Lange Zeit war modulares Bauen mit der Angst vor landesweit abgesetzten, gleich aussehenden Standardbauten verbunden. Diese Zeiten sind nun vorbei! Weg vom Vorurteil der „architektonischen Unfreiheit“, weg von der üblen Nachrede nach „Plattenbau 2.0“.

Modulare Bauten erfüllen mittlerweile schon lange die Kriterien und Ansprüche moderner und nachhaltiger Immobilien. Was steht den zahlreichen Vorteilen der modularen Bauweise also noch im Weg?

Modulares Bauen ist ein Trend mit ZukunftFoto: EFFEKT Architects für SPACE10

Modulares Bauen ist nicht Plattenbau 2.0

Modulares Bauen konnte sein schlechtes Image dank steigender Qualität und Designmöglichkeiten erfolgreich bekämpfen. Lang ist es her, als der Modulbau gedanklich noch mit dem Containerbau verbunden war. Heute sehen wir das größte Kulturzentrum Europas, das Münchner Gasteig, in dieser Bauweise verwirklicht.

Zeitgenössische Modulbauten sind bereits bau- und energietechnisch optimiert, konstruktiv hochqualitativ und sind architektonisch  konventionell errichteten Bauten in nichts nachgestellt.

Modulare Bauweise ≠ Fertigteilbauweise

Ein Modulbau ist kein Fertigteilhaus. Im Gegensatz zum Fertigteilbau werden beim Modulbau nicht einzelne Strukturelemente (Boden, Decke, Wand, etc.) vorgefertigt, sondern ganze Raumeinheiten (inkl. Verrohrung, Elektroinstallationen, etc.) fertiggestellt und in einem Stück auf die Baustelle transportiert. Dabei finden viele Arbeiten, die üblicherweise auf der Baustelle stattfinden, wie das Dämmen (das ab einer bestimmten Temperatur nicht mehr empfohlen wird), etc. innerhalb der Fabrik statt. Das Wetter als ein wesentlicher Faktor für Zeitverzögerungen fällt praktisch weg. Da in der Fabrikshalle immer unter denselben kontrollierten Bedingungen angefertigt wird, sind eine hohe Ausbauqualität und kürzere Bauzeiten vor Ort möglich.

Modulare Gebäude sind vielseitig und flexibel. Am besten eignen sie sich für Großbauten wie Wohnsiedlungen, Hotels, Studentenheimen und anderen Immobilienprojekten, die typischerweise aus vielen sich wiederholenden Nutzungs- und Funktionseinheiten bestehen.

Die Vorteile des modularen Bauens liegen auf der Hand

  1. Effizienteres Bauverfahren
  2. Besserer Kontrolle über Kosten und Qualität
  3. Nachhaltigere Bauweise

Effizientes Bauverfahren

Häuser wie Autos vom Fließband bauen? Tatsächlich ist es ähnlich einem Autokauf. Zumindest beim Kauf eines Einfamilienhauses. Kunden stöbern im Katalog nach einem passenden Modell oder sehen sich diese am Fabriksgelände selbst an.

  • Risikoarme Arbeitsbedingungen

Die Bedingungen in der Fabrikshalle verringern das Unfallrisiko und die damit verbundenen Verbindlichkeiten für die Arbeitnehmer.

  • Verkürzte Baustellenzeiten

Aufgrund der verkürzten Bauzeit auf der Baustelle reduzieren sich die Baustellengemeinkosten. Die Vorarbeiten auf der Baustelle (Baugrubenaushub, Fundamentherstellung, etc.) erfolgen zeitgleich mit der Produktion des Gebäudes in der Fabrikshalle. Projekte werden so in der Hälfte der traditionellen Bauzeit abgeschlossen.

  • Keine wetterbedingten Verzögerungen

60 – 90% der Bauarbeiten werden innerhalb der Fabrik abgeschlossen, wodurch das Risiko wetterbedingter Verzögerungen wegfällt. Gebäude können früher bezogen werden, was zu einer schnelleren Kapitalrendite führt. Aufgrund der witterungsunabhängigen Produktion können Bauten zu jeder Jahreszeit und witterungsunabhängig gebaut werden.

Ein weiterer großer Vorteil: Aufgrund der hohen Anforderungen an die Genauigkeit werden fixe und gut eingespielte Arbeiterpartien eingesetzt. Die standardisierten Arbeitsabläufe führen dazu, dass der Einarbeitungseffekt bei Teams schneller eintritt.

Grafik - Modulbau vs Massivbau Quelle: adk.info

Modulares Bauen ermöglicht maximale Kosten- & Terminsicherheit

Die Investitionskosten sind im Vergleich zu konventionell errichteten Gebäuden in vielen Projekten sicherlich ähnlich. In Sachen Kosten- und Terminsicherheit sind modulare Bauten für Bauherren unvergleichbar attraktiver. Dank der gleichbleibenden Arbeitsbedingungen und früh kontrollierbaren Kostenfaktoren macht sich das Bauen in Modulbauweise gegenüber konventionellen Bauweisen in jedem Fall bezahlt.

Einen wichtigen Schritt hat der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen in Richtung der modular-seriellen Bauweise unternommen. Um so schnell wie möglich bezahlbares Wohnen in Deutschland ermöglichen zu können wurde in einem europaweiten Ausschreibungsverfahren ein Katalog mit 9 verschiedenen universell einsetzbaren Modellgebäuden erstellt, die je nach Grundstück und Umgebung an die Bedürfnisse vor Ort angepasst und gestaltet werden können. Das Ziel ist es auf diese Weise die m2-Preise langfristig stabil zu halten.

LESETIPP: Heimautomatisierung vom Fließband: Schlaue Fertigteilhäuser

Höchste Qualität und gleichzeitig ressourcenschonend

Modular hergestellte Gebäude müssen den gleichen Bauvorschriften und -standards entsprechen wie vor Ort errichtete Bauten. Sie werden mit denselben architektonischen Spezifikationen geplant und festgelegten Materialen erbaut. Im Endzustand sind sie praktisch nicht mehr von ihren konventionell gebauten Gegenstücken zu unterscheiden.

Das in der Fabrik hergestellte Gebäude erzeugt deutlich weniger Müll. Der in der Herstellung erzeugte Abfall ist durch das Recycling von Materialien und ständiger Kontrollen des Lagerbestandes viel besser verwaltbar. Einzelne Module modulare Bauten können sogar zerlegt und für eine neuerliche Nutzung verwendet oder renoviert werden. Der Bedarf an Rohstoffen als auch der Energieverbrauch sinken somit wesentlich.

Das digitale Bautagebuch

Effizienzsteigerndes Werkzeug für Bau- und Immobilienprojekte


Modulares Bauen für zukünftige Projekte

Es gibt kaum eine andere Bauweise, mit welcher Sie Kosten & Qualität zu so einem hohen Grad kontrollieren und planen können. Auf ein einzelnes Projekt gesehen mag es auf den ersten Blick wirken, dass ein modularer Bau und ein konventioneller Bau gleich viel kosten. Doch es sind andere Faktoren wie die Kontinuität des Herstellungsprozesses und des sich daraus ergebenden Skalierungseffektes, mit denen sich das modular-serielle Bauen als günstiger und nachhaltiger erweist.

Welche Bauweise in den nächsten 10 Jahren die Nase vorne haben wird, ist schwer zu sagen. Bei den aktuellen Baukosten muss sich der Modulbau momentan keinesfalls verstecken und zeigt dabei großes Potenzial für die Lösung zukünftiger Probleme.

LESETIPP: Das sind die 7 wichtigsten Bautrends 2023

Bezahlbares Wohnen

Die zu investierenden Kosten für modulare Bauten sind bei vielen Projekten ähnlich wie bei konventionell errichteten Gebäuden. Modulare Gebäude sind für Bauunternehmer und Immobilienentwickler allerdings in puncto Kosten- und Terminsicherheit besonders attraktiv. Unvorhergesehene hohe Kosten kommen beim modularen Bauen seltener vor als dies beim traditionellen Hausbau der Fall ist. Dank kontrollierbarer Kostenfaktoren bringt das Bauen in Modulbauweise deutliche Vorteile gegenüber traditionellen Bauweisen.

Dieser Vorteil wurde von privaten Entwicklern, Genossenschaften und der Politik erkannt. Um möglichst schnell bezahlbares Wohnen in Europa zu erreichen, wurde in einem europaweiten Ausschreibungsverfahren ein Katalog von neun verschiedenen universell einsetzbaren Musterbauten erstellt. Diese Musterbauten können je nach Immobilie und Umgebung an die örtlichen Bedürfnisse angepasst werden. Auf diese Weise soll der Preis pro Quadratmeter langfristig stabilisiert werden. Somit können modulare Bauten dabei helfen, bezahlbare Wohnungen in Deutschland und in der gesamten Europäischen Union zu schaffen.

Wie teuer ist modulares Bauen?

Im Durchschnitt ist ein Modulbau bis zu 30 Prozent günstiger als ein herkömmliches Gebäude. So muss man für ein Modulgebäude aus Stahl zwischen 300 und 500 Euro pro Quadratmeter rechnen. Falls Sie Ihr modulares Gebäude aus Holz konstruieren möchten, können die Kosten um einiges höher sein, da Holz ein teureres Material ist. In diesem Fall muss man mit mehr rechnen, nämlich zwischen 1500 und 3000 Euro pro Quadratmeter. Zusätzlich kommen die Kosten für die Arbeit des Zusammenbaus. Für die Arbeitskraft sollten Sie bei allen Materialien ein Budget von etwa 700 bis 900 Euro pro Quadratmeter einplanen.

Diese genannten Preise sind jedoch nur als Richtwerte zu verstehen. Es sind verschiedene Kriterien zu berücksichtigen, wie die geografische Lage des Grundstücks, die Wahl des Herstellers des Modul-Baus oder auch die für die Endbearbeitung gewählten Materialien. Das Modulgebäude ermöglicht es, auf viele der heutigen Herausforderungen wie Reaktionsfähigkeit, Flexibilität und Kostenkontrolle zu reagieren.

Was sind die Nachteile?

Modulares Bauen bzw. modulare Häuser haben zahlreiche Vorteile gegenüber dem herkömmlichen Bau von Ein- und Mehrfamilienhäusern. Allerdings gibt es nicht nur Vorteile. Hier ein kleiner Überblick über die negativen Aspekte des modularen Bauens, welche Sie kennen sollten, bevor Sie sich für diese Bauart entscheiden:

Eingeschränkte Gestaltungsmöglichkeiten
Das standardisierte Verfahren, mit dem eine höhere Effizienz erreicht werden soll, führt dazu, dass Sie zwischen vorgefertigten Modellen wählen müssen. Diese sind weniger flexibel als ein herkömmliches Haus und können nicht individuell auf alle Bedürfnisse zugeschnitten werden. Zwar besteht auch im modularen Bauen eine gewisse Gestaltungsfreiheit. Diese erreicht aber nicht das Maß von herkömmlichen Bauten, zumindest dann nicht, wenn Sie von den niedrigen Kosten des modularen Bauens profitieren möchten.

Grundstückswahl
Nicht alle Grundstücke sind geeignet. Vor dem Bau muss das gewählte Grundstück zwingend städtebaulich untersucht werden, um zu überprüfen, ob die vor Ort vorherrschenden Bedingungen einen modularen Bau erlauben. Zudem gibt es in Deutschland strikte Einschränkungen bezüglich des Landschaftsbildes. In vielen Fällen wird der Bau von modularen Häusern durch die Behörden verhindert.

Transport
Die Module müssen mit Lastwagen und Kränen von der Fabrik an ihren Bestimmungsort transportiert werden. Meistens können die Bauteile in herkömmlichen LKWs oder Camions verladen werden. Je nach Art der Module sind hier allerdings Sondertransporte nötig. Sondertransporte, aber auch der Betrieb von herkömmlichen Lastwagen und Kränen ist teuer und umweltschädlich. Zudem sind die Kräne und die Lastwagen, je nach Grundstück, nicht immer in der Lage, die Baustelle ohne Probleme zu erreichen. Allfällig notwendige individuelle Speziallösungen fressen sich ins Budget.