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Ein Blick auf die Zukunft der Baubranche Großbritanniens

30.01.2023 | 9 min Lesedauer

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Großbritannien hat turbulente Zeiten hinter sich. Eine Regierungskrise nach der anderen, eine rekordhohe Inflation, der Brexit, der Krieg in der Ukraine und der Tod der Queen sind einige der Ereignisse, die 2022 in Großbritannien für Schlagzeilen sorgten. Doch auch zu Beginn des Jahres 2023 ist die Situation im Königreich weit davon entfernt, was die Einwohner der Insel als “normal” bezeichnen könnten.

Die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Krisen sind nicht zu unterschätzen. Eine Branche, welche unter der aktuellen Situation leidet, ist das britische Bauwesen. Genau damit befasst sich dieser Beitrag. Er analysiert die aktuelle Situation und zeigt Möglichkeiten auf, wie sich der Bau im Vereinigten Königreich in Zukunft entwickeln könnte.

EU Flagge als Puzzle mit Puzzlestück mit britischer Flagge entfernt daneben liegt

Inhalt

  • Wie beeinflusst die aktuelle Situation das Bauwesen im Vereinigten Königreich?
  • Was bringt die Zukunft?
  • Zukunft der Baubranche Großbritanniens: Fazit
  • Erfolgreiche Bauprojekte mit PlanRadar

Wie beeinflusst die Lage 2023 das Bauwesen im Vereinigten Königreich?

Die letzten Monate und Jahre waren nicht einfach für Großbritannien. Das Königreich stand ganz im Zeichen des Brexits, welcher zahlreiche politische Krisen und Regierungswechsel heraufbeschwor. Mit der globalen Pandemie und dem Krieg in der Ukraine geriet die Situation noch mehr in Schieflage. Ein Wirtschaftszweig, der in den Medien nur selten erwähnt wird, jedoch trotzdem unter der aktuellen Situation leidet, ist das britische Bauwesen. Vor allem der Brexit und die hohen Preise führten dazu, dass sich Bauunternehmen in Großbritannien mit einer ganzen Reihe an neuen Herausforderungen konfrontiert sahen.

In den folgenden Abschnitten analysieren wir den Zustand des Bauwesens in Großbritannien zu Beginn des Jahres 2023 und untersuchen die Auswirkungen der aktuellen Krisen.

Der Brexit ist omnipräsent

Seit der Annahme des Brexit-Referendums war klar, dass Großbritannien die Europäische Union verlassen wird. Nachdem Termine und Fristen wiederholt verschoben wurden, um einen ‘harten’ Brexit zu vermeiden, verließ das Vereinigte Königreich die EU inmitten der Pandemie. Manche der befürchteten Auswirkungen sind ausgeblieben, während andere Bereiche umso härter getroffen wurden. Nicht umsonst spricht Premierminister Rishi Sunak davon, dass auch 2023 ein schwieriges Jahr für Großbritannien sein wird. Doch wie wirkt sich der Brexit konkret auf das britische Bauwesen aus?

Der Mangel von ausländischen Fachkräften hat vermutlich die verheerendsten Auswirkungen auf die Baubranche im Vereinigten Königreich. Zwar hat die EU das Post-Brexit Entry-Exit System (EES) bis auf Ende 2023 verzögert. Für EU-Bürger:innen und andere Ausländer:innen ist es bereits heute um einiges schwieriger geworden, um zum Zweck der Arbeitsaufnahme ins Vereinigte Königreich einzureisen. Die Baubranche, welche ohnehin schon vor dem Brexit unter einem Fachkräftemangel litt und auf Ausländer:innen angewiesen war, steht daher vor enormen Problemen.

Neben dem Fachkräftemangel hat der Brexit auch den Güterverkehr von und ins Vereinigte Königreich beeinträchtigt, wodurch sich Baumaterialien verteuern.

Covid ist noch nicht vom Tisch

Die Covid-19-Pandemie hat die britische Baubranche in verschiedener Hinsicht beeinflusst. Zunächst einmal führte die Pandemie zu einem Rückgang der Nachfrage nach Wohnraum. Zahlreiche Britinnen und Briten verschoben ihre Pläne zum Kauf oder Verkauf von Immobilien aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten. Dies hatte einen Rückgang der Aktivitäten in der Bauindustrie und eine Abnahme an neuen Projekten zur Folge.

Auch die Lieferketten wurden beeinträchtigt, was zu Engpässen bei Baumaterialien führte. Dies hatte Auswirkungen auf die Kosten und die Dauer der Projekte. Allerdings hat die Regierung Unterstützungsmaßnahmen ergriffen, um die britische Baubranche während der Pandemie zu entlasten. Es bleibt abzuwarten, inwieweit sich die Branche erholen wird.

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Die Inflation trifft das Bauwesen 2023 hart

Wie in vielen westlichen Staaten stieg die Inflation auch in Großbritannien letztes Jahr rasant an. Ihren Höhepunkt erreichte sie im Oktober 2022 mit einer durchschnittlichen Teuerung von 11,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Seither hat sich die Situation etwas beruhigt, noch ist die Teuerung viel zu hoch.

Das britische Bauwesen leidet direkt und indirekt unter der übermäßig starken Entwertung des Pfundes. Besonders verheerend sind die Auswirkungen der gestiegenen Finanzierungskosten. Im Dezember 2022 ist die Bauaktivität im Vereinigten Königreich so stark zurückgegangen wie seit Mai 2020 nicht mehr. Das liegt zu einem großen Teil daran, dass die Nachfrage aufgrund der hohen Finanzierungskosten eingebrochen ist. Mit der Anhebung des Leitzinses haben sich auch in Großbritannien die Hypotheken verteuert, wodurch sie für große Teile der Gesellschaft nicht mehr zugänglich sind. Auch wenn die Inflation wieder etwas abgenommen hat, wird es eine Weile dauern, bis sich dies in den Kosten der Hypotheken bemerkbar machen wird. Das britische Bauwesen dürfte daher auch in den kommenden Monaten mit einer geringeren Nachfrage zu kämpfen haben.

Die Inflation wirkt sich direkt auf den Bau aus. Nennenswert sind hier vor allem die gestiegenen Kosten für Energie und Rohstoffe. Mit den unterbrochenen Lieferketten, dem Krieg in der Ukraine und der hohen Geldmenge im Umlauf verteuern sich für den Bau unverzichtbare Ressourcen, was Projekte teurer und damit unattraktiv für potenzielle Käufer:innen macht.

Was bringt die Zukunft für die Baubranche in Großbritannien?

Die Zukunft des britischen Bauwesens hängt von vielen Faktoren ab, einschließlich der politischen Landschaft, der Wirtschaft und des technologischen Fortschritts. Im Allgemeinen wird erwartet, dass es in den kommenden Jahren weiterhin eine Nachfrage nach neuen Wohn- und Gewerbeimmobilien geben wird, insbesondere in wachsenden Städten. Es wird auch erwartet, dass die Nachhaltigkeit und Energieeffizienz eine immer größere Rolle in der Planung und Umsetzung von Bauprojekten spielen werden. Der Einsatz von modernen Technologien wie BIM und 3D-Druck kann dazu beitragen, Bauprozesse zu optimieren und Kosten zu senken.

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Bleibt die Nachfrage beständig?

Die Nachfrage nach Wohnraum in Großbritannien wird in den kommenden Jahren weiter steigen, insbesondere in urbanen Gebieten. Eine wachsende Bevölkerung, ein Anstieg des Durchschnittsalters und eine höhere Lebenserwartung werden ebenfalls dazu beitragen, die Nachfrage nach Wohnraum ansteigen zu lassen.

Zudem wird die Nachfrage nach Wohnraum durch die Veränderung im Eigentumsverhalten der Britinnen und Briten beeinflusst. Das Vereinigte Königreich gilt als Land der Eigenheimbesitzer:innen. Mit einer Eigenheimquote von über 60 Prozent liegt Großbritannien über Deutschland, Österreich und der Schweiz. Allerdings nimmt das Wohneigentum beständig ab. Auch in Zukunft dürfte sich dieser Trend weiter fortsetzen. Besonders im urbanen Raum wird der Hauskauf immer mehr zum Randphänomen.

Ein weiteres wichtiges Thema, das die Nachfrage nach Wohnraum beeinflussen wird, ist die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Die steigenden Preise für Wohnraum in urbanen Gebieten haben dazu geführt, dass immer mehr Menschen Schwierigkeiten haben, sich eine angemessene Unterkunft leisten zu können. Mit der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum könnte der Nachfrage in Zukunft entgegengekommen werden.

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Urbanisierung Großbritanniens

In den kommenden Jahren dürfte die Urbanisierung in Großbritannien weiter voranschreiten. Immer mehr Menschen ziehen in Städte wie London, Manchester oder Liverpool, um in den Bereichen Bildung, Arbeit und Freizeit von besseren Möglichkeiten zu profitieren. Dies wird zu einem Anstieg der Nachfrage nach Wohnraum in urbanen Gebieten führen, was wiederum Auswirkungen auf die britische Baubranche hat.

Die Baubranche wird sich auf die Schaffung von Wohnraum in urbanen Gebieten konzentrieren müssen, um dieser Nachfrage gerecht zu werden. Dies wird sowohl bei Neubauprojekten als auch bei der Sanierung von bestehenden Gebäuden der Fall sein. Experten und Expertinnen erwarten, dass die britische Regierung ihre Unterstützung für die Schaffung von Wohnraum in urbanen Gebieten erhöhen wird, um die Nachfrage zu befriedigen.

Ein weiterer Aspekt der Urbanisierung, der Auswirkungen auf die Baubranche haben wird, ist die Notwendigkeit, die Infrastruktur in Städten zu verbessern, um mit dem Anstieg der Bevölkerung und dem erhöhten Verkehrsaufkommen Schritt halten zu können.

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Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung

45 Prozent des gesamten Treibhausgas-Ausstoßes im Vereinigten Königreiches stammt von Baustellen oder gebauten Objekten und Infrastruktur. Im Kampf gegen den globalen Klimawandel hat es sich Großbritannien zum Ziel gesetzt, den Ausstoß von CO₂ und anderen Treibhausgasen zu reduzieren. Bis in das Jahr 2050 möchte das Land sogar Co2-neutral werden. Dabei ist es unverzichtbar, das Bauwesen in dieses Vorhaben einzubeziehen. Für die Branche hat diese Medaille allerdings zwei Seiten. Zum einen möchte auch sie umweltfreundlicher arbeiten, Ressourcen sparen und weniger Treibhausgase ausstoßen. Allerdings haben neue Maßnahmen, Regulierungen und Vorschriften auch ihre Kosten. In einer Zeit, in der das britische Bauwesen ohnehin schon angeschlagen ist, stellt die Nachhaltigkeit eine weitere Herausforderung dar, die es zu meistern gilt.

Auf mittel- bis langfristige Sicht führt allerdings kein Weg daran vorbei, Bauaktivitäten und Gebäude nachhaltiger, sauberer und umweltverträglicher zu gestalten. Mit Projekten wie CO2nstruct Zero möchte Großbritannien die Co2-Neutralität erreichen und das Bauwesen der Zukunft umgestalten. Grüne Gebäude sollen die Bauaktivität in Zukunft dominieren und sowohl beim Bau als auch im Betrieb Ressourcen sparen. Unabhängig vom Brexit und der Pandemie ist der Übergang hin zu einer umweltfreundlichen Baubranche eine der größten Herausforderungen im britischen Bauwesen der Zukunft. Die Bemühungen haben schon heute begonnen. Um die gesetzten Ziele in der vorgesehenen Zeit zu erreichen, wird jedoch noch einiges mehr nötig sein.

LESETIPP: Nachhaltiges Bauen: Alle Fakten

Neue Technologien revolutionieren das Bauwesen

In Zukunft werden neue Technologien das Bauwesen im Vereinigten Königreich in vielerlei Hinsicht verändern. Eine der zentralen Entwicklungen wird die zunehmende Verwendung von Building Information Modelling (BIM) sein. BIM ist eine Methode zur digitalen Planung, Konstruktion und Verwaltung von Gebäuden, bei der Informationen in einem gemeinsamen digitalen Modell gesammelt werden.

Diese Methode ermöglicht es, dass alle Beteiligten an einem Projekt, wie Architekturschaffende, Ingenieur:innen, Bauunternehmer:innen, etc. auf dieselben Informationen zugreifen und sie miteinander teilen können. Dadurch wird die Kommunikation verbessert und es wird einfacher, Probleme frühzeitig zu erkennen und zu lösen. BIM wird auch dazu beitragen, dass Projekte schneller abgeschlossen werden, da die Planungszeit verkürzt wird und die Möglichkeiten der Simulation und Visualisierung verbessert werden.

Ein weiterer Aspekt ist die Verwendung von intelligenten Technologien in Bauwerken. Dazu gehören beispielsweise sensorbasierte Systeme zur Überwachung der Energieeffizienz, die automatisch Anpassungen vornehmen, um den Energieverbrauch zu optimieren. Auch die Verwendung von 3D-Drucktechnologien, die es erlaubt, Gebäudeteile schneller und kosteneffizienter herzustellen, nimmt stetig zu.

LESETIPP: BIM im Ländervergleich: Wer führt bei der Nutzung in Europa?

Zukunft der Baubranche Großbritanniens: Fazit

Das Vereinigte Königreich hatte in letzter Zeit zahlreiche Herausforderungen zu meistern. Dabei wurde auch das britische Bauwesen in Mitleidenschaft gezogen. Besonders starke Auswirkungen hat der Brexit und der daraus resultierende Fachkräftemangel. Für europäische Architekturschaffende, Bauarbeiter:innen etc. wird es mit dem Brexit schwieriger und weniger attraktiv, in Großbritannien zu arbeiten. Viele Ausländer:innen sahen sich gezwungen, das Land zu verlassen bzw. gar nicht erst einzureisen.

Neben dem Brexit hat auch Covid seine Spuren hinterlassen. Unterbrochene Lieferketten und eine Abnahme der Bautätigkeit waren die Folge. Mit den notwendigen Covid-Hilfen wurde zudem die Geldmenge erhöht, was die hohe Inflation angestoßen hat. Mit dem Krieg in der Ukraine und den dadurch ansteigenden Energiekosten hat die Entwertung des britischen Pfundes nochmals stark zugenommen. Im Oktober 2022 erreichte die Inflation im Vereinigten Königreich mit 11,1 Prozent seinen Höchststand. Um der Inflation entgegenzuwirken, hat die Bank of England, die Zentralbank des Landes, den Leitzins mehrfach erhöht. Damit verteuert sich die Aufnahme von Fremdkapital wie Hypotheken, wodurch die Nachfrage nach neuen Gebäuden und Renovationen abnimmt.

Wie also wird sich das Bauwesen im Vereinigten Königreich zukünftig entwickeln und durch welche Faktoren werden diese Entwicklungen angetrieben werden? Ein Faktor dürfte die Zunahme der Nachfrage sein, welche zu einem großen Teil von der Urbanisierung des Landes getrieben wird. Ebenfalls von zunehmender Bedeutung für das britische Bauwesen der Zukunft ist die Nachhaltigkeit. Um die Klimaziele zu erreichen, muss Großbritannien immer mehr auf nachhaltiges Bauen und grüne Gebäude setzen. Dies wird eine Herausforderung sein, welche die Branche in Zukunft prägen wird.

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