Frauen am Bau noch eine Ausnahmeerscheinung. Doch obwohl weibliche Arbeitskräfte auf der Baustelle inzwischen häufiger anzutreffen sind, bleiben verschiedene Hürden nach wie vor bestehen. Wie die aktuelle Situation aussieht, wie Unternehmen von mehr Frauen im Baugewerbe profitieren und welche Maßnahmen sie dazu ergreifen können, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Frauen am Bau - nicht nur wegen Fachkräftemangel immer gefragter

Frauen am Bau – aktuelle Zahlen und Trends

Seit Jahren ist der Frauenanteil in der Baubranche Thema. Dabei zeichnet sich 2022/2023 weiterhin der bewährte Trend ab. In akademischen Ausbildungen, wie im Bauingenieurweisen oder der Architektur, sind mehr weibliche Fachkräfte anzutreffen, als im Bauhandwerk. Der Anteil kann nahezu auf 25 Prozent ermittelt werden. Dieser Trend soll auch zukünftig positiv verlaufen. Während rund 33 Prozent Frauen im Bauingenieurwesen und über die Hälfte in der Architektur zu finden sind, macht der Anteil im Handwerk einen Wert unter 3 Prozent aus.

Die Bundesagentur für Arbeit kann dennoch einen positiven Trend und Zuwachs an weiblichen Auszubildenden und Fachkräften im Handwerk verzeichnen. Hierfür sind zahlreiche Kampagnen des Bundes verantwortlich. Positiv ist in diesem Zusammenhang weiters, dass sich in den letzten Jahren immer mehr junge Frauen für eine handwerkliche Arbeit interessiert und eine entsprechende Ausbildung begonnen haben. Unabhängig davon hält die Bundesagentur für Arbeit jedoch fest, dass Frauen auf absehbare Zeit weiterhin öfter an der Bauplanung als an der Bauausführung beteiligt sein werden.

Unternehmen suchen 2022/2023 noch aktiver nach weiblichen Fachkräften

Die Vorteile von Frauen im Baugewerbe haben nicht nur junge und moderne Unternehmen, sondern auch etablierte und klassische Firmen erreicht. Denn:

  • Demografischer Wandel und Fachkräftemangel gehen am Baugewerbe nicht spurlos vorbei
  • Weibliche Führungskräfte oder Mitarbeiterinnen bereichern Teams mit neuen Ideen und anderen Perspektiven.
  • Aktuelle Studien zeigen, dass gemischte Belegschaften ein besseres Arbeitsklima vorweisen. Angestellte arbeiten effektiver, innovativer und motivierter.
  • Junge Bewerberinnen weisen im Vergleich zu männlichen Kollegen oft eine höhere Motivation
  • Unternehmen gewinnen in der Außenwahrnehmung

Baustelle aus der Luft betrachtet tiltshift

Warum das Baugewerbe für Frauen attraktiv ist

Frauen, die sich für eine Ausbildung und Anstellung im Baugewerbe interessieren, können von folgenden Vorteilen profitieren:

  • Regelmäßig entsteht ein Wettstreit um männliche und ebenfalls weibliche Fachkräfte. Frauen mit der gesuchten Qualifikation können mit kurzer Jobsuche und sehr guter Entlohnung rechnen.
  • Frauen nehmen vor allem in den noch stark männerdominierten Handwerksberufen oft eine Vorreiterrolle. Treten Frauen in die Baubranche ein, stellen sie neue Leitbilder dar.
  • Technisches Fachwissen wird einer breiteren Bevölkerungsgruppe zugänglich und ist nicht mehr ausschließlich bei männlichen Praktikern konzentriert.
  • Seit Jahren werben Kampagnen dafür, junge Frauen für Jobs in der Baubranche zu interessieren. Durch einfache Bereitstellung technischen Wissens findet der gewünschte Wandel zusehends statt.

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Welche Hürden gibt es 2022/2023?

Lag der Anteil an Frauen im deutschen Bauhauptgewerbe im Jahr 2010 unter 10 Prozent und wuchs 2019 auf rund 15 Prozent, liegt der Anteil 2022/2023 wieder nur bei rund 10 Prozent. Im Ausbaugewerbe kommt der Anteil nicht über 13 Prozent. Was sind die weiteren Hürden?

  • Das Gehaltsniveau von Frauen liegt im Baugewerbe noch immer rund 14 Prozent unter dem Gehaltsniveau für Männer mit gleichem Erfahrungsschatz und Bildungsstand
  • Generell gilt die Arbeit am Bau bei Auszubildenden als schmutzig und körperlich anstrengend. Hinzu kommt der technische Aspekt, der viele junge Frauen nach wie vor abzuschrecken scheint.
  • Erschwerend kommt hinzu, dass Stereotype und Klischees nach wie vor weit verbreitet sind. So gilt die Baubranche noch immer als Männerdomäne, in der ein rauer Umgangston herrscht. Berufe wie jener des Bauleiters oder des Dachdeckers werden auch heute noch vielerorts als unvereinbar mit weiblichen Arbeitskräften empfunden.
  • Familie und Bauprojekte lassen sich nicht immer einfach miteinander vereinbaren – siehe regelmäßige Reisetätigkeit oder unflexible Arbeitszeiten. Das führt dazu, dass Frauen am Bau nach dem ersten Kind häufig ausscheiden oder sich eine Tätigkeit in einem familienfreundlicheren Bereich suchen. Oft werden von Unternehmen unzureichende Maßnahmen für ein familienfreundliches Umfeld ergriffen.

Vermesserin auf der Baustelle bei der Arbeit

Endlich mehr Frauen ins Baugewerbe – Die Maßnahmen vorgestellt

Ziel muss sein, junge Frauen für das Baugewerbe zu begeistern und sozialen Hemmschwellen aufzuheben:

  • Generell sollte das Interesse bereits im Zuge der schulischen Ausbildung geweckt werden. Ein Beispiel sind kinder- oder jugendgerechte Besichtigungen von Baustellen, Bauunternehmen, oder Handwerksbetrieben.
  • Gezielte Aktionstage und Informationsveranstaltungen, wie zum Beispiel der Girls’ Day können Mädchen Einblicke in technische Berufsfelder eröffnen.
  • Zielgerichtete Kommunikation auch unter Einsatz neuer Medien, um interessierte Frauen anzusprechen.
  • Schulabsolventinnen können durch Schnupperwochen oder Praxistage am Bau einen Einblick erlangen, wie sich die Arbeit auf der Baustelle in der Realität darstellt. Dadurch wird das Bild vermittelt, dass die Arbeit am Bau nicht immer schmutzig oder anstrengend ist, sondern auch andere Möglichkeiten bietet.
  • Unternehmen müssen die Anfordernisse von Bauvorhaben mit den Ansprüchen der Belegschaft vereinbaren. Schaffung von Alltagserleichterungen im Baugewerbe für Familien und Alleinerziehende, wie Initiativen zur Gleichstellung, Betriebskindergärten
  • Durch die Vorbildwirkung von im Baugewerbe etablierten Frauen werden weibliche Nachwuchskräfte angesprochen und motiviert. Das setzt von Seiten der Unternehmen eine entsprechende Medienarbeit voraus.
  • Onboarding-Maßnahmen können Frauen den Einstieg in Bauunternehmen erleichtern.
  • In der Weiterbildung bietet sich die Ergänzung von Studien mit betrieblichen Praxisphasen an.

Fazit

Der Trend wird weiterhin beinhalten, dass auch in Zukunft mehr Frauen in der Planung und weniger in der Ausführung im Baugewerbe und Ausbaugewerbe zu finden sein werden. Doch die Akteure der Baubranche haben längst verstanden, dass es ohne Frauen auf dem Bau keine Zukunft geben wird. Die Steigerung der Attraktivität im Baugewerbe zu arbeiten wird ebenso weiter fortschreiten wie die Bestrebungen zur Gleichstellung hinsichtlich des Gehalts.