Blogartikel

Wieso kaum Wolkenkratzer in der Schweiz stehen

06.02.2023 | 10 min Lesedauer

PlanRadar für Architekten und Ingenieure

3 Praxisbeispiele, wie Sie mit PlanRadar Ihre Planung nahtlos mit der Ausführung verbinden

eBook

Die Schweiz gehört zu den wohlhabendsten Staaten der Welt. Zudem belegt die Eidgenossenschaft auf dem Index der menschlichen Entwicklung den ersten Platz aus allen 193 von der UN anerkannten Ländern. Dennoch ist die Schweiz kein futuristisches Utopia, das ausschliesslich aus gläsernen Wolkenkratzern besteht. Im Gegenteil: Im Vergleich zu anderen wohlhabenden Ländern in Nordamerika, Asien und Ozeanien hat die Schweiz kaum Wolkenkratzer. Auch in den grösseren Städten der Schweiz gibt es kein Central Business District an dem sich Glastürme aneinander reihen, wie wir es aus anderen Gebieten der Welt kennen.

Doch was sind die Hintergründe? Weshalb verzichtet ein modernes, wohlhabendes und fortschrittliches Land wie die Schweiz beinahe vollständig auf Hochhäuser? Das und alles, was es zum Thema zu wissen gibt, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Frankfurter Skyline bei Tag

Welche Hochhäuser gibt es in der Schweiz?

Von den 430 Hochhäusern in der Schweiz stehen mit 94 Gebäuden die meisten Hochhäuser im Kanton Zürich, gefolgt von 68 im Kanton Bern und 43 im Kanton Aargau. Allerdings sind nur sieben der 430 Hochhäusern mindestens 100 Meter hoch:

1. Roche Turm (Bau 2)

Höhe: 205 Meter
Stockwerke: 50
Standort: Basel, BS
Nutzung: Büro
Baujahr: 2022

Roche Turm Bau 1&2

By Michielverbeek – Own work, CC BY-SA 4.0

Der Roche Turm 2 ist der zweite der bereits bestehenden Roche Türme in Basel. Mit einer Gesamthöhe von 205 Meter ist der Rocheturm zum aktuellen Zeitpunkt das höchste Gebäude der Schweiz. In Zukunft soll sein Rekord von dem sich in Planung befindenden, 221 Meter hohen Roche Turm 3 gebrochen werden.

2. Roche Turm (Bau 1)

Höhe: 178 Meter
Stockwerke: 41
Standort: Basel, BS
Nutzung: Büro
Baujahr: 2015

Der kleinere, aber ältere Bruder des Roche Turm 2 ist der im Jahr 2015 fertiggestellte Roche Turm 1. Er ist 178 Meter hoch und umfasst 41 Stockwerke, die vom schweizer Pharmakonzern Roche belegt werden.

3. Prime Tower

Höhe: 126 Meter
Stockwerke: 36
Standort: Zürich, ZH
Nutzung: Büro und Gastronomie
Baujahr: 2011

Prime Tower Schweiz

By FreeclimbZurich – Own work, CC BY-SA 4.0

Von 2011 bis zum Bau des Roche Turm 1 im Jahr 2015 war der 126 Meter hohe Prime Tower in Zürich das höchste Haus der Schweiz. Der Prime Tower wird zu einem Grossteil von Büros belegt, in den untersten und obersten Etagen finden sich zudem Restaurants und Bars.

4. Messeturm

Höhe: 105 Meter
Stockwerke: 31
Standort: Basel, BS
Nutzung: Büro, Hotellerie und Club
Baujahr: 2003

Messeturm Basel

By Stefan-Xp – Own work, CC BY-SA 3.0

Das ehemals grösste Hochhaus der Schweiz, der Messeturm, befindet sich in Basel. Mit 31 Stockwerken und einer Gesamthöhe von 105 Meter ist der Turm mittlerweile aus den Top drei höchsten Häusern der Schweiz gefallen.

5. BäreTower

Höhe: 101 Meter
Stockwerke: 33
Standort: Ostermundigen, BE
Nutzung: Wohnungen
Baujahr: 2022

BareTower Schweiz

By Tschubby – Own work, CC BY-SA 3.0

Der 101 Meter hohe BäreTower in Ostermundigen ist das höchste Wohnhaus der Schweiz und das einzige Gebäude im Kanton Bern, welches mindestens 100 Meter hoch ist. Er umfasst 33 Stockwerke und wurde im Jahr 2022 fertiggestellt.

6. JaBee Tower

Höhe: 100 Meter
Stockwerke: 32
Standort: Dübendorf ZH
Nutzung: Wohnungen
Baujahr: 2019

JaBee Tower Duebendorf

By Albinfo – Own work, CC0

In Dübendorf, vor den Toren Zürichs gelegen, ist der 100 Meter hohe JaBeeTower eines der prominentesten Gebäude im Grossraum Zürich. Der Turm wurde für sein Design ausgezeichnet und beherbergt seit seiner Fertigstellung im Jahr 2019 über 200 moderne Wohnungen auf 32 Stockwerken.

7. Sulzer-Hochhaus

Höhe: 100 Meter
Stockwerke: 28
Standort: Winterthur ZH
Nutzung: Büro
Baujahr: 1966

Sulzer Hochhaus Winterthur

By Tschubby – Own work, CC BY-SA 3.0

Das 1966 gebaute Sulzer Hochhaus in Winterthur war fast 40 Jahre lang das höchste Haus der Schweiz. Gebaut wurde das Sulzer Hochhaus für den Winterthurer Industriekonzern Sulzer. Die Schwerindustrie, welche die ehemalige Arbeiterstadt Winterthur prägte, verlor immer mehr an Bedeutung und Sulzer geriet in finanzielle Schwierigkeiten. Seither steht ein Grossteil des Hochhauses leer.

Hochhäuser und die Schweiz: Eine ambivalente Beziehung

Zuerst sei gesagt, dass es in der Schweiz durchaus einige Hochhäuser gibt. Ob diese als Wolkenkratzer definiert werden können, ist eine andere Frage. Gemessen an der Höhe gilt ein Gebäude in der Schweiz als Hochhaus, wenn es mindestens 50 Meter hoch ist. Mit Stand Januar 2023 gibt es in der Schweiz 430 Gebäude, welche dieses Kriterium erfüllen. Der Grabteil dieser Gebäude sind allerdings Mehrfamilienhäuser mit 15 bis 20 Stockwerken, die weniger als 100 Meter hoch sind.

Der Mangel an Wolkenkratzern in der Schweiz ist kein Zufall. Wie in vielen anderen Lädern Europas gibt es in der Schweiz strikte Zonenpläne, welche die maximale Höhe von Gebäuden vorschreiben. Es ist also nicht so, dass aufseiten der Immobilienentwickler:innen keine Nachfrage besteht, sondern, dass gesetzliche Vorschriften den Bau von Hochhäusern vielerorts verhindern. Wie Beispiele in Zürich und Basel zeigen, schiessen die Hochhäuser überall aus dem Boden, wo sie erlaubt sind.

LESETIPP: Smart Cities in der Schweiz – digital vernetzt in die Zukunft

Aus Sicht der Gegner:innen von Hochhäusern

Ein grosser Teil der schweizer Bevölkerung und der Politiker, von denen sie repräsentiert wird, stehen dem Bau von Hochhäusern kritisch gegenüber. Von links bis rechts hört man in der Schweiz Stimmen, die sich entschieden gegen den Bau von Wolkenkratzern aussprechen. Hinter dieser ablehnenden Haltung stehen verschiedene Motivationen. Ein Grund ist die Wahrung des Landschafts- und Städtebildes. Ob ein Wolkenkratzer optisch attraktiv ist oder nicht, ist eine subjektive Einschätzung. Viele Schweizer:innen halten Hochhäuser aber für störend oder hässlich. Hochhäuser würden dem Landschafts- bzw. dem Städtebild schaden und es verfälschen.

Starten Sie in 4 einfachen Schritten.

1. Benutzerkonto erstellen

2. Pläne hochladen

3. Benutzer einladen

4. Mobile App herunterladen