Alles, was Sie schon immer über Tunnel wissen wollten

In unserem großen Leitfaden klären wir Sie über wichtige Fakten rund um Tunnel und den Tunnelbau auf und beantworten häufig gestellte Fragen:

  • Welche sind die längsten Tunnel der Welt?
  • Welche Arten von Tunnel gibt es?
  • Wie funktioniert Tunnelbau?
  • Wie viel kosten Tunnel pro Kilometer?
  • Warum sind Tunnel eigentlich rund?


Fakten zu Tunnel und dem Tunnelbau

Welche sind die längsten Tunnel der Welt?

Wo sich der längste Tunnel der Welt befindet, ändert sich aufgrund der regen Bautätigkeit rund um den Globus alle paar Jahre. Hier ist eine Auflistung der aktuellen und kommenden Rekordhalter im Jahr 2020:

Die 10 längsten Straßentunnel der Welt

Die 10 längsten Straßentunnel der Welt

  1. Boknafjord Tunnel, Norwegen (26.700 Meter, in Bau) – Der zukünftig längste Straßentunnel der Welt wird auch einen anderen Rekord aufstellen und 396 Meter unter dem Meeresgrund verlaufen
  2. Lærdalstunnel, Norwegen (24.510 Meter) – Der Lærdalstunnel, der zurzeit längste Straßentunnel der Welt in Betrieb, verfügt über eine aufwendige Lichtinstallation und leichte Kurven. Das soll Monotonie verhindern und die Konzentration der Fahrer fördern
  3. West Connex, Australien (19.000 Meter, in Bau) – Das Tunnelprojekt soll die Verkehrslage in Teilen von Sydney entlasten, sieht sich jedoch wachsendem öffentlichen Protest gegenüber. Unter anderem, weil er ein örtliches Habitat des heimischen Gold-Laubfrosches bedroht
  4. Yamate Tunnel, Japan (18.200 Meter) – Das Bauwerk bildet den westlichen Teil der Tokioter Schnellstraße Central Circular Route und verläuft in 30 Metern tiefe unter der Stadt
  5. Zhongnanshan Tunnel, China (18.040 Meter) – Der längste zweispurige Tunnel Chinas
  6. Jinpingshan Tunnel, China (17.540 Meter) – Tunnel in der chinesischen Sichuan Provinz
  7. St. Gotthard, Schweiz (16.918 Meter) – Von 1872 bis 1880 errichtet. Fast 200 Menschen verloren im Zuge der Arbeiten ihr Leben.
  8. Bypass Stockholm, Schweden (16.500 Meter, in Bau) – Dreispuriger Autobahntunnel, der die schwedische Hauptstadt entlasten soll.
  9. Yeni Zigana Dağı Tüneli, Türkei (14.481 Meter, in Bau) – Das Tunnelprojekt soll den über 2.000 Meter hoch gelegenen Zigana Pass entlasten
  10. Ovit Dağı Tüneli, Türkei (14.346 Meter) – Bereits 1880 gab es erste Planungen für einen Tunnel, um die türkische Stadt Erzurum mit dem Schwarzen Meer zu verbinden

Die 10 längsten Eisenbahntunnel der Welt

Die 10 längsten Eisenbahntunnel der Welt

  1. Gotthard-Basistunnel, Schweiz (57.104 Meter) – Der Gotthard-Basistunnel unterquert das bis zu 3.192 Meter hohe Gotthard-Massiv und verkürzt die Fahrzeit nach Italien um rund eine Stunde
  2. Brenner-Basistunnel, Österreich (55.000 Meter, in Bau) – Der zurzeit im Bau befindliche Brenner-Basistunnel in Tirol ist mit einer Länge von 55 Kilometern die Nummer zwei hinter dem Gotthard-Basistunnel. Der bereits bestehende Tunnel der Umfahrung Innsbruck bildet eine der zwei nördlichen Zufahrten zum Brenner-Basistunnel. Zusammengerechnet haben sie eine Länge von mehr als 64 Kilometern und wären demnach der längste Eisenbahntunnel der Welt
  3. Seikan Tunnel, Japan (53.850 Meter) – Verbindet die japanischen Inseln Honshū und Hokkaidō. Ein Teil des Bauwerks verläuft unter internationalem Gewässer, wobei der Tunnel selbst japanisches Territorium ist
  4. Eurotunnel, Frankreich und Groß Britannien (50.450 Meter) – Der längste Unterwassertunnel der Welt
  5. Yulyeon Tunnel, Südkorea (50.300 Meter) – Der Tunnel ist Teil der Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Seoul und Pyeongtaek
  6. Songshan Lake Tunnel, China (35.391 Meter) – Verbindet die chinesischen Großstädte Shenzhen und Guangzhou
  7. Lötschberg-Basistunnel, Schweiz (34.576 Meter) – Rund 80% des Gesteins wurden mit Sprengungen ausgebrochen
  8. Gaoligongshan Tunnel, China (34. 531 Meter, in Bau) – Längster einspuriger Tunnel in der Volksrepublik China
  9. Koralmtunnel, Österreich (32.893 Meter, in Bau) – Ermöglicht eine Geschwindigkeit von 250 km/h und verkürzt die Fahrzeit von Graz nach Klagenfurt von drei auf eine Stunde
  10. New Guanjiao Tunnel, China (32.645 Meter) – Auf über 3.300 Meter gelegen, so dass Bauarbeiter während der Arbeiten mit Sauerstoffgeräten versorgt werden mussten

 

Welche Arten von Tunnel gibt es?

  • Eisenbahntunnel: Mit dem Aufkommen der Eisenbahn im 19. Jahrhundert stieg der Bedarf an Lösungen zur raschen Durchquerung von unwegsamen Gebieten (z.B. Alpen) und in Städten (U-Bahnen)
  • Fahrradtunnel: Ermöglichen in urbanen Gebieten eine vom Autoverkehr getrennte Überwindung von Hindernissen (z.B.: Kreuzungen, Kanäle, Bahnschienen)
  • Fußgängertunnel: Untergrundnetzwerke, die öffentliche Verkehrsstationen, Einkaufshäuser, Behörden und andere Einrichtungen miteinander verbinden
  • Schiffstunnel: Seit dem 18. Jahrhundert vor allem in Europa genutzt, um die zeitsparende Unterquerung schwierigen Geländes zu ermöglichen
  • Straßentunnel: Im 20. Jahrhundert machte der Durchbruch des Autos den Bau von Straßentunneln zur Notwendigkeit. Erste vergleichbare Bauten stammen aus der Römerzeit.
  • Versorgungstunnel: Zur Unterbringung von Strom-, Dampf-, Wasser- und Abwasserleitungen sowie Glasfaser- und Telefonkabeln
  • Wassertunnel: Bereits seit der Antike betrieben, um Wasser für Menschen oder zur landwirtschaftlichen Verwendung zu transportieren

 

Warum werden Tunnel gebaut?

Tunnel dienen der Unterquerung von Hindernissen oder schwierigem Gelände, wie zum Beispiel Gewässern und Gebirgen. In seiner ursprünglichsten Form erfolgt der Bau von Tunneln im Bergbau, wo unterirdische Hohlräume angelegt und gesichert werden, um Bodenschätze zu gewinnen. Anders als im Bergbau sind Tunnel auf eine viel längere Nutzung ausgelegt. Eine entsprechende Bedeutung kommt der Tunnelsicherheit zu.

Wie funktioniert Tunnelbau und wo liegen die Herausforderungen?

Der Tunnelbau zählt zu den schwierigsten Herausforderungen im Tiefbau. Der moderne Tunnelbau unterscheidet zwischen zwei Formen: Konventionellem und maschinellem Vortrieb.

Zyklischer oder konventioneller Vortrieb:

  • Bagger, Bohrer, Hämmer und anderes Gerät lösen das Gestein, welches von Lastwagen, Förderbändern, oder auf Gleisen abtransportiert wird.
  • Sprengvortrieb: Sprengladungen erzeugen bei Zündung ein sich stark ausdehnendes Gasgemisch und zerstören das umliegende Gestein, welches dann abtransportiert wird.
  • Wird beim konventionellen Vortrieb Spritzbeton zur Sicherung des Gesteins verwendet, spricht man von der Neuen Österreichischen Tunnelbauweise (NÖT), die in den 1960er Jahren entwickelt wurde.

 

Kontinuierlicher oder maschineller Vortrieb:

  • Vortrieb durch den Einsatz von Tunnelbohrmaschinen, die das Gestein abschürfen oder zerbrechen. Tunnelbohrmaschinen setzen für eine kontinuierliche Arbeit ein festes Gestein voraus und. Die Art des Gesteins hat auch einen großen Einfluss auf den Verschleiß der steinbrechenden Werkzeuge.
  • Der maschinelle oder kontinuierliche Vortrieb ist schonender für das umliegende Gestein.

 

Welche Art des Tunnelbaus erfolgt, hängt von verschiedenen Faktoren wie der Beschaffenheit des geplanten Tunnels, Art und Festigkeit des Gesteins, vorhandenem Grundwasser, oder verfügbarem Gerät ab. Eine große Bedeutung kommt beim Tunnelbau der Belüftung zu. Menschen und Maschinen benötigen Sauerstoff, gleichzeitig müssen Abgase, Dämpfe, Staub, etc. abgeführt werden.

Ein erschwerender Faktor ist die unter Tage herrschende Temperatur. Durch die Erdwärme und die Abwärme der eingesetzten Maschinen muss die Baustelle im Tunnel aktiv gekühlt werden. Ein Beispiel: Ohne permanenten Luftaustausch wären die Arbeiter im Gotthard-Basistunnel Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius ausgesetzt gewesen.

Eine weitere Erschwernis im Tunnelbau stellt Grundwasser (auch Bergwasser genannt) dar. Wassereinbrüche verzögern den Arbeitsfortschritt und stellen eine Gefahr für Arbeiter dar. Damit das Wasser im Fall von Einbrüchen besser abfließt, werden Tunnel immer mit einem leichten Gefälle gebaut.

Wie viele Meter pro Tag (Vortriebgeschwindigkeit) sind im Tunnelbau möglich?

Die Vortriebsgeschwindigkeit bei einem Tunnelprojekt beschreibt, wie schnell oder wie viele Meter Röhre pro Arbeitstag gegraben werden.

  • Vortriebgeschwindigkeit Tunnelbohrmaschinen: 10-40 Meter pro Arbeitstag, abhängig von der Leistungsfähigkeit der Maschine und dem vorhandenen Gestein
  • Vortriebgeschwindigkeit konventioneller Vortrieb: 2-15 Meter pro Arbeitstag

 

Um Zeit zu sparen, erfolgt der Tunnelbau meist nicht nur von einer Seite. Im sogenannten Gegenvortrieb wird von den zwei Endes des Tunnels gegraben. Beim aktuell längsten Tunnel der Welt, dem Gotthard-Basistunnel, sowie anderen Tunnel-Großprojekten, werden auch sogenannte Zwischenangriffe durchgeführt. Dabei werden zusätzliche Tunnelbohrmaschinen durch Schächte in die „Mitte“ des Berges gebracht, um von dort den Vortrieb durchzuführen. Trotz dieser Optimierungsmaßnahmen dauerte der Bau insgesamt länger als 20 Jahre.

Warum sind Tunnel rund?

Tunnel müssen einem großen Druck von allen Seiten gewachsen sein. Je tiefer gebaut wird, desto größer die Last. Der Bogen oder Kreis ist die ideale Form, um dem vorherrschenden Druck standzuhalten. Tunnel müssen aber nicht nur die Last des Gesteins, sondern auch ihr Eigengewicht und das Gewicht des durch sie rollenden Verkehrs verkraften. Aus diesem Grund werden beim Bau Materialien wie Stahl und Beton benötigt.

Was kostet Tunnelbau pro Kilometer?

Ein Kilometer Straßentunnel kostet im Schnitt etwa 15-25 Millionen Euro. Die Kosten variieren jedoch je nach Tunnelprojekt. Der Rennsteigtunnel (längster Tunnel in Deutschland) schlug mit Kosten von „nur“ 13 Millionen Euro pro Kilometer zu Buche. Deutlich teurer sieht die Lage im Eisenbahnsegment aus. Zum Vergleich: Ein Kilometer des im Bau befindlichen Brenner-Basistunnels für Eisenbahnen wird zurzeit mit rund 145 Millionen Euro veranschlagt. Wieviel ein Tunnel pro Kilometer tatsächlich kostet, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Beschaffenheit des Gesteins
  • Notwendige Umweltschutzmaßnahmen
  • Sicherung und Schutz anderer Bauwerke (in Städten)

 

Wie viele Tunnel gibt es?

Weltweit liegt die Zahl der gebauten Straßen- und Eisenbahntunnel wahrscheinlich im hohen fünfstelligen Bereich, wobei genaue Schätzungen aufgrund mangelnder Daten schwierig sind. Für das Jahr 2020 liegen für die DACH-Region folgende Angaben vor:

Anzahl Tunnel in Deutschland

  • Straßentunnel: 420+
  • Eisenbahntunnel: 900+

 

Anzahl Tunnel in der Schweiz

  • Straßentunnel: 360+
  • Eisenbahntunnel: 560

 

Anzahl Tunnel in Österreich

  • Straßentunnel (Autobahnen und Schnellstraßen): 175
  • Eisenbahntunnel: 440