Bauprojekte unter Denkmalschutz – Die Top 3 der baulichen Herausforderungen

Aktuell stehen 54 der insgesamt 1.092 Welterbestätten in der „Liste des gefährdeten Welterbes“, welche infolge von Krieg, Naturkatastrophen, Verfall oder städtebaulichen Vorhaben bzw. privaten Großvorhaben ernsthaft bedroht sind. Anlässlich des internationalen Denkmaltages lohnt es sich daher einen Blick auf die baulichen Tücken und Hindernisse rund um den Denkmalschutz zu werfen.

Das Brandenburger Tor bei Dämmerung beleuchtet

Vorsicht! Nachhaltig ist nicht gleich nachhaltig

Regierungsprogramme, die mit attraktiven Förderungen für klimaschonende und nachhaltige Sanierungsmaßnahmen locken, gewannen in den letzten Jahren die Aufmerksamkeit vieler Bauvorhaben. Das trieb viele Unternehmen dazu ihren Fokus vermehrt auf die Sanierung, Instandsetzung oder den Ausbau veralteter Gebäude zu verlegen.

Bereits nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass nicht jedes Unternehmen die nötige Herangehensweise an den Tag legte, welche für komplexe Vorhaben dieser Art erforderlich wären. Das zeigte sich beispielsweise durch unüberlegtes Bekleben veralteter Fassaden mit Styroporplatten oder konzeptlose Luft- und Winddichtmaßnahmen an Altbauten, welche so manche Sanierungsvorhaben „verschlimmbesserten“. Besonders bei historischen Bauten können eine übermütige Planung und Ausführung leicht dazu führen, diese kaputt zu sanieren.

Stark veraltete Bauten nachhaltiger zu gestalten, ist nämlich nicht nur ein bauseitig kompliziertes Unterfangen, sondern wird oft auch zum Kampf mit den Behördenauflagen. Für Architekten und Baufirmen meist eine lästige Angelegenheit, doch andererseits von zentraler Bedeutung, wenn es um den Erhalt des geschichtlichen Erbes geht.

Hier sind fünf der häufigsten Herausforderungen, die Sie bei der Sanierung denkmalgeschützter Bauten achten sollten:

1. Moderne Bauvorschriften & Bauweisen

Das Erfüllen zeitgenössischer Bauvorschriften, ohne das Gebäude dabei abzubrechen oder zu zerstören, erfordert eine ausführliche Planung. Moderne Bauvorschriften, um die Gebäudesicherheit aufrechtzuerhalten basieren auf modernen Bauweisen und Materialien. Diese Regeln und Vorschriften berücksichtigen nicht die Tatsache, dass sich historische Gebäude von heutigen Bauten unterscheiden. Diese Herausforderung zu meistern und bestimmte Standards zu erfüllen, verlangt schon einiges an Kreativität.

Touristen in den Innenhöfen des Louvre.

Für Museen (z.B.: das Louvre in Paris, siehe Bild) enthält die Thematik Brandschutz eine besondere Brisanz. Heutzutage ein vordringlicheres Thema als damals. Beim Brandschutz gilt als oberstes Gebot, der Schutz des Lebens. Dafür werden angemessene Notausgänge geplant und benachbarte Gebäude vor der Ausbreitung von Feuer geschützt. Die Verantwortlichen eines Museums stehen an dieser Stelle vor einem Dilemma, denn die darauf ausgelegten Normen und Richtlinien sind nicht zum Schutz von Eigentum gedacht. Solange Menschen sicher evakuiert werden können, spielt die Besorgnis über die im Gebäude enthaltenen Sammlungen eine untergeordnete Rolle. Mit anderen Worten: Die Einhaltung verbindlicher Bauvorschriften bietet in der Regel keinen ausreichenden Brandschutz für unersetzliche Gebäude und Sammlungen.

2. Irreparable Schäden an der Bausubstanz

Viele historische Gebäude verfügen über Bausubstanzen, die seit Jahrzehnten der Natur ausgesetzt sind. So wird selbst der unerkennbarste Steinhaufen im Zuge der Pflege (z.B.: durch das English Heritage) mit etwas Zement versehen. Aus dem einzigen Grund die Sicherheit zu gewährleisten. In solchen Fällen scheiden sich auch oft die Geister. Einige sehen, dass die Aufgabe der Restaurierung bzw. des Erhaltes darin besteht, die Vergangenheit zu bewahren bzw. zu belassen, anstatt sie zu ersetzen. Man bedenke, dass die damaligen Materialien nicht dafür ausgelegt wurden, dem Missbrauch zeitgenössischer physikalischer und chemischer Bauwerkzeuge standzuhalten. In vielen Fällen sind die Verbundmaterialien kaum reproduzierbar oder gar unersetzlich, da der Herstellungsprozess der damaligen Zeit schwer replizierbar ist. Aufgrund des Mangels an Konservierungsfähigkeiten für die Instandsetzung und Instandhaltung historischer Architektur wird die Konservierung und Instandhaltung historischer Gebäude von unsachgemäßen und unerfahrenen Arbeitern ausgeführt, was wiederum zum Großteil der danach aufgetretenen Probleme führt.

Daher spielt es eine untergeordnete Rolle, ob es sich um den Big Ben oder das Brandenburger Tor handelt, auch Sehenswürdigkeiten müssen mal restauriert werden. Die dafür nötigen Aufwände sind ungleich größer als ein Bürogebäude der heutigen Zeit.
Der berühmte Parthenon auf dem Akropolis-Hügel unter Rekonstruktion umgeben von Baugerüst und stehendem Baukran in der Vorderseite des Tempels mit gehenden Touristen

Das Parthenon in Athen, als auch die umliegenden Gebäude, sind ein Beispiel für Denkmäler, die im Laufe der Jahrhunderte durch Krieg und Vandalismus stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Glücklicherweise steht die Struktur noch -zumindest für jetzt. Man bedenke, dass seit einigen Jahren eine Seite des Parthenons von einem Baugerüst verziert wird. Bis mindestens 2020 soll weiter restauriert werden. Experten warnten jedoch schon vor Jahren vor einem möglichen Zusammenbruch des Tempels.

Bei lebensbedrohlichen Mängeln besteht Gefahr in Verzug. Da muss schnell gehandelt werden können. Darauf folgt klarerweise die Frage, ob die bestehenden Materialien so gut wie möglich instandgesetzt oder komplett ersetzt werden sollen.

3. Standsicherheit und unangemessene Ergänzungen

Nimmt man sich die Sanierung und Instandsetzung denkmalgeschützter Gebäude vor, so möchte man nicht nur eine vollfunktionsfähige Struktur sicherstellen, sondern im Idealfall auch den ursprünglichen Zustand gewisser Teile wiederherstellen. Man sollte sich jedoch wahren, während des Wiederherstellungsprozesses zu beginnen, moderne oder historisch ungenaue Ergänzungen am Gebäude vorzunehmen. Das könnte sich negativ auf seinen historischen Wert auswirken und den Zorn von Nostalgikern heraufbeschwören. Es gibt schließlich einen Grund wieso auf die Bewahrung von Denkmälern geachtet wird. Sie sind ein Fenster in die Vergangenheit und tragen somit auch einen sentimentalen Wert.

Statuen von Aposteln auf dem Dach der Kathedrale Notre Dame.

Wie tragisch Renovierungsarbeiten an denkmalgeschützten Gebäuden enden können, zeigt das jüngste Beispiel aus Paris. Das unter Brand stehende Dach der Notre-Dame und den unvermeidbaren Kollaps der Turmspitze mitansehen zu müssen, war ein Schock für viele. Dabei entstand die Turmspitze erst im 18. Jahrhundert im Zuge damaliger Restaurierungsarbeiten. Die Rettungsdienste konnten fast alle Kunstwerke und historischen Gegenstände rechtzeitig in Sicherheit bringen. Die Brandursache ist zu diesem Zeitpunkt noch unklar, doch laut dem Sprecher der Kirche ist der gesamte hölzerne Innenraum aus dem 13. Jahrhundert abgebrannt und von der originalen Dachkonstruktion werde wohl nichts mehr übrigbleiben.

Fazit

Die Erhaltung historischer Gebäude stellt viele bauliche Herausforderungen dar und bedarf sorgfältiger Planung und kreativer Bautechniken. Sie kann von der vollständigen Restaurierung bis hin zur adaptiven Sanierung reichen. Während die Restaurierung ein kostspieliger Vorgang ist, um ein Gebäude in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen, ist die adaptive Sanierung ein praktischerer Vorgang, um einen Teil der historischen Struktur eines Gebäudes zu erhalten, während dieses für moderne Zwecke modernisiert wird. Der Hauptgrund wieso in den Erhalt denkmalgeschützter Bauten investiert wird ist, weil sie die Geschichte einer Stadt, eines Volkes und der ganzen Welt prägten. Daher sollte der Schutz des geschichtlichen Erbes im Hinblick auf Modernisierungen, energieeffiziente Bauweisen und dergleichen nie außer Acht gelassen werden.