Wer vom trauten Eigenheim träumt, sieht sich aktuell trotz anhaltendem Immobilienboom zumindest in Deutschland steigenden Preisen gegenüber. Wie sich die Hausbaukosten 2022 entwickelt haben und ob die Baupreise auch in Zukunft weiter explodieren, zeigen wir Ihnen in diesem Beitrag. 

Hausbaukosten 2022 - alle Fakten

Haubaukosten 2022 – Die Baupreise explodieren

Die andauernde Pandemie gilt weithin als einer der Hauptgründe für die deutlichen Preissteigerungen in der Baubranche. Derweil besonders in den Industriestaaten diverse Hilfspakete, sowie günstige Kredite der stagnierenden Wirtschaft unter die Arme greifen sollten, nahmen die Preissteigerungen bis dato kaum bekannte Ausmaße an. Zeitgleich wurde bei deutlich steigender Nachfrage zuletzt das Baumaterial knapp, was die Baupreise weiter explodieren ließ. 

Besonders nicht funktionierende Lieferketten, Produktionsengpässe und zusätzliche Herausforderungen während der teils strikten Lockdownbestimmungen rund um den Globus zogen Engpässe und erneute, branchenübergreifende Preissteigerungen nach sich. Verschärft wurde diese Situation zuletzt noch durch den Konflikt in der Ukraine und die daraus resultierenden gestiegenen Energiekosten, sowie eine reduzierte Einfuhr von Stahl, Zement und Blech aus der Ukraine, Russland und Belarus.

Von dieser Entwicklung sind 2022 besonders die Hausbaukosten betroffen. So sahen sich Bauherren bereits zu Beginn des Jahres mit teilweise um 10 bis 20 Prozent höheren Hausbaukosten konfrontiert. Laut Expertenaussagen und der Prognose zur Entwicklung der Baukosten 2022 ist zu erwarten, dass dieser Trend andauern wird und die Baupreise 2022 weiter steigen. Und auch die Prognose für 2023 zeigt, dass hinsichtlich der Entwicklung der Baukosten weitere Steigerungen bei den Preisen vermutet werden. 

Preissteigerungen beim Hausbau haben verschiedene Gründe

Besonders für den Werkstoff Holz explodierten die Baupreise, sodass Bauherren teilweise mit fast doppelt so hohen Preisen als noch im Vorjahr rechnen mussten. Preissteigerungen ließen sich jedoch nicht nur beim Holz, sondern auch bei Glas und Dämmmaterialien verzeichnen. 

Zwar hat sich die Lage im deutschen Baugewerbe inzwischen beruhigt, niedrigere Preise für Hausbaukosten 2022 sind jedoch nicht zu erwarten. Ein Grund dafür ist die konstant hohe Nachfrage nach qualitativ hochwertigen, deutschen Baumaterialien besonders aus China und den Vereinigten Staaten.

Der vierteljährlich veröffentlichte Baupreisindex 2022 vom Statistischen Bundesamt zeigte derweil bereits im Februar dieses Jahres, dass sich insbesondere der Neubau von Wohnungen oder Häusern im Vergleich zum Vorjahr um rund 14,3 Prozent verteuert hat. Allein von November 2021 bis Februar 2022 sind die Baupreise um ganze 4,4 Prozent angestiegen. Dies sei der höchste Anstieg der Baupreise zu einem Vorjahr seit August 1970 gewesen. Damals waren die Baupreise im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent gestiegen.

Preissteigerungen bei Baupreisen 2022 im Detail

Die folgende Tabelle gibt Ihnen einen Überblick über die vom Statistischen Bundesamt ermittelten Preissteigerungen der Baupreise 2022 nach Segment.

BausegmentPreissteigerung 2022
Rohbauarbeiten14,6 Prozent
Zimmer- & Holzbauarbeiten33,9 Prozent
Dachdeckungs- & Dachabdichtungsarbeiten18,7 Prozent
Entwässerungskanalarbeiten18,6 Prozent
Klempnerarbeiten18,1 Prozent
Betonarbeiten 14,5 Prozent
Ausbauarbeiten14,2 Prozent
Metallbauarbeiten19,1 Prozent
Tischlerarbeiten16,4 Prozent
Estricharbeiten16 Prozent
Gas-, Wasser-, Entwässerungsanlagen14,4 Prozent
Raumluftanlagen16,7 Prozent
Heizanlagen13,6 Prozent
Nieder- und Mittelspannungsanlagen14,7 %
Gebäudeautomationsanlagen13,6 Prozent
Blitzschutzanlagen13,8 Prozent
Dämm- und Brandschutzarbeiten20,7 Prozent
Instandhaltungsarbeiten an Wohngebäuden14,4 Prozent

Hausbaukosten pro m² 2022 im Vergleich

Die Hausbaukosten pro m² 2022 sollen nach Angaben des Zentralverbands des deutschen Baugewerbes mindestens um weitere 4 Prozent steigen. Deutliche Preisunterschiede lassen sich bei der Art der gewählten Immobilie erkennen, wie die folgende Tabelle zeigt:

HaustypHausbaukosten pro m² 2022Gesamtkosten für 150 m²
Bausatzhaus900 Euro m²135.000 Euro
Ausbauhaus1.300 Euro m²195.000 Euro
Neubau schlüsselfertig (günstig)1.800 Euro m²270.000 Euro
Neubau schlüsselfertig (durchschnitt)2.000 Euro m²300.000 Euro
Neubau schlüsselfertig (gehoben)2.500 Euro m²375.000 Euro
Massivhaus schlüsselfertig2.500 – 3.000 Euro m²375.000 – 450.000 Euro
Fertighaus schlüsselfertig2.000 – 2.500 Euro m²300.000 – 375.000 Euro

Grundsätzlich sind Fertighäuser günstiger als Massivhäuser. Die Hausbaukosten pro m² orientieren sich jedoch auch stark nach dem jeweiligen Bundesland und ob man im städtischen oder im ländlichen Bereich baut.

So ist das Bauen in Süddeutschland im Vergleich deutlich teurer als ein Neubau in Norddeutschland oder auch in den neuen Bundesländern. Je nach geplantem Bauvorhaben zeigen sich innerhalb der Bundesrepublik dabei Preisschwankungen von mehreren hundert Euro pro Quadratmeter. 

Die oben aufgeführten Angaben entsprechen zudem den durchschnittlichen Hausbaukosten pro m² im Jahr 2022 ohne Grundstück. Das bedeutet, dass Sie je nach Region zusätzlich etwa 435 Euro pro Quadratmeter für ein geeignetes Grundstück einkalkulieren sollten. Teurere Grundstücke in beliebten Gegenden können unterdessen sogar mit Quadratmeterkosten von mehr als 1.000 Euro ins Gewicht fallen. Aber selbst beim Kauf von günstigem Grund entstehen pro Quadratmeter Kosten von nicht weniger als 30 Euro.

Im Vergleich dazu kostete ein Hausbau im Vorjahr je nach Region deutlich weniger. Laut der LBS-Analyse “Markt für Wohnimmobilien” vom Januar 2021 konnten private Bauherren ihren Wunsch vom Eigenheim noch im letzten Jahr ab 1.460 Euro pro Quadratmeter Baufläche erfüllen. Je nach Region zeigten sich bei 150 Quadratmetern Wohnfläche dabei jedoch bereits Preisunterschiede von nicht weniger als 122.000 Euro. Auch 2022 bleiben regionale Unterschiede in den Hausbaukosten bestehen. Dennoch sollten Sie auch für günstige Bauprojekte ein deutlich höheres Budget als noch im Vorjahr einkalkulieren. 

Allgemeine Orientierung in puncto Hausbaukosten 2022 geben unter anderem Baukostenrechner. Unter Angabe von Baustandort (Bundesland), Bauweise (Massivhaus oder Fertighaus), sowie dem Standard für effiziente Gebäude erhalten Bauherren einen ersten Überblick über die Kosten, die entstehen, wenn sie selber ein Haus bauen. Anschließend können Angaben zur gewünschten Baufläche, geplanten Geschossen, dem Ausstattungsstandard, den gewünschten Bodenbelägen, einer eventuellen Sonderausstattung oder geplanten Außenanlagen weitere Hinweise auf die finalen Hausbaukosten pro m² 2022 geben. Auf Basis dieser Angaben lohnt es sich im Folgenden jedoch ein konkretes Angebot bei verschiedenen Baufirmen einzuholen. 

Wie kann man die Hausbaukosten reduzieren?

Übersteigen die Hausbaukosten 2022 Ihr geplantes Budget, gibt es diverse Möglichkeiten, um trotz steigender Preise beim Hausbau zu sparen. Dabei gilt jedoch, dass ein Haus mit besonders kleiner Wohnfläche nicht automatisch günstiger ist als ein Eigenheim mit 120 oder 150 Quadratmetern. Denn Infrastruktur und Technik, Baumaschinen und mehr müssen dennoch bezahlt werden. Dies machen auch die folgenden Daten deutlich:

  • Baukosten Einfamilienhaus 2022: durchschnittlich 1.600 bis 2.700 Euro pro m², deutliche höhere Preise in Städten und in Süddeutschland
  • Baukosten Mehrfamilienhaus 2022: 1.400 bis 2.500 Euro pro m², deutliche höhere Preise in Städten und in Süddeutschland

Eine bewährte Option, um Kosten bewusst zu senken, ist demnach nicht unbedingt eine kleinere Wohnfläche, sondern der Verzicht auf einen Kellerausbau. Denn gerade der Aushub fällt je nach Lage und Art des Bodens mit bis zu 120.000 Euro extrem ins Gewicht.

Weiter wird bei einem Rohbau davon ausgegangen, dass jeder Quadratmeter rund 1.400 Euro kostet. Somit können Sie bei vergleichsweise überschaubaren Kosten von rund 170.000 Euro durchaus ein 120 Quadratmeter großes Haus bauen lassen.  Wichtig ist hier jedoch gleich zu Beginn, einen Gesamtpreis für das geplante Bauprojekt festzulegen. Festpreisgarantien bewahren Sie nämlich vor Unsicherheiten und unerwarteten Preissteigerungen während des Baus. 

Ebenfalls lohnenswert kann aber auch der Griff zu einem Bausatz oder einem Ausbauhaus sein. Und gerade Anbieter von Fertighäusern lassen sich eher auf einen Festpreisvertrag ein, da das gewünschte Eigenheim mit etwas Glück bereits innerhalb kurzer Zeit schlüsselfertig übergeben werden kann.

Oder Sie sparen durch Eigenleistung Kosten beim Bau. Denn sowohl die Übernahme von Planungsaufgaben als auch Eigenarbeit auf dem Bau können eine deutliche Ersparnis mit sich bringen, die die Kosten pro Quadratmeter deutlich mindern. Nicht zuletzt ist aber auch ein stufenweiser Ausbau eines Neubaus möglich, um die anfallenden Kosten über eine längere Bauphase aufzuteilen.

Jetzt bauen oder warten?

Für private Bauherren stellt sich 2022 unweigerlich die Frage, ob es sich lohnt jetzt zu bauen oder besser noch zu warten. Die Antwort auf diese Frage hängt dabei von individuellen Faktoren ab. Sicher ist laut Expertenmeinungen jedoch, dass die Preise in Zukunft wohl nicht wieder sinken werden. Stattdessen wird davon ausgegangen, dass die Kosten, um ein Haus bauen zu lassen, auch in den kommenden Jahren vergleichsweise hoch bleiben werden oder sogar weiter steigen. Als Antwort auf die Frage “jetzt bauen oder warten?” gilt daher auch für 2023, dass keine Preiseinbrüche zu erwarten sind. 

Wer also bereits den Bau seines Eigenheims plant, sollte zügig reagieren, das niedrige Zinsniveau für sich nutzen und rechtzeitig vor einer möglichen weiteren Preissteigerung die nötigen Baumaterialien kaufen. Bei der Entscheidung für oder gegen den Bau eines eigenen Hauses sollten Sie jedoch in jedem Fall auch das vorhandene Eigenkapital berücksichtigen. Liegt dies bei mindestens 20 Prozent, kann sich der baldige Baubeginn durchaus rechnen. 

Gleiches gilt übrigens auch, wenn Ihre Frage für 2022 lautet: Haus kaufen ja oder nein? Je höher der Anteil an Eigenkapital, umso rentabler kann der Kauf eines Hauses, besonders hinsichtlich möglicher Kreditzinsen sein. Somit sollte Ihr Eigenkapital aus Bargeld, Sparguthaben, Aktien, Wertpapieren oder auch Bausparverträgen mindestens 20 Prozent der eigentlichen Kaufsumme ausmachen. 

Darüber hinaus gilt aber auch hier zu beachten, dass die Häuserpreise 2022 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sind. Infolge der erhöhten Nachfrage waren die Preise für Massivhäuser bereits bis Ende 2021 um rund 10 Prozent, für Fertighäuser sogar um bis zu 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Das bedeutet aktuell, dass Fertighäuser im Vergleich zu Massivhäusern oder Architektenhäusern auch durch die gestiegene Nachfrage deutlich teurer sind. Gleichzeitig zeigt sich auch auf dem Grundstücksmarkt eine erkennbare Preissteigerung, die durch den Wunsch nach einem Eigenheim mit Garten besonders während der Corona-Pandemie noch weiter geschürt wurde. 

Dennoch liegt der Häuserpreisindex laut Statistischem Bundesamt liegt mit 12,3 Prozent deutlich unter dem Baupreisindex für Wohngebäude 2022 (17,6 Prozent). Kurzum, statt selbst ein Haus zu bauen und während des Baus von schwankenden Preisen, Fachkräftemangel und Co. abhängig zu sein, kann es sich nun lohnen, ein eigenes Haus zu kaufen. Denn besonders der Mangel an Baumaterialien und Handwerkern kann ein Bauprojekt enorm in die Länge ziehen und sich am Ende deutlich in den anfallenden Baukosten niederschlagen. Lange Wartezeiten auf einen Handwerker von bis zu 14 Wochen (Angaben: Zentralverband des Deutschen Handwerks) wie im Winter 2021/2022 führten nämlich bereits im vergangenen Jahr zu Preissteigerungen von nicht weniger als 30 Prozent. Das Resultat: Derweil Wohnraum in der Bundesrepublik gerade in den städtischen Ballungsräumen Mangelware ist, gehen die erteilten Baugenehmigungen für Wohnungen weiter zurück. 

Hausbaukosten 2022: Fazit

Die Hausbaukosten 2022 steigen weiter konstant. Sowohl die Nachwehen der Corona-Pandemie als auch die hohe Nachfrage nach Baustoffen aus dem In- und Ausland oder die politische Situation in Staaten wie der Ukraine und Russland haben deutliche Auswirkungen auf die Preisentwicklungen in der Baubranche. Erschwerend kommt für Bauherren unterdessen hinzu, dass bisher nicht abzuschätzen ist, inwiefern Niedrigzins und Zuschüsse auch in den nächsten Jahren gegeben sein werden. Insbesondere für größere Bauprojekte und längere Bauphasen sollten Sie daher mit Preissteigerungen und entsprechenden Anpassungen rechnen. Alternativ kann es sich jedoch auch in der aktuellen Situation lohnen, einen Neubau mit Festpreisverträgen zu beginnen oder eine bestehende Immobilie zu erwerben.