Grüne Lebensqualität

Sie sind sich alle sehr ähnlich und doch grundverschieden: Parkanlagen und andere Grünflächen im urbanen Raum prägen das Stadtbild und tragen wesentlich zum Wohlbefinden der Bevölkerung bei. Im 21. Jahrhundert müssen bei der Planung und Errichtung von Parks eine Vielzahl an Aspekten berücksichtigt werden. Ein Aufwand, der sich bezahlt macht, wie verschiedene Beispiele aus aller Welt zeigen.

Mädchen füttert Enten im Stadtpark

Ein Erholungsraum nicht nur für Menschen

Grünflächen im urbanen Raum sind für die Lebensqualität einer zunehmend urbanisierten Gesellschaft unerlässlich. Laut Bundesbaugesetzbuch (BauGB) hat das Stadtgrün die Funktion, „eine dem Wohl der Allgemeinheit entsprechende sozialgerechte Bodennutzung zu gewährleisten und dazu beizutragen, eine menschenwürdige Umwelt zu sichern und die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen und zu entwickeln“. Darüber hinaus bewirkt ausreichend Grün in der Stadt noch viele weitere Zwecke, die vom Erhalt des Grundwasserspiegels über eine Verbesserung der Luftqualität, bis zur Reduktion von Hitzeinseln reichen. Dabei wird deutlich: Grünanlagen werden nicht nur von Zweibeinern geschätzt. Von der Ente bis zum Eichhörnchen dienen Parks in Städten auch zahlreichen Vertretern aus der Tierwelt als Lebens- oder Rückzugsraum und tragen so wesentlich zum Erhalt der Artenvielfalt vor Ort bei.

Stadtgrün natürlich, ästhetisch, oder mit Rosen?

Die Entstehung von Stadtparks ist eng mit dem Wachstum von Städten verbunden. Als es in den Siedlungen des späten Mittelalters immer voller wurde, sehnte sich die zunehmend dichter gedrängte Bevölkerung nach Orten der Ruhe und des Ausgleichs. Doch woher sollte der benötigte Raum kommen? Oft wurden große Grünanlagen aufgrund von Platzmangel vor den Toren der Städte errichtet – der Große Garten in Dresden dient hier als Beispiel. Andernorts lieferte der technologische Fortschritt in der Kriegsführung den Stadtplanern von damals die Antwort. Denn durch die Erfindung des Schießpulvers hatten alte Wehranlagen zunehmend ihren Zweck eingebüßt. An ihrer Stelle entstanden Grünflächen mit dem expliziten Zweck der Erholung und Verschönerung. Nach der industriellen Revolution und der damit einhergehenden Verschmutzung des Lebensraumes im 19. Jahrhundert und dem explosionsartigen Wachstum urbaner Regionen im Laufe des 20. Jahrhunderts nahm die Bedeutung des Stadtgrüns weiter zu.

Doch Park ist nicht gleich Park. Seit Jahrhunderten herrscht bei der Grünflächenplanung und -gestaltung große Kreativität. Für lange Zeit drehte sich die Konzeption der Parkanlagen vor allem um eine Frage: Was für eine Art von Park soll es sein? Geschmäcker sind verschieden und kulturell geprägt. Aus diesem Grund wechseln sich rund um den Globus chinesische Gärten mit Blumengärten, streng geordneten Barockgärten oder englisch geprägten Landschaftsgärten ab. Heutzutage werden die Art und Gestaltung von Stadtgrün durch eine Vielzahl von weiteren Faktoren beeinflusst.

Shanghai Stadtpark beleuchtet bei Nacht

Grünflächenplanung für alle

Die Grünflächenplanung ist ein Teil der Stadtplanung. Parks & Co. sind somit nicht klar von ihrer Umgebung abgrenzbare Bereiche. Vor diesem Hintergrund müssen Planer bei der Konzeption von Parkanlagen verschiedene Aspekte berücksichtigen:

Aufbau: Grundlegende Überlegungen müssen dahingehend angestellt werden, wie groß die geplante Grünanlage sein soll, wie die Bepflanzung aussieht, wie man den Park am besten in die gebaute und natürliche Umgebung einbindet, und welche anderen Parkkomponenten, wie zum Beispiel Pavillons, Beleuchtungskörper, Toiletten oder Ententeiche, vorhanden sein sollen. Vor diesem Hintergrund müssen auch die zukünftige Pflege und Wartung des Parks bedacht werden.

Erholung und Gesundheit: Städtische Grünanlagen verfügen über ein breites Angebot, um Geist und Körper etwas Gutes zu tun. Planer haben die Wahl: Soll der Park über Infrastruktur für sportliche Betätigungen verfügen? (z.B.: Basketballplätze) Wie sieht es mit Kinderspielplätzen aus? Wo verlaufen Wege für Spaziergänger und Jogger? Gibt es ausreichend freie Grünflächen zum Ausruhen, Spielen oder Picknicken?

Kultur: Grünanlagen bilden das ideale Umfeld für verschiedene kulturelle Veranstaltungen und Ereignisse. Jedoch setzen Theateraufführungen, Konzerte, oder Kunstausstellungen in Parks das Vorhandensein einer angemessenen Infrastruktur voraus.

Soziales: Parks sollen vom Kleinkind bis zur Seniorin allen Bevölkerungsteilen unabhängig vom Einkommen oder soziokulturellem Hintergrund zugänglich sein. Für die Grünflächenplanung bedeutet das, dass sie einfach erreichbare Begegnungszonen schaffen muss. Ebenfalls von Relevanz: Den Parkbesuchern muss zu jeder Tageszeit ein Gefühl der Sicherheit vermittelt werden.

Wirtschaft: Die Planung und Errichtung sowie der Betrieb von Parkanlagen kosten Geld. Doch indirekt spült das Stadtgrün auch Geld in die Kassen der Gemeinde. Großzügige Parkflächen wirken sich nachweislich positiv auf das Bild einer Stadt aus und verstärken den Zuzug von Menschen und Unternehmen. Entsprechend steigen rund um Parks die Immobilienpreise. Aufwendig gestaltete Parkanlagen, oder Grünflächen mit historischem Erbe (siehe zum Beispiel der Wiener Stadtpark) sind zudem auch ein Magnet für Besucher aus nah und fern.

Hochhäuser und High Line Park in New York bei Nacht

Wegweisend Parkkonzepte

Im 21. Jahrhundert geht die Grünflächengestaltung in Städten neue Wege. Diese zeigen, dass neben historisch gewachsenen auch modern konzipierte Grünanlagen einen ganz eigenen Reiz auf die Bewohner und Besucher einer Stadt entwickeln können.

High Line Park, New York: Eine ehemalige Güterzugtrasse in Manhattan wurde von 2006 bis 2019 zum sogenannten High Line Park umfunktioniert. Inzwischen bevölkern rund 120 verschiedene Pflanzenarten die sich mehrere Meter über dem Straßenniveau befindliche Hochbahn. Der mehrfach ausgezeichnete Park verbindet mehrere Viertel miteinander und ermöglicht Besuchern dabei eine neue und ungewöhnliche Perspektive auf die Millionenstadt.

Namba Parks, Osaka: Auf den Dächern eines Büro- und Einkaufskomplexes wurde ein über mehrere Ebenen verlaufender Grünraum errichtet. Vom Erdgeschoss bis in das achte Stockwerk eröffnet sich Besuchern zwischen Bäumen, Felsformationen, Tümpeln und einem Wasserfall ein starker Kontrast zum sehr dicht bebauten Stadtzentrum der japanischen Metropole.

Huangpu Riverside Park, Shanghai: Auf ehemalige Industrieflächen wurde ein sich zu beiden Seiten des durch das Zentrum der Stadt verlaufenden Huangpu Flusses ein mehrere Kilometer langer Park errichtet. Besucher können sich zwischen alten Getreidesilos, futuristischen Bürotürmen und Lastkränen nicht nur erholen, sondern auch das historische Erbe der Stadt entdecken. Der Park ist aufgrund seiner bestens ausgebauten Radwege auch eine beliebte Transportachse für die Bewohner Shanghais.

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