Immobilienmarkt in Australien

„Down Under“ hat es gut. Wirtschaftlich stabil und weit entfernt von den Konfliktregionen dieser Welt konnte sich das Land in den letzten Jahrzehnten hervorragend entwickeln. Das spiegelte sich auch am Immobilienmarkt in Australien wider. Immobilien in Australien stiegen im Wert enorm an. Doch der Aufschwung legt nach den letzten Boomjahren zurzeit eine Pause ein. Wie stehen die Zeichen, ob sich der positive Trend 2020 und darüber hinaus fortsetzt?

Flagge von Australien

Erfolgsgeschichte

Australien ist Rekordhalter: Seit Anfang der 1990er Jahre herrscht im Land ein durchgehend anhaltender Wirtschaftsboom, der erst in den letzten Monaten etwas ins Stocken geriet. Die Gründe für die positive Entwicklung sind vielfältig. Als Gründungsmitglied der Wirtschaftsgemeinschaft APEC (Asia-Pacific Economic Cooperation) verfolgte die Nation in den letzten drei Jahrzehnten eine stark exportorientierte Entwicklung ihrer Wirtschaft, von der die Bevölkerung profitierte. Reformen wie die Privatisierung von Staatsbetrieben, Lockerungen im Kündigungsschutz und die Deregulierung des Finanzsektors trieben das Wachstum weiter voran. 2000 führte Australien die Olympischen Sommerspiele durch. Die damit einhergehenden Investitionen in die Infrastruktur waren die Initialzündung für einen Bauboom, wie ihn das Land noch nie erlebt hatte.

Die Ausrichtung auf die Bedürfnisse des Weltmarktes führte Anfang der 2000er zu einer immer engeren Zusammenarbeit mit anderen Anrainerstaaten des Pazifiks. Dazu zählte auch die Volksrepublik China. Als aufstrebende Wirtschaftsmacht war diese sehr an den zahlreichen australischen Rohstoffen interessiert – etwa, um den Hunger des eigenen Immobilienmarktes zu stillen. Während Erze und Erdgas in alle Welt verschifft wurden, flossen ausländische Investitionen in das Land. Geld, das der australischen Bevölkerung, aber auch der australischen Immobilienwirtschaft zugutekam.

Immobilien in Australien profitieren vom Wirtschaftsboom

In Folge der Globalisierung eröffnete eine wachsende Anzahl internationaler Unternehmen nach der Jahrtausendwende Büros in den Metropolen Sydney, Brisbane und Melbourne. Mit ihnen kamen ausländische Arbeitskräfte, was in Konsequenz zu mehr Konkurrenz am Immobilienmarkt sorgte. Denn durch den steigenden Wohlstand zog es auch unter den Einheimischen mehr Menschen in die urbanen Regionen des Landes.

Hinzu kommt Immigration. Australien verfügt über sehr strenge Bestimmungen zur Einwanderung – nur hochqualifizierte und am Arbeitsmarkt benötigte Arbeitskräfte haben eine Chance auf die begehrte Aufenthaltsgenehmigung. Trotz der strengen Auflagen wuchs das Land zuletzt um rund 190.000 Personen pro Jahr. Auch das machte sich im Immobiliensektor bemerkbar, denn Immobilien in Australien steigen rasant im Wert. Betroffen waren insbesondere die Städte, wo sich die Neubürger die größten Chancen auf einen Arbeitsplatz ausrechnen. Ein weiterer Faktor, der die Preise von Häusern und Wohnungen nach oben drückte: Ausländische Investments in australische Objekte. Großartige Strände und eine hohe Lebensqualität – vor allem reiche Asiaten erkoren das wirtschaftlich und politisch stabile Australien als beliebten Zweitwohnsitz aus.

Wohngegend vor Skyline von Sydney

Immobilienblase in Down Under

Das Resultat: Insbesondere seit der Jahrtausendwende stiegen die Immobilienpreise in Sydney und anderen Großstädten rasant an. Anfang der 1990er lag der Preis für das durchschnittliche Eigenheim in Sydney noch bei rund 100.000 Euro. Inzwischen wechselt eine durchschnittliche Immobilie für mehr als 500.000 Euro den Besitzer oder die Besitzerin. So verwundert es auch nicht, dass viele Analysten in den letzten zwei Jahrzehnten in Australien eine Immobilienblase im Entstehen sahen. Schon mehrmals schien es so, als ob diese Blase platzen würde. Zum Beispiel in Folge der Finanzkrise 2008/09. Doch das Land überstand die Krise, ohne großen Schaden zu nehmen und nach einer kurzen Abkühlung nahmen die Immobilienpreise in Australien wieder volle Fahrt auf. Trotzdem gilt aber auch: Kein Aufschwung hält ewig an.

Verschnaufpause oder Beginn eines Abschwungs?

Mit dem Nachlassen des Wirtschaftswachstums erfolgte am Immobilienmarkt 2018/19 vor allem in den Großstädten eine Trendumkehr. Die nachlassenden Preise haben noch weitere Gründe:

  • Vor dem Hintergrund des sich verschlechternden wirtschaftlichen Klimas wurden Banken bei der Vergabe von Krediten restriktiver. Einheimische Käufer verloren in Folge das Interesse und warten auf einen günstigeren Zeitpunkt zur Anschaffung einer Immobilie.
  • Mit dem Aufschwung Chinas stieg auch das Interesse von Investoren aus dem Reich der Mitte an australischen Immobilien. Doch zuletzt bremste sich nach den Boomjahren auch dort das Wirtschaftswachstum ein – mit der Folge, dass die Zahl der chinesischen Käufer 2019 um rund 60% zurück
  • Jahrzehntelang war der Bedarf an neuen Immobilien in Australien ungebrochen. Da der Markt bislang keine Grenzen zu haben schien, wuchs auch die Zahl der Neubauten stetig. Mit dem Nachlassen der Konjunktur und dem Ausbleiben der Käufer herrschte Anfang 2019 ein Überangebot an Immobilien. Allein in Sydney wurden in den letzten Monaten 80.000 neue Wohneinheiten errichtet, die nun weniger Interessenten vorfinden.
  • Rund 1/3 der Käufer sind Investoren, die sich Objekte in Down Under mit der Erwartung zulegen, dass der Wert der Gebäude weiter steigt. Fallen die Preise, verlieren Investoren das Interesse.

 

Im australischen Immobiliensektor stellen sich nun viele die Frage, wie es weiter geht. Handelt es sich nur um einen kurzen Zwischenstopp, bevor die Preise wieder rasante Zuwächse verzeichnen? Oder steht der Markt vor einem nachhaltigen Abschwung? Kritiker sprechen davon, dass das Land durch seinen anhaltenden Erfolg träge geworden sei. Die Politik habe wichtige Investitionen – zum Beispiel in den Bereichen Infrastruktur oder erneuerbarer Energien – verabsäumt. Das nährt Befürchtungen, dass auf die australische Wirtschaft in Zukunft härtere Zeiten zukommen werden. Das ist nicht ganz unbegründet: In den letzten Jahren gab es immer wieder Probleme bei der Stromversorgung. Verstimmungen in der Bevölkerung und bei der Industrie waren die Folge.

Surfer in Australien auf türkisem Meer Luftaufnahme

Vorsichtiger Optimismus

Am Immobilienmarkt mehren sich indes die Zeichen, dass es bald wieder aufwärts gehen könnte. Entgegen den ursprünglichen Annahmen fiel der Preisabschwung bei Immobilien in Down Under mit 10-15% innerhalb der letzten 12 Monate weniger stark aus, als zunächst befürchtet. Eine wachsende Zahl von Analysten und Immobilienexperten denkt, dass der Tiefpunkt bald erreicht sein könnte. So wird erwartet, dass die Preise für den Rest des Jahres 2019 nur mehr wenig nachgeben. Für 2020 und in den folgenden Jahren wird wieder ein durchschnittliches Wachstum bei den Immobilienpreisen in Sydney & Co. erwartet. Die Gründe: Das Wirtschaftswachstum hat zwar spürbar nachgelassen, fällt aber nach wie vor moderat aus. Zudem wird das Überangebot am Markt langsam abgebaut. Da die australische Bevölkerung jährlich um zehntausende wächst, bleibt der Bedarf an Wohnraum weiter auf einem hohen Niveau. Abseits der großen Metropolen sieht die Situation bereits vielversprechend aus. So verzeichnen etwa die australische Hauptstadt Canberra und Hobart in Tasmanien bei den Preisen positive Zuwachsraten.

Was die positive Erwartungshaltung jedoch trüben könnte: Die zukünftige Entwicklung der Weltwirtschaft. Durch den stark exportorientierten Kurs ist Australien sehr davon abhängig, wie sich die Nachfrage aus dem Ausland entwickelt. Folgt auf globaler Eben ein Abschwung, der die wichtigsten Handelspartner USA, Japan und China in Mitleidenschaft zieht, wird dieser mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf die australische Wirtschaft und damit die Immobilien in Down Under durchschlagen.

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