Die Urbanisierung ist ein weltweites Phänomen. Seit der Industriellen Revolution ziehen immer mehr Leute vom Land in die Stadt. Doch die Geschichte der Städte ist um Jahrtausende älter als dieses Phänomen. Städte sind seit der Antike ein Ort der menschlichen Entwicklung und des Wohlstands, einschließlich Werkstätten, Fabriken, Schulen und Museen.
Es gibt einen Grund, warum Länder wie die Volksrepublik China große Anstrengungen unternehmen, um Millionen von Landbewohner:innen in Stadtbewohner:innen umzuwandeln. Mit der Industrialisierung in Japan, Europa und in Nordamerika begann weltweit die Urbanisierung, die Ausbreitung des urbanen Lebensstils. Seit den 1950er-Jahren hat sich dieser Prozess in Entwicklungs- und Schwellenländern immer mehr durchgesetzt. Die Entstehung von Ballungsräumen und die zunehmende Urbanisierung bringen den Planeten jedoch an seine Belastungsgrenzen.

Der Ball liegt nun bei der Stadtplanung sowie bei der Bau- und Immobilienwirtschaft. Sie müssen Lösungen finden, dass die Urbanisierung ihre Grenzen nicht überschreitet. Damit ein nachhaltiges und friedliches Zusammenleben im urbanen Raum möglich ist, sind intelligente Konzepte gefragt.

Welche Ansätze verfolgt werden und vieles mehr, was es zum Thema der globalen Urbanisierung zu wissen gibt, erfahren Sie in diesem Beitrag.


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Was ist Urbanisierung?

Unter dem Begriff der Urbanisierung können sich viele Leute etwas vorstellen. Doch was genau ist die Urbanisierung wirklich? Das Phänomen der Urbanisierung bezieht sich auf den Prozess des städtischen Bevölkerungswachstums und auf die Erweiterung von Städten. Dieser Prozess dauert seit Beginn der Industrialisierung an. Anfang des 21. Jahrhunderts wurde die globale Urbanisierung durch demografische Entwicklungen von Schwellen- und Entwicklungsländern weiter beschleunigt. Wie auch in den sich industrialisierenden Kontinenten Europa und Nordamerika wird die Industrialisierung im Globalen Süden durch verschiedene Auslöser wie Armut, Perspektivlosigkeit, Arbeitsmöglichkeiten, Bildung, Hoffnung auf ein besseres Leben und teilweise großflächiger Landflucht angetrieben.

Mit aktuellem Stand gibt es weltweit bereits 34 Metropolregionen mit über 10 Millionen Einwohnern. Besonders rasant ist die Verstädterung auf dem indischen Subkontinent, in (Süd-) Ostasien und in Teilen Afrikas. Fast 10 Prozent der Weltbevölkerung leben auf weniger als 1/1.000 der Erdoberfläche. Heute gibt es mehr als 500 Millionenstädte mit insgesamt rund 1,6 Milliarden Einwohner:innen. Vor gut 20 Jahren, zu Beginn der 1980er waren es lediglich 4 Megacitys mit über 10 Millionen Einwohnern, heute sind es über 50, angeführt von der japanischen Hauptstadt Tokio, dessen Ballungsraum mehr als 37 Millionen Einwohner umfasst.

Ein weiterer Begriff, der oft mit der Urbanisierung gleichgesetzt wird, ist die Metropolisierung. Diese bezeichnet denselben Prozess wie die Urbanisierung, berücksichtigt aber stärker die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Gründe und Auswirkungen des Phänomens.

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Der urbane Raum nimmt weltweit zu

Die wachsende Weltbevölkerung hat Folgen. Gemäß den Vereinten Nationen leben bis 2050 etwa zwei Drittel der weltweit fast 10 Milliarden Menschen im urbanen Raum. Japan wird weltweit den Spitzenplatz im Punkt Urbanisierungsrate behalten. Bereits heute leben 9 von 10 Personen in diesem ostasiatischen Land in Gebieten, die als urbaner Raum eingestuft werden können. Derzeit liegen die entwickelten Länder in Bezug auf den Grad der Urbanisierung deutlich vor den Schwellen- und Drittweltländern. Aber in Zukunft wird der größte Teil des Städtewachstums in Entwicklungsländern in Asien, Afrika und Lateinamerika stattfinden, wobei Nigeria, Indien und China den größten Anteil haben werden. Infolgedessen entstehen weitere Megastädte mit mehr als 10 Millionen Einwohnern. Bis 2030 sollen es weltweit bereits über 40 sein.

Eines ist sicher: Die Urbanisierung wird die Welt in den kommenden Jahrzehnten rasant prägen. Während die Urbanisierung im Globalen Süden weiter ansteigt, führt uns die Entwicklung Japans vor, was uns über die nächsten Jahrzehnte im Westen erwarten könnte. Japans demografischer Wandel ist bereits weiter fortgeschritten als bei uns in Europa. Die Bevölkerungspyramide Japans ist die einzige, die sich in Warren S. Thompsons 4-Phasenmodell in der vierten und damit in der letzten Phase befindet.

4-phasiges Modell von Thompson

4-phasiges Modell von Thompson

Konkret bedeutet das, dass Japans Bevölkerung überaltert und dass das Total aus Sterbe- und Abwanderungsrate höher ist als die Geburtenrate und die Zuwanderung zusammen. Unter dem Strich nimmt die Bevölkerungszahl in Japan also ab. Als Folge schreitet die Urbanisierung immer langsamer voran. Hier liegt der Fokus zukünftig vor allem auf der Optimierung bestehender Strukturen vor dem Hintergrund einer zunehmend vernetzten und alternden Gesellschaft.

Was sind die Gründe der Urbanisierung?

Die globale Urbanisierung hat die unterschiedlichsten Gründe. Oftmals spielen individuelle und lokale Faktoren eine zentrale Rolle. Grob gesagt kann man die Gründe, weshalb Menschen vom Land in die Stadt ziehen, in Push- und Pull-Faktoren unterteilen. Push-Faktoren sind Ursachen, welche die ländliche Bevölkerung vom Land wegtreibt. Pull-Faktoren hingegen sind Vorteile der Städte, welche die Leute anzieht. Anders ausgedrückt sind die Push-Faktoren der Urbanisierung, also die Nachteile auf dem Land, während die Pull-Faktoren die Vorteile der Stadt sind.

Oftmals überschneiden sich Push- und Pull-Faktoren. Ein Push-Faktor der Urbanisierung ist zum Beispiel der Mangel an Ausbildungsmöglichkeiten auf dem Land, während das breite Angebot an Ausbildungsmöglichkeiten in der Stadt ein Pull-Faktor ist. Zu den wichtigsten Push-Faktoren der Urbanisierung gehören Armut, Perspektivlosigkeit, wenig Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten, niedriges Lohnniveau, schlechte Infrastruktur und soziale Isolation. Als zentrale Pull-Faktoren gelten wiederum die vielfältigen Berufs- und Ausbildungsmöglichkeiten, höhere Löhne, das kulturelle Angebot, eine ausgebaute Infrastruktur, das soziale Umfeld und die Familienplanung.

In manchen Großstädten sehen wir das Phänomen der De-Urbanisierung. Diese trifft ein, wenn die urbane Bevölkerung, in der Regel aufgrund der hohen Immobilienpreise, aufs Land abwandert. Kehrt sich der Trend von der De-Urbanisierung wieder zurück in die Urbanisierung um, spricht man von Reurbanisierung.

Wiener Linien Sticker bittet Nutzer, ihren Platz älteren oder behinderten Personen zu überlassen

Was sind die Hintergründe der Urbanisierung in Deutschland?

Das Prinzip der Push- und Pull-Faktoren trifft auch auf Deutschland zu. Im Gegensatz zu vielen Entwicklungs- und Schwellenländern ist die Urbanisierung in Deutschland heutzutage allerdings nicht von existenzieller Armut getrieben. Im Vordergrund stehen individuelle Möglichkeiten, das private und berufliche Leben zu optimieren. Städte werden also bewohnt, da sie interessante Ausbildungen und Karriere-Möglichkeiten bieten oder da die Stadt einen guten Ruf genießt und ein breites kulturelles Angebot bietet.

Seinen Anfang fand die Urbanisierung in Deutschland mit der sich aus Großbritannien her ausbreitenden Industrialisierung Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Medizin und die Forschung erzielten enorme Fortschritte, weshalb die Leute länger lebten und die Bevölkerung stark gewachsen ist. Erfindungen wie der automatische Webstuhl, die Dampfmaschine und die Eisenbahn revolutionierten die Wirtschaft der Gebiete der heutigen Bundesrepublik Deutschland. Aus Kleinbauer:innen und Heimarbeiter:innen wurden Fabrikarbeiter:innen, die zu hunderten oder sogar zu tausenden am gleichen Ort arbeiteten. Viele zogen vom Land in die Arbeitersiedlungen rund um die Fabriken. Auch die wohlhabenden Leute zog es zunehmend in die Nähe der großen Städte, wo sich das gesellschaftliche und das wirtschaftliche Leben der Oberschicht abspielte.

Gleiche Entwicklungen fanden im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts auf großen Teilen des europäischen und des nordamerikanischen Kontinents statt. Ähnliche Prozesse sehen wir bis heute in Lateinamerika, Asien und in einigen Gebieten Afrikas.

Die Folgen der Urbanisierung

Die Folgen der Urbanisierung sind vielfältig. Betrachten wir sie am Beispiel von Lagos: Nigerias größte Stadt Lagos hat bereits 21 Millionen Einwohner. Bis 2050 wird diese Zahl voraussichtlich auf über 32 Millionen steigen. In diesem Zusammenhang ist das folgende Denkspiel interessant. Im Durchschnitt isst jede:r Nigerianer:in 33 Kilogramm Reis pro Jahr. Angesichts des prognostizierten Bevölkerungswachstums werden allein die Bewohner von Lagos bis Mitte des aktuellen Jahrhunderts mehr als eine Million Tonnen Reis pro Jahr verbrauchen.
Mit der fortschreitenden Urbanisierung der Region stellt sich die Frage, wie die Stadt Lagos die Versorgung ihrer Bewohner:innen in den kommenden Jahrzehnten sicherstellen kann. Denn mit der Urbanisierung verschwinden immer mehr Böden und potenzielle Ackerflächen unter Beton. Etwa fünf Prozent des weltweit verfügbaren Landes ist bebaut. Versiegelte Bereiche bereiten zusätzliche Probleme. Zum Beispiel fließt nach Regen weniger Wasser ab und Straßen und Keller sind von Überschwemmungen bedroht. Durch eine durchdachte Planung und eine nachhaltigere Lebensweise der Menschen können diese und andere negative Auswirkungen abgemildert werden. Dies wird deutlich, wenn man die Städte Atlanta und Barcelona vergleicht. 2,5 Millionen und 2,8 Millionen, etwa gleich viele Einwohner. Atlanta erstreckt sich aufgrund der in Nordamerika üblichen massiven Suburbanisierung über eine Fläche von 4280 km². In Barcelona wurden nur 162 km² gebaut.

Dies hat große Auswirkungen auf den CO₂-Ausstoß. Während der bzw. die durchschnittliche Bürger:in der Stadt Barcelona rund 0,7 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr ausstößt, wenn sie öffentliche oder private Verkehrsmittel innerhalb der Stadt nutzt, stoßen die Einwohner:innen von Atlanta im Durchschnitt die 10-fache Menge an Kohlendioxid aus. Doch selbst wenn Maßnahmen wie urbane Landwirtschaft und der Wechsel von SUVs zu Stadtbussen einige der oben genannten Probleme verbessern, dürften die Umweltbelastungen durch die Urbanisierung in den kommenden Jahren deutlich zunehmen.

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Umweltbelastung nimmt zu

Unser Planet droht an seine Kapazitätsgrenzen zu stoßen. Die Urbanisierung ist hierbei ein nicht zu unterschätzender Faktor. Außerdem holen uns Versäumnisse aus der Vergangenheit ein. In den kommenden Jahrzehnten werden sich die Klimazonen verändern. Anhaltende Hitzewellen machen vielen Städten das Leben schwer. Es drohen weitere Dürren, und es bedarf einer engen Zusammenarbeit zwischen städtischen und ländlichen Gebieten, damit die negativen Auswirkungen gemildert werden können. Darüber hinaus werden aufgrund der globalen Erwärmung bis 2050 fast eine Milliarde Menschen stark vom Anstieg des Meeresspiegels betroffen sein. Verschiedene Szenarien sind unterschiedlich, aber selbst im besten Fall stehen Küstenstädte auf der ganzen Welt vor ernsthaften Problemen.

Ein Beispiel dafür ist Miami, gebaut auf porösem Kalkstein. Wenn der Meeresspiegel steigt, macht es keinen Sinn, Küsten-Barrieren zu bauen. Mit Jakarta steht eine weitere Metropole vor einer ungewissen Zukunft. Der Untergrund der indonesischen Hauptstadt, dessen Metropolregion über 34 Millionen Einwohner:innen zählt, hat sich in den letzten zehn Jahren um bis zu 2,5 Meter verringert. Berechnungen zeigen, dass bis 2050 etwa 95 Prozent der Stadt im Meer versunken sein wird. Entwicklungen, die Anlass zur Sorge geben. Grund genug für die indonesische Regierung, die Verlegung der Hauptstadt in andere Landesteile zu planen. Von Tokio bis Norddeutschland betrifft diese Entwicklung nicht nur die Menschen und ihr Eigentum, sondern auch die lokale Infrastruktur. Was passiert mit Fabriken, Flughäfen, U-Bahn-Tunneln, Ackerland und Abwasserkanälen, wenn Überschwemmungen kommen?

Bauer mit Gummistiefen in ausgetrocknetem Maisfeld

Was ist der Unterschied zwischen Urbanisierung und Verstädterung?

Die Begriffe der Urbanisierung und der Verstädterung werden oftmals als Synonyme verwendet. Allerdings ist die Verstädterung nicht das gleiche wie die Urbanisierung. Mit der Verstädterung wird die Ausdehnung und das Wachstum von Städten bezeichnet. Mit dem Verstädterungsgrad wird angegeben, welcher Anteil der Fläche in einem Land oder einer bestimmten geografischen Region städtisch bebaut ist. Damit liefert die Verstädterung Daten für Statistiken, beschäftigt sich aber nicht mit den sozialen, politischen, ökologischen und ökonomischen Ursachen und Folgen der zunehmenden städtischen Bevölkerung.

Bei der Urbanisierung geht es darum, wie sich urbane Lebens- und Verhaltensweisen ausbreiten. Dies betrifft sowohl die Freizeit- als auch die Arbeitswelt. Typisch für Städte ist, dass die Einwohner in der Industrie und zunehmend im Dienstleistungssektor arbeiten. Und die Lebensweise drückt sich vor allem darin aus, dass sich die bauliche Struktur verändert.

Urbane Lebensqualität

Die Städte der Zukunft müssen sich nicht nur an ökonomischen und ökologischen Fragen orientieren, sondern auch an den Bedürfnissen der Stadtbevölkerung. Soziale Gerechtigkeit, Sicherheit, Inklusion und freie Entfaltungsmöglichkeiten für alle sind Grundvoraussetzungen für einen funktionierenden urbanen Raum. Dazu gehören gut ausgebaute öffentliche Verkehrsnetze und soziale Dienstleistungen für alle Bewohner:innen. Darüber hinaus müssen Probleme wie die Segregation, die räumliche Trennung sozialer Gruppen innerhalb von Städten angegangen werden. Seit dem 19. Jahrhundert forderten die Bürger:innen urbaner Räume in den heutigen Industrieländern zudem ein Mitspracherecht bei der Gestaltung physischer und sozialer Aspekte urbaner Lebensräume. Ein Großteil der Anforderungen kann mit proaktiver und partizipativer Politik und Stadtplanung bewältigt werden. Die Lösung einiger urbaner Probleme erfordert jedoch auch den Einsatz technologischer Mittel.

  • Der Bau und die Bewirtschaftung von Gebäuden sind für rund 40 Prozent des globalen Energieverbrauchs und 33 Prozent der ausgestoßenen Treibhausgase verantwortlich. Green Building, also nachhaltiges Planen und Bauen, schont Ressourcen durch den Einsatz von Recyclingmaterialien. Ein weiterer Fokus des Gebäudes liegt auf der Verbesserung der Energieeffizienz. Gleichzeitig wird der Anteil der Baustoffe, die auf Deponien landen, reduziert.
  • Intelligente Oberflächen erzeugen Energie und grüne Fassaden reduzieren die Temperatur. Der Einsatz neuer Materialien und Designs wirkt sich positiv auf das Stadtleben aus und kommt der Umwelt zugute.
  • Nachhaltige Verdichtung urbaner Gebiete, modulares Bauen oder Micro-Housing nutzt den verfügbaren Raum in Städten besser aus. Das japanische Beispiel zeigt, wie kleine Räume optimal ausgefüllt werden können. Effekt: Es müssen weniger Flächen für den Bau umgewidmet werden und Naturräume, insbesondere am Stadtrand, werden weniger von der Urbanisierung betroffen sein.
  • Auch die Digitalisierung von Prozessen in der Bau- und Immobilienwirtschaft garantiert eine Effizienzsteigerung. Bauprojekte können schneller, kostengünstiger und in besserer Qualität durchgeführt werden.

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Wie ist der aktuelle Stand der Urbanisierung in Deutschland?

Als Industrienation hat das Wachstum der Urbanisierung in Deutschland seinen Zenit überschritten. Zwar nimmt die Bevölkerung vieler deutscher Städte weiterhin zu. Allerdings ist das Wachstum um einiges tiefer als noch vor 50 bis 100 Jahren. Die Geburtenrate ist seit Mitte der 60er-Jahre von über 2,5 Kindern pro Frau auf rund 1,5 Kinder pro Frau gesunken. Zudem nimmt die Abwanderung auch in deutschen Städten zu, was vor allem an den hohen Mieten und den modernen Arbeitsmodellen liegt. Die Zuwanderung aus dem Ausland gleicht die Situation zwar etwas aus, es ist aber nur eine Frage der Zeit, wann Deutschlands Urbanisierung, in abgeschwächter Form, dem Modell Japans folgen wird.

Der Verstädterungsgrad der Bundesrepublik Deutschland liegt mit Stand 2022 bei knapp 78 Prozent. Deutschland liegt damit weltweit im oberen Drittel. Schließt man Stadt-Staaten wie Monaco, San Marino, Gibraltar oder Vatikanstadt aus, befindet sich Belgien im europäischen Vergleich auf dem ersten Platz. Auch Staaten wie Frankreich, Spanien, die Niederlande oder Finnland haben einen höheren Verstädterungsgrad als Deutschland. Im DACH Raum belegt Deutschland allerdings den ersten Platz, gefolgt mit der Schweiz mit einer Verstädterung von 74 Prozent und Österreich mit 59 Prozent.

»Smart Grid«, Green Deal & Klimaneutralität: Wie deutsche Städte berechenbarer werden

Sind die Städte der Zukunft vorhersehbar? Exakt! Das sogenannte „Smart Grid“ ist eine Vision der nahen Zukunft, die durch datengetriebenes Wissen eine bessere Steuerung urbaner Systeme ermöglichen wird. Es basiert auf Messungen von Bewohner-Bewegungs- Strömen, Energieverbrauch und Nutzerverhalten und trägt zu einer deutlichen Optimierung der städtischen Infrastruktur im Sinne einer intelligenten Verteilung überschüssiger Energie in einem „Smart Grid“ bei.

Dieses innovative und intelligente Stromnetz wird beispielsweise bereits in der deutschen Gemeinde Wildpoldsried im schwäbischen Oberallgäu eingesetzt. Themen wie Smart Energy Use oder Klimaschutz hat Deutschland weitere Vorreiterstädte im Hinblick auf die Klimaneutralität. So beteiligt sich die Stadt Regensburg seit 2021 aktiv am European Green Deal, einem EU-weiten Projekt mit dem Ziel, die Nettoemissionen zu reduzieren. Null Treibhausgase bis 2050. Als starkes Wirtschaftszentrum hat sich die Stadt zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen bis 2035 um 60 Prozent zu reduzieren und die gesamte Stadt klimaneutral zu machen. In Zusammenarbeit mit der Energieagentur, die die Gesamtprojektleitung übernehmen wird, setzt die Stadt Regensburg auf nachwachsende Rohstoffe, insbesondere aus Sonnen- und Windenergie sowie Energie aus lokal produziertem grünem Wasserstoff.

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Urbanisierung: Fazit

Das weltweite Phänomen der Urbanisierung zieht seit Ende des 18., bzw. seit Anfang des 19. Jahrhunderts ganze Bevölkerungsmassen von den ländlichen Gebieten in die Städte. Der Trend begann sich in Großbritannien mit der Industrialisierung abzuzeichnen und verbreitete sich rasant über Europa und Nordamerika. Wie auch die Industrialisierung ist die Urbanisierung ein fortlaufender globaler Prozess, der nach wie vor im Gange ist.

In den meisten westlichen Staaten und in Japan hat das Wachstum der Urbanisierung seinen Zenit erreicht. Hier liegt die Aufgabe von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik darin, den urbanen Raum sozial- und umweltverträglicher zu gestalten und sich smarten Lösungen gegenüber zu öffnen. In vielen Schwellen- und Entwicklungsländern nimmt die Urbanisierung aber erst richtig Fahrt auf. Wie im Europa des 19. Jahrhunderts fehlt es hier oftmals an Koordination und Regulierungen, was zu zahlreichen Problemen wie Diskriminierung, Umweltverschmutzung, Platznot und Segregation führt. Auch hier gilt es daher, Lösungsansätze zu finden und diese aktiv umzusetzen.