Wenn Sie in Ihrem Eigenheim Asbest entdecken, sollte dieser unbedingt entfernt werden. Er birgt zahlreiche gesundheitliche Risiken und kann bereits in kleinen Mengen zu chronischen Krankheiten und Beschwerden führen. Obwohl die Risiken des Materielas mittlerweile bekannt sind, gibt es weiterhin viel Unwissen und Halbwissen unter Hausbesitzerinnen und Hausbesitzern. In diesem Beitrag erfahren Sie alles, was Sie zu Asbest und dessen Entfernung wissen müssen.

Asbest unter dem Mikroskop 

Autor: Ravaka unter Creative Commons 

Was ist Asbest?

Das Wort Asbest ist ein Überbegriff und beschreibt verschiedene natürlich vorkommende, faserförmige, kristallisierte Silikat-Minerale. Aufgrund seiner technischen Eigenschaften erreichte er große Beliebtheit in der Industrie und im Bauwesen. Seinen Zenit erreichten die Asbestfasern mit dem Zweiten Weltkrieg und in der Nachkriegszeit.

Asbest besteht aus Fasern, die in natürlicher Form etwa 0,04 bis 0,4 µm lang sind. Nach der industriellen Aufbereitung sind Asbestfasern etwa 10 bis 20 mm lang. Gewonnen wurde der Rohstoff in Asbestminen unter anderem in der ehemaligen Sowjetunion, in den Vereinigten Staaten und in den britischen Kolonien in Afrika und Asien.

Wieso ist Asbest so gefährlich?

Heute ist bekannt, dass Asbest eine ganze Breite an gesundheitlichen Problemen auslösen oder begünstigen kann. Noch ist die Forschung nicht vollständig abgeschlossen, es gilt aber als erwiesen, dass Asbest karzinogen ist und unter anderem Lungenkrebs, Tumore und diverse Lungenleiden auslösen kann. Er kann vom Körper zudem kaum abgebaut werden und es kann sich über Jahre im Gewebe anreichern. Somit kann das Material noch Jahrzehnte nach dem letzten Kontakt zu den Fasern gesundheitliche Folgen haben. Überproportional gefährdet sind Raucher, Kinder und Personen mit Vorerkrankungen.

Wie sieht Asbest aus?

Autor: Aram Dulyan

Wie sieht Asbest aus?

Leider ist es schwierig, Asbest im Haus zu erkennen, da er in verschiedensten Formen und Farben verbaut wurde. In seiner Fabrik-fertigen Form, nach der industriellen Bearbeitung ist das Material gräulich bis grünlich und hat eine faserige Struktur, ähnlich wie gepresste Wolle oder Filz.

Asbest kommt unter anderem in Form von Faserzement, Dachplatten oder Dämmmaterial vor und wird oftmals mit anderen Materialien vermischt. Mittlerweile gibt es allerdings verschiedene technische Anwendungen, um das Material in der Luft, in Produkten oder in Gebäuden zu identifizieren.

Warum und wann wurde Asbest verbaut?

Asbest hat zahlreiche positive Eigenschaften, weshalb es früher oft als Wunderfaser bezeichnet wurde. In der Industrie wurde er unter anderem in der Produktion von Taschen, Filtern, Brandschutz, Kriegsmaterialien, Zahnpasta, Reifen, Babypuder, Telefone, Radios und so weiter verwendet.

Asbest ist elastisch, zugfest und eignet sich aus einer chemischen Sicht für die Einarbeitung in Bindemittel. Zudem ist das Material hitzebeständig bei bis zu 1000 Grad Celsius und damit extrem feuerresistent. Ferner ist er weltweit im Überfluss vorhanden, einfach zu verarbeiten und daher im Vergleich zu anderen Baustoffen sehr preiswert. Besonders groß wurde das Potenzial des Asbests daher für die Baubranche gesehen. Das Material wurde unter anderem in den Bereichen Wärmedämmung, Rohre, Feuerschutz, Faserzement, Dach-Wellplatten und mehr eingesetzt.

Haus mit Asbestverkleidung

Autor: ThBorunter Creative Commons

Wie sieht die aktuelle gesetzliche Regelung in Bezug auf Asbest aus?

Heute ist Asbest in den meisten Staaten in Europa verboten. Ausnahmen bilden einige Ost- und Südosteuropäische Staaten, die nicht Mitglied der Europäischen Union sind, wie beispielsweise Albanien, Nordmazedonien, die Ukraine, Moldawien, Weißrussland und Russland. 

Folgend vermitteln wir Ihnen eine Übersicht über den rechtlichen Stand von Asbest in der Europäischen Union, im Vereinigten Königreich, in der Schweiz und im Rest der Welt. 

In der EU

Um Arbeiter und Bewohner zu schützen, darf Asbest in der Baubranche seit 2005 in der Europäischen Union nicht mehr verwendet werden. Die Grenzwerte bezüglich Belastungen am Arbeitsplatz liegt in der EU bei 0,1 Fasern pro Kubikzentimeter und soll in den kommenden Jahren um das Zehnfache, auf 0,01 Fasern pro Kubikzentimeter verringert werden. In einigen EU-Mitgliedsstaaten wie beispielsweise Deutschland liegt der Grenzwert bereits jetzt bei 0,01 Fasern pro Kubikzentimeter, Asbest wurde in Deutschland zudem schon im Jahr 1993 verboten. Auch in anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Österreich oder Italien wurde er bereits in den 90er-Jahren verboten. Allerdings ist die EU bei Weitem noch nicht Asbest-frei und viele ältere Gebäude haben das Material nach wie in der Bausubstanz und in der Fassade. Die Europäische Union hat es sich daher zum Ziel gesetzt, die Renovierung von Asbest-befallenen Gebäuden mit höchster Priorität voranzutreiben.

In Großbritannien

Die Verwendung des Stoffes ist im Bauwesen im Vereinigten Königreich seit dem Jahr 1999 im ganzen Land verboten. Bis auf einige Ausnahmen, in denen spezielle Lizenzen und strikte Auflagen zur Anwendung kommen, darf Asbest im Vereinigten Königreich auch in der produzierenden und verarbeitenden Industrie nicht mehr verwendet werden.

Viele Gebäude im Vereinigten Königreich, die vor dem Jahrtausendwechsel gebaut wurden, enthalten aber nach wie vor Asbest. Die britische Health and Safety Executive schätzt, dass nach wie vor rund 5000 Personen im Vereinigten Königreich an den Folgen von Kontakt zu Asbest sterben. Da die Gefahren bei der Verarbeitung aber weitaus größer sind, als wenn ein Haus bewohnt wird, drängt die Regierung im Vereinigten Königreich nicht so stark auf Renovationen von betroffenen Gebäuden, wie dies in der Europäischen Union der Fall ist.

In der Schweiz

In der Schweizer Eidgenossenschaft wurde Asbest im Jahr 1989 generell verboten. Gebäude, die vor Ablauf der Übergangsfrist bis 1990 gebaut werden, können in der Schweiz aber nach wie vor mit dem Stoff belastet sein. Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit rät Hauseigentümern in der Schweiz daher zu höchster Vorsicht, wenn Gebäude renoviert werden sollen, die vor 1991 gebaut wurden. Wie viel von dem Material in der Schweiz noch verbaut ist, weiß niemand so genau. Der staatliche Unfallversicherer SUVA schätzt aber, dass rund 80 Prozent aller Gebäude, die vor 1991 gebaut wurden, Asbest beinhalten. Große öffentliche Gebäude wie Bahnhöfe oder Einkaufszentren wurden in der Schweiz zwischen 2002 und 2012 im großen Stil saniert. Die SUVA spricht von über 8500 Asbestsanierungen, die in diesem zehnjährigen Zeitraum stattgefunden haben sollen.

Andere Länder

Entgegen der öffentlichen Vermutung ist Asbest nicht weltweit verboten. Das Material wird nach wie vor abgebaut und in Gebäuden und industriellen Produkten verbaut. Mit Ausnahme der Vereinigten Staaten von Amerika und Kanada haben alle westlichen Industrieländer den Stoff verboten. Auch in einigen Staaten in Ostasien, Südostasiens, dem Nahen Ostens und Südamerika ist das Material mittlerweile verboten, darunter beispielsweise Japan, China, Thailand, Saudi-Arabien, Algerien und Argentinien. In vielen Schwellen- und Entwicklungsländern ist Asbest in der Bauindustrie aber nach wie vor legal oder zumindest toleriert. Besonders in Indien und in vielen afrikanischen Staaten kommt er weiterhin regelmäßig zur Anwendung, da es besonders günstig ist und vorteilhafte Eigenschaften bietet. Einige Staaten wie Indien und Kanada haben den Abbau von Asbest limitiert oder verboten, lassen ihn jedoch in der Bauwirtschaft und in der Industrie im eigenen Land zu einem gewissen Teil zu. Andere Länder erlauben Asbest nicht in der Baubranche, bauen ihn allerdings weiterhin ab und exportieren ihn.

Asbest entfernen lassen: Rohre mit Asbestdämmung

Autor: PuggieDK unter Creative Commons

Was gibt es zu Asbest im Haushalt zu wissen?

Wenn Sie herausfinden, dass in Ihrem Haus Asbest verbaut wurde, ist dies auf den ersten Blick sehr beunruhigend. Allerdings zeigten zahlreiche Studien, dass verbauter Asbest weitaus weniger gefährlich ist, als wenn er verarbeitet wurde. Da gesundheitliche Risiken dennoch nicht vollständig ausgeschlossen werden können, empfiehlt es sich aber trotzdem, Ihr Haus so bald wie möglich davon zu befreien. Im folgenden Abschnitt erfahren Sie alles, was Sie dazu wissen müssen.

Wie kann man Asbest entfernen?

Die Entfernung des Asbests muss unbedingt von Fachpersonal vorgenommen werden. Informieren Sie Bauunternehmen der Auftragserteilung darüber, dass das Material möglicherweise verbaut ist und stellen Sie sicher, dass das entsprechende Unternehmen die Asbestentfernung vornehmen kann.

Auf keinen Fall sollten Sie das Material selbst entfernen. Denn die Arbeiten können Asbestfasern in hoher Konzentration freisetzen, die noch Jahre oder sogar Jahrzehnte nach der Kontamination chronische und potenziell tödliche Krankheiten auslösen können. Legen Sie daher niemals selbst Hand an einem Haus an, in dem der Baustoff verbaut wurde. 

Welche Unternehmen bieten Asbestentfernungen an?

Lassen Sie Ihr Haus von einem Bauunternehmen auf Asbest prüfen und beauftragen Sie Fachpersonen, um die Sanierung vorzunehmen. In den meisten Ländern gibt es Bauunternehmen, die sich auf die Sanierung von Asbest-Häusern spezialisiert haben und über jahrelange Erfahrung in diesem Gebiet verfügen.

In jedem Fall sollten sie bei der Entfernung nicht auf den billigsten Anbieter zurückzugreifen. Die Gesundheit von Ihnen und den Arbeitern steht auf dem Spiel und es empfiehlt sich, professionelle Unternehmen zu beauftragen, die Experte in diesem Gebiet sind.

Mit welchem Material kann man Asbest ersetzen?

Mit welchen Materialien der verbaute Asbest ausgetauscht werden kann, hängt davon ab, in welcher Form er verbaut wurde. Die Alternativen für Rohre, die den Baustoff beinhalten, unterscheiden sich beispielsweise grundlegend von den Alternativen zu Faserbeton. In Europa wurde das Material im Bauwesen oft zur Dämmung verwendet. Hier kann er durch anderes Dämmmaterial wie Glas-, Keramik oder Steinwolle oder Wollastonit ersetzt werden. Wurde das Material im Dachbau verwendet, empfehlen sich Schiefer, Titanzink oder Dachpfannen. In den meisten Fällen wird das Bauunternehmen, das die Asbestentfernung vornimmt, Ihnen allerdings entsprechende Alternativen vorschlagen.

Wie wird Asbest entsorgt?

In vielen Ländern gilt Asbest als gefährlicher Sondermüll, welcher nicht im normalen Abfall entsorgt werden darf. Auch gemäß dem europäischen Abfallkatalog gilt er als gefährlicher Abfall, der entsprechend gekennzeichnet werden muss. 

Die Entsorgung an sich kann mittels verschiedener Verfahren stattfinden. Keines dieser Verfahren ist jedoch optimal und eine Lösung, Asbest vollständig zu eliminieren oder zu recyceln, wurde noch nicht gefunden. Das liegt unter anderem daran, dass er chemisch sehr stabil ist und daher eine große Resistenz gegen Hitze und Säure hat. 

In Europa angewandte Verfahren zur Entsorgung von Asbest umfassen unter anderem die mechanische Zerkleinerung, die thermische Verglasung, das Tempern, das chemische Auflösen oder das Einbinden in Zement oder andere Bindemittel. Bei keinem dieser Methoden ist der Baustoff anschließend vollständig aufgelöst, weshalb die Überbleibsel bei den meisten Verfahren weiterhin als Sondermüll gelagert werden müssen.

Wie teuer ist es, Asbest entfernen zu lassen?

Je nach Art des verbauten Materials und nach Land variieren die Kosten für die Asbestentfernung auch in Europa. Im Schnitt müssen Sie für die Entfernung von als Verdichtung verbautem Asbest pro Quadratmeter allerdings mit Kosten von 30 bis 40 Euro rechnen. Mit zunehmender Größe nehmen die Kosten pro Quadratmeter im Schnitt ab. Sie müssen allerdings bedenken, dass der Quadratmeterpreis nicht die einzigen Kosten sind. Zusätzlich zu den Kosten der Entfernung des Baustoffes pro Quadratmeter kommen Anfahrtskosten, Gerüst-Miete, Entsorgung und andere Arbeiten.

Asbest im Haus: Fazit

Lange galt Asbest als Wunderfaser. In den meisten Ländern Europas ist er heutzutage verboten. In vielen Ländern des Globalen Südens und in Nordamerika ist der Baustoff allerdings weiterhin nicht verboten und wird weiterhin verbaut.

Auch in Europa ist in vielen älteren Gebäuden noch Asbest verbaut. Die gesundheitlichen Folgen für Bewohner scheinen sich in Grenzen zu halten, Risiken können aber dennoch nicht ausgeschlossen werden. Die EU hat es sich daher zum Ziel gesetzt, dass Asbest-Häuser schneller und effizienter saniert werden. Auch wenn in Ihrem Haus Asbest verbaut wurde, sollten Sie eine Sanierung in Betracht ziehen. Nehmen Sie aber selbst keine Änderungen vor und überlassen Sie die Entfernung des Materials unbedingt Fachpersonen. Diese wissen, wie sie sich schützen können und wie der Baustoff fachgerecht entsorgt werden muss. Je nach Land und je nachdem, auf welche Art der Asbest verbaut wurde, müssen Sie mit unterschiedlich hohen Kosten rechnen. In Europa liegt der Durchschnitt bei rund 35 bis 40 Euro pro Quadratmeter, zuzüglich Kosten für Anfahrt, Entsorgung etc. Je größer die betroffene Fläche ist, desto tiefer sind in der Regel die Kosten pro Quadratmeter.

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