Domagoj Dolinsek, Gründer von PlanRadar, steht Marco Fehr vom Bauherren Podcast Schweiz Rede und Antwort zum Thema BIM. Die beiden Bauprofis besprechen, wie PlanRadar schon sehr früh die Relevanz von BIM erkannt hat, wer von BIM am meisten profitiert, wie der BIM-Viewer von PlanRadar die Kommunikation zwischen den Projektbeteiligten vereinfacht und Aufgaben und Mängel am 3D-Modell visualisiert werden können – auch von unterwegs am Smartphone oder Tablet. Abschließend gibt Domagoj Dolinsek einen Tipp, wann der richtige Zeitpunkt ist, um eine Plattform für digitale Dokumentation und Kommunikation bei Bauprojekten einzuführen.

Interview: BIM als optimales Kommunikationsmittel für Planer und Bauherren

BIM-Anwendungen werden in Planungsbüros immer mehr implementiert. Alle in den 3D-Modellen erfassten Daten können schon früh eine hohe Planungs- und Kostengenauigkeit abbilden. Domagoj Dolinsek, Gründer von PlanRadar, erklärt, welche Vorteile die BIM-Funktion von PlanRadar für Nutzer hat.

Marco Fehr: PlanRadar ist eine Plattform für digitale Dokumentation und Kommunikation in Bau- und Immobilienprojekten, wird zum Beispiel im Mängel- oder Qualitätsmanagement eingesetzt. Zusätzlich seid ihr auch beim Thema BIM ist sehr stark involviert. Wenn ein BIM-Anwender jetzt zuhört oder ein zukünftiger BIM-Anwender, wie nützlich ist denn die Plattform PlanRadar in Verbindung mit BIM?

Domagoj Dolinsek: Wir haben uns mit unserer BIM-Funktion nur auf eines fokussiert, und zwar die Einfachheit. Wir kommen ja ursprünglich aus dem zweidimensionalen Bereich der Dokumentation auf Bilddateien oder auf digitalen PDF-Dokumenten. Und deshalb haben wir gesagt, okay, bringen wir das Ganze auch in das Räumliche hinein. Und da ist das Wesentliche, dass die teilnehmenden Firmen oder Personen bei einem Projekt nicht oder selten mit entsprechenden BIM-Tools ausgestattet sind. Es ist zwar notwendig, dass wenn schon auf BIM geplant wird, dann auch mit BIM gebaut wird, aber wie kommen die Leute zum BIM-Tool an sich und speziell auch mobil auf der Baustelle? Wie ist das greifbar? Das einzige, das alle miteinander verbindet ist das standardisierte Modellprojekt. Das lädt man einfach in PlanRadar hoch und somit können alle kostenlos dieses räumliche Modell anschauen, Kommentare zu jedem Objekt, sei es eine Säule oder ein Fenster, hinterlassen und diese Informationen kann man sogar wieder in native Tools, so wie ArchiCAD oder Revit reinspielen. Somit unterstützen wir diesen gesamten Kreislauf in der Kommunikation von der Modellierung, aber auch in die Richtung hinein.
Und das Tolle ist, man kann auch weiterführende Informationen in den Betrieb mitnehmen, weil wir ja im Endeffekt vom Modell unabhängig sind. Wir planen, bauen oder modellieren, betreiben auf BIM-Basis.

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Was ist dort das Feedback beim Anwender?

Das Feedback der Anwender ist, dass es einfach ist, viele Funktionalitäten bereitstellt und am Smartphone, Tablet und auf der Plattform genutzt werden kann. Wichtig ist für unsere Kunden auch, dass sie dann egal wo sie sich bewegen, in zweidimensionalen Welten oder dreidimensionalen, Berichte auf Knopfdruck exportieren können und dass wirklich sehr schnell ersichtlich ist, worum es geht. Egal ob es um Brandschutzthemen, SiGeKo oder Aufgaben, wichtige To-dos geht, man ist flexibel, seine Formulare auf der Baustelle und Berichte zu erstellen.

Das ist sehr sehr spannend. Wenn ich jetzt Bauherr bin, vielleicht nicht alle Informationen benötige, aber trotzdem einen gewissen Überblick möchte – zum Beispiel darüber, welche Pendenzen bereits abgearbeitet worden sind und welche noch offen sind. Gibt es da die Möglichkeit einzustellen, dass der Bauherr vielleicht nicht alle Zugriffsberechtigungen hat, aber trotzdem den Stand sehen kann, wo man jetzt im Projekt gerade so steht?

Ja selbstverständlich. Das ist ein wesentlicher Teil, denn wir haben ja immer mehr und mehr Kunden in unterschiedlichen Bereichen: Enterprise, KMU, Einzelunternehmer. Beziehungsweise besteht auch teilweise der Bedarf, im Betrieb, dass Prüfeinheiten oder externe Unternehmen eingeladen und wieder ausgeladen werden.

Und da gibt es eben die Notwendigkeit und die Möglichkeit zugleich, dass entsprechende Rechte und Rollen und Regelungen gestaltet werden, wo man Sichtrechte bzw. auf der anderen Seite auch Pflichten definieren kann, dass man zum Beispiel immer Kosten dazu ergänzen muss.

Oder auf der anderen Seite Felder mit Bemerkungen, die für interne Zwecke notwendig sind, die der künftige Mieter aber nicht sehen soll. Also man kann sehr schön gestalten und steuern, wer welchen Informationsstand erhalten soll.

Das wäre mal das eine gewesen, zum Bauherrn. Das andere, das wir auch im Vorgespräch schon besprochen haben, sind zwei Trendbegriffe. Das eine ist BIM-to-field, das andere ist BIM-to-Design. Vielleicht kannst du uns zuerst mal erklären, was BIM-to-field heißt und dann aber auch noch, wie PlanRadar damit arbeitet.

BIM-to-field ist ein Begriff dafür, wie man das Modell schnell auf die Baustelle bringt, über Smartphone, Tablet oder sonstige Medien – eine VR-Brille zum Beispiel. Es geht darum, die Realität, den Status der Ausführung mit dem Modellierten abzugleichen. Also da gibt es mittlerweile schon ganz viele Möglichkeiten, wie man das abstimmt. Und da bewegen wir uns natürlich auch hin. Das heißt, es gilt einfach, was man im Office plant bzw. modelliert auch auf die Baustelle zu bringen bzw. offene Bereiche zu entdecken und zu eruieren, ob Modell und Status übereinstimmen. Einerseits zeitlich, monetär, aber auch eben im Leistungsumfang.

Und BIM-to-Design?

Das ist die Vorarbeit, die notwendig ist, um die designte Leistung sozusagen zu erbringen, wie der Name schon sagt.

Und da hat man auch unterschiedliche Zugänge, wie man das Modell gestaltet. Es gibt gewisse Automatismen, wo man auf Knopfdruck gewisse Modelle bekommt, und Tools, die gute Ergebnisse bringen. Wichtig ist, dass sich diese an die örtlichen Gegebenheiten anpassen, das heißt gewisse Normen, gewisse behördliche Vorgaben, etc.

Wichtig ist allerdings der Detailgrad. Man bringt ja relativ schnell ein schönes Design in schöne Formen usw. Aber der Teufel liegt immer im Detail. Und darauf kommt es dann an, ob die Qualität des Gebäudes dem standhält.

Am Ende des Tages muss die Behörde die Sache abnehmen und von Seiten der Bauherren die Sachverständigen. Und deswegen ist es ja vordergründig egal, wie man die Modellierung oder Planung macht. Die Sache muss am Ende eines Tages passen, so wie ausgeschrieben.

Du hast jetzt noch die VR Brille angesprochen. Wie weit seid ihr dort auch schon? Gibt es Kooperationen oder kann ich jetzt schon mit PlanRadar durchs Gebäude gehen?

Also momentan noch nicht, aber es ist sicher ein Zukunftsthema, zu dem wir aber im Hintergrund bereits Vorbereitungen und entsprechenden Schritte treffen, um das auch zu ermöglichen. Und ja, das ist natürlich ein Riesenthema. VR, AR, wird immer mehr kommen. Im Moment ist das noch nicht das primäre Thema, weil sich die meisten Firmen erst einmal in der Methodik zurechtfinden und abtasten müssen, was für sie gut ist. Und ich glaube, wenn wir da eine gewisse Durchdringung haben, dann können wir auch mit diesen Hardware-Komponenten spielen und diese entsprechend in die Bauindustrie einbringen.

Vielleicht für alle Architekten, für alle Planer möchte ich jetzt vielleicht ganz kurz noch eine Frage stellen: Welche Dateiformate unterstützt ihr?

BCF für die Kommunikation. Das ist der standardisierte Kommunikationsstil von BIM. Und auf der anderen Seite IFC, wo die Modelle einfach laut dem Standard hochgeladen werden können. Das heißt, man ist Software-unabhängig, egal von welchem Modell, man generiert einfach das standardisierte Modell IFC und lädt dieses in PlanRadar hoch. Und auf der anderen Seite ist die Kommunikationsebene, wo man die Anmerkungen macht. Die ist auf BCF-Basis und somit kann man diese Kommunikationsstandards auch mit allen anderen Tools flexibel teilen.

Bei einem Bauprojekt ist Transparenz wichtig, dass alle Informationen gesammelt werden. Das muss natürlich die Bauleitung auch während der Bauzeit leisten. Der Bauherr muss es überprüfen. Oder gibt es von eurer Seite her auch etwas, wo es dann so eine Art Vollständigkeitsprüfung gibt?

Wir stellen de facto die Möglichkeiten her. Wie diese Workflows gestaltet werden ist jedem selber überlassen. Also wir haben im Endeffekt einen Standard-Workflow, man erstellt eine Aufgabe, die wird jemandem zugeteilt, der setzt sie auf erledigt und bei zufriedenstellender Erledigung wird auf abgeschlossen gesetzt. Und diese Kommunikation wird mit einem sauberen Zeitstempel, der nicht verändert wird, festgehalten. Das ist auch das, was es zu 90% bedarf.

Du sprichst vom nicht zu verändernden Zeitstempel. Hat das auch etwas mit Beweissicherung zu tun? Also auch für Versicherungen oder Schadensfälle?

Ganz genau. Wir hatten schon zahlreiche Kunden, die uns das Feedback geben, dass PlanRadar zur Beweissicherung dient. Beispielsweise gibt es immer wieder Streitpunkte zwischen GUs und Subunternehmern. Man ist wegen eines Defekts vor Gericht gelandet, um eine entsprechende Entscheidung zu bekommen und vor Gericht hat man PlanRadar geöffnet, der Richter hat sich das angeschaut und gemeint, dass der Sachverhalt eindeutig ist und keiner weiteren Diskussion mehr bedarf. Und innerhalb von fünf Minuten war die Sache geklärt.

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PlanRadar kommt ja eigentlich aus dem Mängelmanagement. Ist das Produkt auch für fortlaufende Arbeiten, zum Beispiel im Facility Management, gedacht, wie zum Beispiel eine Reinigung, die im Treppenhaus wöchentlich stattfinden muss, wo dann ein Haken drunter gesetzt wird? Wie sieht das genau aus?

Es sind auch diese wiederkehrenden Wartungen machbar, weil wir ja entsprechende Erinnerungsfunktionen eingebaut haben. Für Fleischproduzenten zum Beispiel, wo Reinigung und Sauberkeit eine ganz wichtige Sache ist. Und sobald etwas defekt ist, muss sofort jemand vom Qualitätssicherungsteam oder das FM-Team loslegen, um das zu beheben, weil sonst eben entsprechende Kettenreaktionen und Gefahren in der Produktion entstehen können. Und da sind wir ebenso hilfreich in der Anwendung. So wie bei Pharmaunternehmen, die auch den Industriestandards entsprechen müssen.
Wir haben mit PlanRadar ein generisches Tool geschaffen haben, das wie ein Baukastensystem funktioniert. Und das Tolle ist ja, wir haben da keine Einschränkung.

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Eine letzte Frage: Wie früh im Bauprozess macht es denn Sinn, ein solches Tool, wenn man jetzt auch mit BIM arbeitet, anzuschaffen oder mal darüber nachzudenken?

Es kommt darauf an, wer zu welchem Zeitpunkt ins Spiel kommt. Also man kann es bereits einführen, wenn die Baugrube ausgehoben wird oder in der Planung, wenn die entsprechenden Freigabeprozesse über die Einreichung, Planung, Ausführungsplanung etc. gemacht werden müssen. Es hängt viel davon ab, wie komplex das Projekt ist, wie viele Leute dabei sind und wo die meiste Notwendigkeit besteht. Denn nicht jedes Projekt ist von der finanziellen und der Nutzungsstruktur gleich.

Ein Investor beispielsweise schaut einfach, dass die Richtung passt und hat schon wahrscheinlich während der Unterschrift das Gebäude zweimal verkauft. Und dem ist einfach wichtig, dass das Gebäude steht. Ob die Dokumentation jetzt vollständig ist oder nicht, ist zweitrangig, weil da bereits die Betreiberfirma in den Startlöchern steht, die die Dokumentation direkt erhält und womit der Investor nichts zu tun hat. Oder eben ob es ein Eigentümer ist, der tatsächlich selber das Objekt dann auch behält und betreibt mit seiner eigenen Mannschaft. Da ist es notwendiger, eine Plattform so früh wie möglich einzusetzen.

Domagoj, hast du abschließend einen Experten-Tipp für unsere HörerInnen?

Also ich empfehle, gerade wenn man noch am Anfang der Einführung von Tools steht, immer die aktuellen Prozesse zu überprüfen. Dann ist es wichtig zu entscheiden, welchen Bereich der Digitalisierung man zuerst umsetzen möchte. Wo brennt’s am ehesten bzw. was ist am einfachsten zu lösen?

Dann ist es auch wichtig, sich an das Tool anzupassen. Auch das bedarf natürlich einem Change Management, einem Prozessmanagement, wo man die Dinge ganz neu denkt. Aber es bringt einem enorm viel, weil gewisse Softwareprodukte haben eben entsprechenden Erfahrungswert von zigtausenden Usern.
Im Endeffekt funktioniert Bauen immer gleich, auch wenn man behaupten mag, dass es immer Prototypen sind.

Wie gesagt, wesentlich ist, zu überdenken, ob das, was man gerade macht, auch das Richtige ist bzw. sich eher an den Erfolgen orientiert, die eben zigfach bereits schon vorgemacht wurden.
Dann kann nichts schief gehen. Wenn das Management und die Unternehmenskultur da so gestrickt ist, dass man sich laufend ändert und ändern will, dann ist das für diese Leute, die da auch mitmachen wollen, der richtige Zugang.


PlanRadar BIM-Viewer