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Weniger ist mehr – Mikro-Apartments, temporäre Wohnungen & Co.

Die Anziehungskraft urbaner Gebiete und großer Städte ist nach wie vor stark. Auf gleichbleibendem Platz müssen immer mehr Leute versorgt werden. Am Immobilienmarkt zeigt sich das mit dem Anstieg von Anzeigen für Mikrowohnungen, temporären Wohneinheiten oder Angeboten zum Co-Living. Sie bewähren sich als gute Lösungen für den durch hohe Wohnpreise und Bevölkerungswachstum verursachten Engpass in Städten.

Für Wohnzimmer zu großes Sofa ist schräg an Wand angelehnt

Als logische Folge des rasanten Zustroms in urbane Gebiete würde so mancher mit einer gleichwertigen Flucht in die ländlichen Gebiete rechnen. Doch dem ist nicht so. Um am Puls des Geschehens und nahe bei Freunden und Familie bleiben zu können, wird der mangelnde Platzbedarf von vielen in Kauf genommen. Die Leute sind mittlerweile sogar bereit in sogenannte Mikrowohnungen zu ziehen. Dabei handelt es sich in der Regel um 30-40m² 2-Zimmer Wohnungen. Entweder für den Eigengebrauch oder als separate Wohneinheit einer Co-Living Gemeinschaft,  in welcher sowohl Gemeinschaftsräume als auch die Einrichtung und sämtliche Annehmlichkeiten mit den anderen Bewohnern geteilt werden. Die steigende Beliebtheit dieser Wohnweise führt in einigen Städten wie Graz bereits zum Problem.

Neue Anforderungen an Immobilienentwickler

Laut Angaben der Weltbank lag die Anzahl der Stadtbewohner 2007 bei etwa der Hälfte der Weltbevölkerung. Bis zur Mitte dieses Jahrhunderts werden sie jedoch mehr als zwei Drittel dieser Zahl ausmachen, so die UN. Stadtplaner und Immobilienentwickler wurden vor die Herausforderung gestellt, die Lebensqualität hoch zu halten und gleichzeitig dem ungebremsten Wachstum Rechnung zu tragen.

Micro-Living: Mikrowohnungen

Eine der Lösungen ist der Ausbau sogenannter Mikrowohnungen. Diese sind meist um die 30m² klein. Vergleichsweise beträgt die Wohnfläche eines Durchschnittsdeutschen bei ungefähr 46m². Die Devise lautet also mehr in weniger zu stecken, während die dadurch unvermeidlichen Kompromisse in Kauf genommen werden. In Japan wird’s nochmal um ein Stück enger. Dort beträgt die empfohlene Mindestfläche für eine Person 25m². Einige Einwohner Tokyos wohnen jedoch in Wohnungen, die nicht viel größer als 8 m² sind.

Vorreiter Tokio

Gerade in Ballungszentren, wo Wohnraum ohnehin schon knapp ist und künftig noch begrenzter sein wird, entstehen immer öfter sogenannte Micro-Living-Projekte. Bedingt dadurch, dass wie oben bereits erwähnt, im Jahr 2050 zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben wird. Das heißt, immer mehr Menschen müssen sich einen begrenzten Platz teilen. Besonders in Asien, speziell in der japanischen Hauptstadt Tokio, stellt das eine große Herausforderung dar. Mit 13 Millionen Einwohnern ist Tokio die achtgrößte Stadt der Welt, gemessen an der Bevölkerungsdichte liegt der Großraum Tokio mit 38 Millionen Einwohnern auf etwa 13.500 Quadratkilometern aber weltweit vorne. Nirgends sonst leben so viele Menschen auf so engem Raum. Die Japaner waren daher auch die ersten, die den Vorteil des Micro-Living erkannt haben. Micro-Apartments, die hier durchschnittlich 26 Quadratmeter umfassen, sind seit einigen Jahren sehr beliebt. Ein Trend, der sich schnell ausbreitet. New York, Berlin, London. In Wien entsteht gerade ein gutes Beispiel dafür, wie Micro-Living ausschauen kann. Das „Viertel 2“ zwischen Krieau, WU Wien und dem Grünen Prater bietet eine Vielzahl an kleinen Eigentumswohnungen und guten Arbeitsmöglichkeiten mit größtmöglicher Lebensqualität im Grünen.

Das Wohnkonzept Micro-Living führt dazu, dass auch Innenausstattung und –einrichtung neu gedacht werden müssen. Möbel, die in vertikalen Ebenen angeordnet sind, lassen keinen Zentimeter ungenutzt. Der Schlafbereich mit einem Plattformbett bietet so nicht nur Erholung in der Nacht, sondern tagsüber eine Fläche, die als Schreibtisch genutzt wird. Gleichzeitig sorgen Laden in der Plattform für ausreichend Stauraum. Schränke übernehmen die Funktion von Wänden oder werden einfach horizontal an der Decke angebracht. In Micro-Apartments sind schlaue Lösungen gefragt, die gleichermaßen praktisch und stylish sind. Räume werden zu multifunktionalen Bereichen, die mehr können, als man vermutet.

Temporary Living: Temporäre Wohnräume

Aus der Sicht von Vermietern sind unbefristete Wohnmietverträge nicht äußerst beliebt. Das schränkt die zukünftige Entscheidungsfreiheit an der Immobilie ein. Genauso unbeliebt sind zu kurze Mietdauern. Der Aufwand einen Leerstand zu vermeiden ist zu groß. Viel komfortabler sind 3-5 Jahresverträge mit Mietern. Bei Personen aus dem Ausland die aus beruflichen Gründen eine temporäre Aufenthaltserlaubnis erhalten haben, den sogenannten Expatriates, reiben sich Vermieter seither die Hände. Die Mietdauer ist absehbar und die Miete langt pünktlich ein. 2018 wurde Deutschland zum zweitbeliebtesten Arbeitsland der Welt ernannt und sollte auch in Zukunft für regen Zustrom ausländischer Fachkräfte, auf der Suche nach einer Unterkunft, sorgen.

Dasselbe gibt es mit einem relativ neuen Konzept für inländische Berufspendler. Unternehmen wie Linked-Living bieten Micro-Apartments auf Zeit an. Ideal für Geschäftsleute, die wochentags in der Stadt leben und arbeiten, sowie für Studierende, die eine hochwertige Wohnung in zentraler Lage suchen. Perfekt auf die schnelllebige heutige Wirtschaft und Gesellschaft zugeschnitten. Ein eigene Wohnung samt Fitnessstudio, Bistro oder Co-Working Spaces im selben Gebäude.

Modernes weißes kleines Haus außen mit Landschaftshintergrund

Weniger ist mehr!?

Bereits in den 1970er-Jahren entstand in den USA das sogenannte Tiny House Movement. Eine Bewegung mit dem Grundsatz der Reduktion auf das Wesentliche. Unter der Behauptung des „Gesundschrumpfens“ fand Sie zahlreiche Anhänger. Auf zahlreichen Websites wurden Pläne für den Eigenbau zur Verfügung gestellt. Mittlerweile gibt es bereits Hersteller wie Mikrohaus oder Tiny-Houses bei denen Sie diese wie jedes normale Haus fix und fertig kaufen können. Die kulturelle Verschiebung hin zum Minimalismus ist zum Trend geworden. Schon der italienische Star-Architekt Renzo Piano hat sich vor einigen Jahren daran versucht, das Prinzip des Micro-Livings auf nur sechs Meter Wohnfläche, umzusetzen.

Der neue Luxus liegt heutzutage weniger im Besitz eines großen Hauses mit riesigem Garten, sondern viel mehr an einer zentralen Lage zu Arbeit, Ausbildung, Freizeitaktivitäten, Freunden und Familie. Das lässt sich schon so mancher etwas kosten nur um nicht pendeln zu müssen. In Großstädten ist man mittlerweile bereit bei der Wohnungssuche Abstriche an der Wohnfläche in Kauf zu nehmen und einen überteuerten Preis zu zahlen, solange die Lage den autonomen Lebensstil unterstützt.

Heimweh ade?

Auch das Thema Mobilität ist uns wichtiger als je zuvor. Für die Freiheit nicht an einen Ort gebunden sein zu müssen sind wir bereit Kompromisse einzugehen. Das zeigte sich unter anderem am steigenden Trend bzw. Hashtag #vanlife. Unternehmen wie easygoinc sahen die steigende Nachfrage am Ausbau von größeren PKWs als Chance und helfen Leuten in Ihren Vans zu leben und zu reisen. Millionen von Posts auf Instagram, Pinterest und Twitter zeigen skurrile und abenteuerliche Fotos von hauptsächlich jungen Leuten, die mit Hilfe eines winzigen Hauses auf Rädern von Strand zu Strand, über Berge oder in die Wüste reisen. Finanziell erhaltbar wird das Ganze durch erfolgreiche Vermarktung des Lebensstils in Kombination mit geringen Lebenskosten.

Neue Lebensweisen

Diese neuen Arten zu Arbeiten, zu Wohnen und seine Freizeit zu verbringen lassen sich immer mehr miteinander vereinen. Vorrauschschauende Immobilienentwickler setzen daher bereits verstärkt auf Co-Living Modelle, in denen der private Raum auf winzige Schlafzimmer beschränkt ist, während alle Annehmlichkeiten, Wohn- und Arbeitsräume gemeinsam genutzt werden. Mehr zum Thema Co-Living finden Sie auch in unserem Artikel zur „Sharing Economy“.

Das vermehrt Leute in kleineren Räumlichkeiten verweilen, wirkt jedoch weniger wie Zwang als eine selbst getroffene Lebensweise. Viele sind mehr als bereit, auf Wohnfläche zu verzichten, wenn ein freier, mobiler Lebensstil beibehalten werden kann. Wie gewohnt und gearbeitet wird, erzeugt nicht nur einen kulturellen Shift in unserer Gesellschaft, sondern wird in den kommenden Jahren auch für Entlastung in den Städten sorgen.