Die Preisentwicklung bei Baustoffen zeigt auch 2022 ungebrochen nach oben. Das hat erhebliche Folgen für die Bauwirtschaft, die weiterhin unter Planungsunsicherheiten, Verzögerungen und erhöhten Kosten für gewerbliche und private Bauprojekte leidet. In diesem Beitrag sehen wir uns die Preise für verschiedene Baustoffe wie Ziegel, Dämmstoffe und im Detail an.

Baustoffe Preisentwicklung 2022 im Überblick

3 Gründe für steigende Baustoffpreise im Jahr 2022

Es gibt drei Hauptgründe für die steigenden Preistrends bei Baustoffen: 

  1. Die Coronapandemie
  • Durch Lockdowns kam es zu Kurzarbeit und Produktionsausfällen. Das hemmt die Kapazitäten der Hersteller. Insbesondere der asiatische Kunststoffproduktion macht dies zu schaffen, was sich vor allem auf die Preise für Dämmstoffe ausgewirkt.
  • Darüber hinaus haben viele Privatpersonen ihr nicht-genutztes Reisebudget in den Neubau eines Hauses oder die Renovierung ihres Eigenheimes investiert. Entsprechend stieg die Nachfrage nach vielen Baustoffen.
  1. Die Klimakrise
  • Sie verursachte Waldbrände, was vornehmlich die Holzproduktion in British Columbia, Canada hemmte, und den Bedarf nach europäischem Holz erhöhte.
  • Die Hitzewellen in Europa erhöhen die Nachfrage nach Dämmstoffen für eine effizientere Wärmeisolierung.
  1. Der Ukraine-Konflikt
  • Die Herstellung von Beton, Stahl und Ziegel benötigt viel Gas, das sich seit dem drohenden Erdgas-Stopp aus Russland massiv verteuert hat.
  • Der Importstopp für Holz aus Russland und der Ausschluss aus dem SWIFT-System machen europäisches Holz populärer als je zuvor.

Die erhöhten Luft- und Frachtkosten beeinträchtigen die Rentabilität des Imports asiatischer Baustoffe.

Baustoffe Preisentwicklung 2020 bis 2022 anhand des Erzeugerpreisindex:

KategoriePreisentwicklung 2021Preisentwicklung 2022
Dämmstoffe26,7 %31,7 %
Ziegel2,3 %11,3 %
Bauholz61,4 %-4,3 %
Beton3,6 %15,5 %
Baustahl53,1 %23,5 %

Der Erzeugerpreisindex misst die Preise, die für in Deutschland erzeugte Produkte bezahlt werden. Der Index erfasst auch etwa 70 verschiedene Baumaterialien und ist daher ein verlässlicher Anhaltspunkt für die Preisentwicklung der Baustoffe in Deutschland.

Die Rohstoffpreise für Metalle und Holz sind gegenüber den letzten Höchstständen zurückgegangen. Dies spiegelt sich jedoch noch nicht in den Erzeugerpreisen wider, da es eine gewisse Zeit dauert, bis diese in der Lieferkette ankommen. 

Baustahlpreise sinken 2022 vermutlich weiter

Die Prognosen zur Baustahl-Preisentwicklung waren Ende Februar, aufgrund des Ukraine-Konflikts, nicht gerade positiv, da sowohl Russland als auch Belarus als wichtige Exporteure für die Ressource galten. Zudem ist die heimische Stahlproduktion in Europa größtenteils auf russisches Gas angewiesen, um Stahl zu verarbeiten. Ein rasanter Preisanstieg des Gases könnte so vielen Stahlwerken “den Garaus machen“ – ein Trend, der bereits bei europäischen Aluminiumhütten bemerkbar ist. Dieser Produktionsmangel würde zu weiteren Preissteigerungen führen. Dennoch wurden im Zuge der Ukraine-Krise bislang die Höchststände der Coronapandemie (etwa 2000 € pro Tonne Baustahl) nie überschritten. Seit 2022 sind die Preise für Baustahl an der Rohstoffbörse wieder deutlich gesunken.

Ein Mangel an Konkurrenz aufgrund der hohen Frachtkosten

Die Kosten für Seefracht und Luftfracht sind 2022 stark gestiegen. Der Preisindex für den Containertransport – der CCFI – hat ein Allzeithoch erreicht (3-mal höher als vor der Pandemie). Somit ist der Import von Stahlerzeugnissen aus China und Co. unter anderem für die Automobilindustrie unrentabel geworden. Die heimischen Unternehmen vertrauen somit vermehrt auf näher gelegene Exporteure, wie zum Beispiel zollfreier Stahl aus dem Balkan.

Preisentwicklung Ziegel 2022

Der Ziegelpreis ist 2022 um etwa 11 % gestiegen. Der Hauptgrund dafür liegt in der besonders energieintensiven Herstellung (insbesondere bei Dachziegeln). Es werden dabei sehr hohe Temperaturen von 1000 Grad und viel Erdgas benötigt.

Die Nachfrage bleibt hoch, Produktionskosten steigen

Viele Menschen haben während der Coronapandemie die Auszeit genutzt, um ihr Eigenheim zu renovieren, anstatt in den Urlaub zu fliegen. Diese große Nachfrage führte bei vielen Unternehmen zu langen Lieferzeiten. Teilweise konnten Aufträge gar nicht mehr angenommen werden. Durch die Ukraine-Krise und den drohenden Importstopp von Erdgas hat sich die Situation zusätzlich verschärft. Die daraus resultierenden hohen Energiekosten spiegeln sich auch im Ziegelpreis für 2022 wider. Falls der befürchtete Erdgas-Stopp eintritt, ist eine gravierende Verschlechterung der Versorgungslage nicht zu vermeiden. Sofern die Bundesnetzagentur dann Gas rationiert verteilt, würden private Haushalte, Krankenhäuser oder Gaskraftwerke priorisiert werden. Ziegelhersteller wahrscheinlich nicht.

Wie viel kostet ein m² Dachziegel?

Die Qualitätsunterschiede und somit auch die Preisspanne sind bei Dachziegeln besonders hoch. Daher lässt sich diese Frage nur schwer beantworten. Manche Dachziegel gibt es bereits für wenige Euro pro Quadratmeter, für hochwertige Schieferziegel zahlt man allerdings deutlich mehr. Ein Flachdach kann somit im Vergleich zu einem Satteldach schnell teuer werden. Hier ist ein Überblick über die aktuellen Kosten.

Preise für verschiedene Dachziegel pro m² im Jahr 2022:

Dachziegel-ProdukttypPreis pro m²
Sigma-Pfanne, Standard8 Euro
Biberschwanzziegel17 Euro
Flachdachziegel18 Euro
Premier-Flachziegel33 Euro
Schieferdachziegel70 Euro

Preisentwicklung bei Dämmstoffen 2022

Je nach Dämmstoff mussten Kunden im Jahr 2021 zwischen 4 – 7 % mehr bezahlen. Der deutsche Markt für Dämmstoffe wuchs im Jahr 2021 beachtlich. Der Marktumsatz betrug 2018 noch 1,04 Milliarden Euro, 2021 waren es bereits 1,19 Milliarden Euro. Jedoch ist dieser Anstieg größtenteils auf den steigenden Rohstoffpreis zurückzuführen.  Die Preise für Glaswolle, Mineralwolle- und Schaumstoffdämmung sind im Rahmen der Corona-Pandemie und anderen Weltereignissen deutlich teurer geworden. 

Entspannung des Kunststoffmangels nicht in Sicht

Seit geraumer Zeit gibt es eine globale Kunststoffknappheit. Das Material wird größtenteils in Asien produziert. Seit der Corona-Pandemie kommt die Produktion nur langsam wieder ins Rollen. Zusätzlich werden viele der Kunststoffe, die nun in Asien wieder hergestellt werden, nicht mehr nach Europa geliefert, sondern an Partner der Freihandelszone RCEP (Japan, China, Australien, Sürdkorea etc. gehören unter anderem dazu) geliefert.

Zudem gab es auch in den Kunststoffwerken westlicher Länder zu Probleme:

  • Werke in den USA hatten mit einem starken Winter zu kämpfen.
  • In den Niederlanden und Frankreich kam es aufgrund von technischen Problemen zu Ausfällen.

Preise für verschiedene Dämmstoffe pro m² im Jahr 2022:

Dämmstoff-ProdukttypPreis pro m²
EPS6- – 24 Euro
PIR10 – 20 Euro
Holzwolle42 – 54 Euro
Glaswolle12 – 24 Euro
Mineralwolle12 – 24 Euro

Warum die Preise für Dämmstoffe 2022 und darüber hinaus wahrscheinlich weiter steigen werden

Drohende Erdgas-Knappheit und die damit einhergehende Unsicherheit bei der Energieverfügbarkeit führen dazu, dass das Heizen und Kühlen aller Gebäude zu einer immer größeren finanziellen Belastung für Unternehmen und Privatpersonen wird. 

Die erhöhten Betriebskosten und Unsicherheiten erhöhen die Bereitschaft, für qualitative Gebäudewärmedämmung gutes Geld zu bezahlen.  Mit einer guten Dämmung können bei Dachboden, Fenstern und die Fassaden Energieverluste minimiert werden. Dadurch macht sich eine Fassadendämmung so schnell bezahlt, wie noch nie zuvor. Zudem schützen sie auch vor Hitzewellen, die in Europa in den nächsten Jahren wahrscheinlich zunehmen werden. Die Zuversicht, dass eine solide Dämmung auch in Zukunft rentabel sein wird, nährt die Nachfrage nach diesem Baustoff.

Der Bauholzpreis hat sich 2022 etwas erholt

Der Bauholzpreis pro m³ ist in den letzten Monaten weiter gesunken. Generell können wir dieses Jahr wieder aufatmen, da die Holzpreise seit Jahresbeginn um etwa 50 % gesunken sind. Somit liegen wir aktuell etwa 70 % unter dem historischen Höchststand von 2021.

Die Gründe für den Preisanstieg des Bauholzes im Jahr 2021 waren besonders vielfältig. Von Geopolitik, und Schädlingsbefall, bis hin zum Wandel des Konsumverhaltens:

  • Eine erhöhte Nachfrage nach europäischen Holz: USA importiert seit 2021 deutlich mehr Schnittholz aus Europa, da der Holzexporteur Kanada mit Waldbränden konfrontiert war und die kanadische Produktion zusätzlich durch einen unerwarteten Käferbefall gehemmt wurde. Als wäre das noch nicht genug, hat der Ex-US-Präsident Trump zudem noch Zölle auf kanadische Holzlieferungen verhängt.
  • Export-Embargo eines großen Exporteurs: Russland – der mit Abstand Top-Exporteur von Nadelschnittholz, wurde aufgrund des Ukraine-Krieges vom SWIFT-System ausgeschlossen. Dies hat den Holzhandel mit Russland massiv verkompliziert, sodass auch einst treue Kunden wie China beginnen, Holz aus anderen Ländern zu beziehen.
  • Die Nachfrage der Konsumenten steigt: Holz liegt im Trend. Als nachwachsende Ressource, die das Klima schont und für Umweltbewusstsein steht, werden Baumaterialien und Produkte aus Bauholz immer beliebter. Viele Endkonsumenten fanden auch Gefallen an Holzarbeiten und Renovierungen im Garten, während sie von Ausgangsbeschränkungen betroffen waren.

Preisentwicklung von Beton in 2022

Beton ist das am weitesten verbreitete hergestellte Material des Menschen und ist für die Stabilität, Resilienz, Beständigkeit und Flexibilität von Bauwerken nicht wegzudenken. Das wichtigste Bindemittel für Beton ist Portlandzement. Dieser Rohstoff ist mit einem enormen Energieaufwand verbunden, da Kalkstein auf extrem hohe Temperaturen erhitzt werden muss. Diese Erhitzung von Kalkstein ist für 8 % der weltweiten Kohlenstoffdioxidemissionen verantwortlich. 

Wie auch bei Dachziegeln, ist auch der Betonpreis aufgrund der Energieknappheit in Europa stark gestiegen, und viele Bauträger sowie Generalunternehmen suchen nach Lösungen, um die Herstellung von Beton leistbarer und nachhaltiger zu machen.

Preisentwicklung bei Baustoffen: Lieferanten rechnen weiterhin mit Erhöhungen

Obwohl es in letzter Zeit einige Preissenkungen bei Rohstoffen wie Holz, vor allem in den USA, und Stahl gegeben hat, haben die europäischen Baustoffunternehmen immer noch mit höheren Kosten zu kämpfen. Viele europäische Hersteller erwarten, dass sie ihre Produktionspreise noch weiter erhöhen werden.

Laut einer Umfrage der Europäischen Kommission gaben etwa 40 % der Anbieter von Beton, Zement und Ziegeln an, dass sie ihre Preise weiter anheben werden. Bei Holz und Stahl ist der Prozentsatz der Unternehmen, die mit einer Erhöhung des Verkaufspreises rechnen, sogar noch höher. Dennoch sieht es so aus, als ob der Höhepunkt für diese Produkte vorbei ist, aber der Mangel an Arbeitskräften und der Ukraine-Konflikt könnten eine Stabilisierung oder Anpassung der Preise nach unten ebenfalls verzögern.

Die Margen der Auftragnehmer sinken

Die Preissteigerungen bei Baumaterialien haben die Gewinnspannen der Bauunternehmen unter Druck gesetzt. Dies kann leicht zu verlustbringenden Projekten führen, da die Gewinnspannen im Bausektor dünn sind und in der Regel bei nur wenigen Prozentpunkten liegen. Die Entwicklung der Leistungspreise von Bauprojekten und die Vorleistungspreise für Baumaterialien sind im Allgemeinen eng miteinander verbunden. Von 2018 bis Ende 2020 stiegen die Leistungspreise der Bauunternehmen jedoch schneller als die Inputpreise, was zu höheren Gewinnen hätte führen können. Aufgrund der höheren Baustoffkosten holten die Vorleistungspreise jedoch schnell auf, was Druck auf die Gewinnspannen ausübt.

Wie gehen Bauunternehmen mit der Preisentwicklung bei Baustoffen um?

Da die Gewinnspannen klein und die Vorlaufzeiten für Bauprojekte lang sind, müssen die Bauunternehmen die Preisentwicklung bei Baumaterialien genau verfolgen und Absicherungsstrategien anwenden, um Verluste zu minimieren. Es gibt verschiedene Strategien, die Unternehmen anwenden können. 

  1. Direkte Beschaffung der Baustoffe

Bauunternehmer können die Baumaterialien direkt zum Zeitpunkt des Abschlusses des Bauprojekts beschaffen. Damit sichern sie sich den kalkulierten Beschaffungspreis zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses. Sie können dies auf zwei Arten tun: 

  • Sie können den Preis mit einem Lieferanten vereinbaren und die Lieferung der Materialien zu dem Zeitpunkt sicherstellen, zu dem sie im Bauprozess benötigt werden. Die Lieferanten zögern jedoch manchmal, solche langfristigen Verträge abzuschließen, da das Preisrisiko auf sie übergeht. 
  • Die Bauunternehmen können die Baumaterialien direkt kaufen, sie direkt liefern lassen und sie bis zum Bedarf lagern. Dies ist auch ein Mittel gegen drohende Materialknappheit. Dies führt jedoch zu (hohen) Lagerkosten und einem Rückgang des Betriebskapitals.
  1. Eine Preisanpassungsklausel

Diese ermöglicht es den Auftragnehmern, Preiserhöhungen an den Kunden weiterzugeben. Dies wird vor allem bei größeren Infrastrukturprojekten, bei denen der Kunde eine regionale oder öffentliche Verwaltung oder ein (großes) Unternehmen ist. Preisklauseln auf dem Wohnungsmarkt, wo die Kunden oft private Verbraucher sind, sind schwieriger zu rechtfertigen und daher nicht üblich.

  1. Das Risiko in Kauf nehmen

Das hat den Vorteil, dass es dem Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil verschafft, da es das Preisrisiko des Kunden übernimmt. Allerdings wird der Gewinn dadurch unbeständig. Bei größeren Projekten könnten die enormen Preisschwankungen im schlimmsten Fall zum Bankrott führen.